Die Ex-Manager der angeschlagenen Hypo Real Estate kommen mehr und mehr in Bedrängnis. Ihnen drohen hohe Schadenersatzforderungen.
Nach der Großrazzia bei der Immobilienbank Hypo Real Estate (HRE) wird die Lage für die frühere Konzernspitze zunehmend ungemütlich. Die Münchner Staatsanwaltschaft wirft Exkonzernchef Georg Funke und dem bisherigen Finanzvorstand Markus Fell nach Informationen der Süddeutschen Zeitung vor, eine zu riskante Geldpolitik betrieben und diese nicht geändert zu haben, als sich die globale Finanzkrise ausweitete.
Angesichts der um sich greifenden Bankenkrise hätten Funke, Fell und der übrige damalige Vorstand seit Mai die Strategie ändern und so die Liquidität der HRE sichern müssen (© Foto: AP)
Anzeige
Dadurch hätten Funke, Fell und andere Konzernmanager die HRE beinahe in die Pleite geführt und auf diese Weise Unternehmensvermögen veruntreut. Das könnte nach Ansicht eines Beteiligten am Ermittlungsverfahren zu hohen Schadenersatzforderungen der HRE führen.
Strategieänderung wäre notwendig gewesen
Die Aktiengesellschaft lässt bereits seit Mitte Oktober von einer auf Wirtschaftsfälle spezialisierten internationalen Kanzlei untersuchen, ob Funke und ein weiterer kurz zuvor ausgeschiedener Vorstand gegen ihre Dienstpflichten verstoßen haben. Die Staatsanwaltschaft lastet Funke, Fell und anderen Managern an, insgesamt sieben Vorschriften des Aktiengesetzes, des Strafgesetzbuches und des Wertpapierhandelsgesetzes missachtet zu haben. Sie sollen unter anderem Paragraph 93 Aktiengesetz verletzt haben.
Der Paragraph verpflichtet Vorstände zur "Sorgfalt eines ordentlichen und gewissenhaften Geschäftsleiters". Im Durchsuchungsbeschluss, der zur Großrazzia bei der HRE führte, wird dieser Vorwurf mit einer zu riskanten Geldpolitik der Finanzgruppe begründet. Angesichts der um sich greifenden Bankenkrise hätten Funke, Fell und der übrige damalige Vorstand seit Mai die Strategie ändern und so die Liquidität der HRE sichern müssen.
Die Staatsanwaltschaft lastet diesem Kreis von Managern neben Untreue weitere Gesetzesverstöße an. Sie sollen die Notlage des Immobilienfinanzierers verschleiert, Aktionäre und Öffentlichkeit getäuscht und so den Aktienkurs an der Börse manipuliert haben. Diesen Managern drohen im für sie schlimmsten Fall neben hohen Schadenersatzforderungen der HRE und Geldstrafen außerdem bis zu fünf Jahre Gefängnis.
Funke und Fell haben sich bislang offensichtlich nicht zu den Vorwürfen geäußert. In Funkes Umfeld werden die Umstände, die im September diesen Jahres beinahe zum Kollaps der HRE geführt hätten, ganz anders dargestellt als von der Staatsanwaltschaft.
Nach der Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers seien die Finanzmärkte in Panik geraten. Die HRE habe von anderen Banken kaum noch Geld erhalten. Man habe die Lage der Bank immer nach bestem Wissen und Gewissen dargestellt und weder die Aktionäre noch die Öffentlichkeit getäuscht.
(sueddeutsche.de/hgn)
Moderne Verwaltung
Wenn ich die Kommentare so lese, frage ich mich, ob wir nicht alle ein wenig den Rechtsstaat aus den Augen verlieren. Ich bin auch dafür, jemanden zu bestrafen, wenn er Geld veruntreut. Aber jetzt wahllos auf Manager zu schimpfen, am besten Bankvorstände, ist mir zu pauschal. Zuerst muss man doch mal fragen, ob der Betreffende tatsächlich etwas getan hat, was er nach kaufmännischen und juristischen Maßstäben nicht hätte tun dürfen. Und dann kann man nach strafrechtlichen Konsequenzen rufen. Aber jetzt wüst auf alle Bankvorstände zu schimpfen, weil sie in allgemein für risikoarm gehaltene Produkte investiert haben oder weil sie sich auf das Funktionieren des Geldmarktes verlassen haben, das ist nicht in Ordnung. Dann müsste man ja auch den Autoverkäufer bestrafen, wenn einer seiner Kunden später mit dem Auto verunglückt.
