Sonntag, 28. September:

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Steinbrücks Chefunterhänder: Staatssekretär Jörg Asmussen (© Foto: dpa)

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In Bayern wird der Landtag neu gewählt, die CSU erleidet eine schwere Niederlage. Doch in Berlin interessiert sich die Kanzlerin vor allem für die HRE. "Wir müssen da eine Bank retten", raunen ihre Leute, noch ehe die Wahlergebnisse publik werden.

10.40 Uhr:

Sanio erklärt, dass eine Lösung für die HRE ohne die Politik nicht möglich sei. Franz-Christoph Zeitler, Vize der Bundesbank, ist skeptisch. Vor Montag, wirft er ein, werde die Regierung kaum handlungsfähig sein. So viel Zeit aber bleibt nicht, denn die HRE ist auch in Japan aktiv, wo am Montag um 1.00 Uhr deutscher Zeit die Börse öffnet. Bis dahin muss die Rettung stehen.

11.20 Uhr:

Jürgen Lindlar, dem Chef des Prüfungsverbands, verliert die Geduld: Er fordert, dass der HRE nur geholfen werden dürfe, wenn die Verantwortlichen rausgeworfen würden. Gegen Mittag lässt Weber sich mit Steinbrück verbinden. Er fragt, ob die Regierung helfen könne. Steinbrück sagt, er werde die HRE weder verstaatlichen, noch ihre Probleme dem Steuerzahler aufbürden. Wenn überhaupt, könne er allenfalls einer Rettung durch den Einlagensicherungsfonds der Banken zustimmen. Weber berichtet den Verhandlungsteilnehmern und erklärt, es müssten die Banken helfen. Im Falle von Verlusten könne der Bund womöglich oberhalb einer Summe von zwei Milliarden Euro bürgen. Neue Zweifel keimen auf. Bankenpräsident Müller gibt zu bedenken, dass die Zahlen der HRE unzuverlässig seien.

12.30 Uhr:

Erstmals fällt ein Begriff, der Steinbrück noch jede Menge Ärger bereiten wird: Lindar sagt, die drei deutschen Banktöchter müssten abgewickelt werden. Noch immer ist unklar, ob der Bund mitzieht. Dennoch machen sich die Banker daran, Hilfen für die HRE in Höhe von 15 Milliarden Euro aufzuteilen. Ackermann sagt fünf Milliarden zu, Commerzbankchef Blessing wirft für sein Haus und die Dresdner Bank jeweils 2,5 Milliarden in den Topf. Auch die Hypovereinsbank bietet 2,5 Milliarden Euro, die Postbank lässt ausrichten, sie sei mit einer Milliarde Euro dabei. Der Rest entfällt auf kleinere Institute. Der Einlagensicherungsfonds bleibt unangetastet.

14.10 Uhr:

Ackermann fasst zusammen: Die Kreditwirtschaft gibt 15 Milliarden, die EZB 20 Milliarden, der Bund bürgt. Bei Verlusten übernehmen Regierung Banken je 50 Prozent, letztere maximal zwei Milliarden Euro. Am Nachmittag wird die Sitzung unterbrochen: Steinbrück hat sich entschieden, seine Strategie zu ändern und doch jemanden nach Frankfurt zu beordern. Staatssekretär Jörg Asmussen steigt ins Flugzeug.

17.05 Uhr:

Sanio erläutert Asmussen die Lösung. Er macht deutlich, was am Ende stehen soll: Die deutschen HRE-Töchter werden verkauft, die Konzern-Holding geht in die Insolvenz. Auch Weber, Ackermann und Müller reden auf den Staatssekretär ein. Der Bundesbankpräsident verweist auf Hilfszusagen der Regierungen in Frankreich, Belgien und den Niederlanden für ihre Banken, Ackermann spielt die Standortkarte: Gebe Paris eine Staatsgarantie, Berlin aber nicht, werde das Geld künftig nach Frankreich fließen. Der Poker beginnt.

Asmussen ist unbeeindruckt. Garantien, erklärt er, dürfe der Bund nach dem Haushaltsrecht nur übernehmen, wenn die Verlustwahrscheinlichkeit unter 50 Prozent liege. Dafür sei ein Nachtragsetat nötig, der nicht über Nacht aufgestellt werden kann. Ohnehin müsse er erst mit Steinbrück und dem Kanzleramt sprechen. Bis Montag sei keine Lösung möglich. Ackermann wird wütend: Das Ministerium wisse seit Donnerstag Bescheid. Er gehe jetzt und bereite seine Leute darauf vor, dass der Geldhandel der Banken untereinander in wenigen Stunden zusammenbrechen werde.

18.27 Uhr:

Die Banker verlassen das Gebäude. Asmussen telefoniert, nach gut vier Stunden scheint sich etwas zu bewegen. Die Banker werden zurückgerufen.

22.45 Uhr:

Nicht Asmussen, sondern Ackermann steht jetzt unter Druck. Der Staatssekretär verlangt, dass die Banken von möglichen Verlusten 55 Prozent tragen - ohne jede Deckelung. In 20 Minuten müsse eine Entscheidung stehen. Der Deutsche-Bank-Chef protestiert: Dies, so sagt er, sei der Tod des deutschen Bankensystems.

Doch Ackermann hat das Spiel begriffen. Er erhöht das Limit der Banken von zwei auf sieben Milliarden Euro. Mehr könnten die Geldkonzerne beim besten Willen nicht stemmen. Sanio sieht auf die Uhr: Nur noch gut zwei Stunden, bis der Börsenhandel in Tokio beginnt. Jetzt ist es Weber, der wütend wird: Er wolle für ein Scheitern der Rettung nicht verantwortlich sein, sagt er und kündigt an, die Bundesbank werde ihrerseits Hilfen prüfen. Wieder blicken alle auf Asmussen: Wird die Regierung ihr Angebot erhöhen? Nein, sagt er.

22.55 Uhr:

Asmussen und Weber verlassen die Runde, um an einer Telefonschaltkonferenz mit Berlin teilzunehmen. Ackermann hat genug und will ebenfalls gehen, tut es aber nicht.

23.00 Uhr:

Sanio weist Frauke Menke, seine Abteilungspräsidentin Großbankenaufsicht, an, Moratorien für die deutschen HRE-Töchter vorzubereiten. Damit würden die Institute von Montag an praktisch von der Bafin gemanagt.

23.30 Uhr:

Asmussen kommt zurück und unterbreitet ein neues Angebot: 50 Prozent Verlustrisiko für den Bund, 50 Prozent für die Banken - keine Deckelung. Mehr sei nicht drin, die Offerte sei mit Steinbrück und Kanzlerin Angela Merkel besprochen. Die Bankmanager verlassen wortlos den Raum. Die Verhandlungen scheinen gescheitert.

22.35 Uhr:

Die irische Notenbank und der Präsident der Europäischen Zentralbank, Jean-Claude Trichet, werden informiert. Sanio lässt HRE-Chef Funke und seine Vorstandskollegen, die den ganzen Tag über in einem anderen Raum zugebracht haben, rufen und erklärt, dass sie Insolvenzanträge stellen müssten.

23.57 Uhr:

Plötzlich betritt der angeblich abgereiste Ackermann den Raum wieder und erklärt zur allgemeinen Verblüffung, weiterverhandeln zu wollen. Der Deutsche-Bank-Chef hat mit Steinbrück telefoniert. Er bietet eine hälftige Aufteilung möglicher Verluste bei einem