Und was ich überhaupt nicht verstehe: Wenn jemand von Straßenschlachten in Berlin schreibt und tatsächlich 4 positive Bewertungen bekommt. Wollt Ihr gerne in einer ausgebrannten Stadt leben? Wollt Ihr Euren Job verlieren, weil Euer Arbeitgeber gebrandschatzt wurde? Wir haben etwas zu verlieren!!!
sollte eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein.
Wie eine Gebetsmühle, die infaltilen Neiddebatten-Vorwürfe, aber umgekehrt wir sich keiner damit beschäftigen warum es zu so einem Zusammenbruch kam.
Vollkommen überzeugend ist es nicht, wenn behauptet wird, dass keiner die Arbeit machen will, wenn schlecht bezahlt oder mit Risiko verbunden. So ganz stimmt das nicht, auch hier hat man sich auch zusätzlich für das Unschuldigmachen präpariert,
Die große Unverschämtheit ist - und das wissen viele Beschäftigte meist gar nicht - wie weit ihre eigene Mitarbeiterhaftung geht. Manch einer würde da staunen und bei so macher Gelegenheit mehr Sorgfalt walten lassen, wenn er wüsste, wie - bis zum letzten Hemd - er bei Fahrlässigkeit oder Versagen haftbar gemacht werden kann.
UND das genau von solchen Prinzipalen, die sich einen Dreck um die Gelder anderer scheren, die sie als Spielgeld zur eigenen Bereicherung einsetzen.
Die Haftung sollte richtig grob, sein wie bei dem armen Schlucker um die Ecke - Taschenpfändung wenn er Montags aus der Lottoannahmestelle kommt.
Dies ist ein wunderbares Beispiel für die gesamte Abfolge der wirtschaftlichen Kollapses, es wird mit Dingen gehandelt, die urplötzlich keinem mehr gehören, mit fremdem Geld ohne Veranwortung und mit sonderbaren Auswirkungen, die keinen wirklich interessieren und am Ende nur den schwächsten und letzten im Glied treffen.
... aber der letzte im Glied ist ohnehin Bongo-Bongo!
Hat da Seehofer einem befreundeten Staatsanwalt den TIp gegen "ermittel mir da doch mal?".
Wahrscheinlich mit der Vorgabe "aber die CSU lässt Du schön draussen" ... ach ... das ist nicht die Bayern-LB? DIe Hypo-Real-Estate?
Da können wir ja vorgeben so richtig durchgreifen zu können ...
Ein Anfangsverdacht und eine Ermittlung ist noch lange keine Verurteilung ... und selbst eine Verurteilung aller Manager plus Beschlagnahmung des gesamten Vermögens der Manager würde die versenkten Milliarden nicht zurück bringen.
Im Nachhinein betrachtet ist das Handeln der Manager nicht effektiv gewesen. Aber strafbar? Das Recht kennt keine wirtschaftlichen Betrachtungen ... Fehleinschätzungen sind nicht justiziabel. Ebenso wenig wie Dummheit.
Offensichtlich ist einigen Vertretern sogenannter "Eliten" das geflügelte Wort, der Krug geht so lange zum Brunnen, bis er bricht, nicht sonderlich geläufig.
So lange die Herren Sinn, Rodenstock oder Henkel ungestraft in allen möglichen Talkshows auftreten dürfen und die armen Manger verteidigen, während auf der anderen Seite Hartz IV Empfänger immer weiter überwacht werden, damit sie auch nicht irgendwo auch nur einen Cent privat besitzen, bevor sie von Staat Geld bekommen, ist unsere Demokratie hochgradig gefährdet.
Irgendwann lassen sich das die Bürger und Steuerzahler einfach nicht mehr bieten und auch in Berlin wird es Straßenschlachten geben.
Paging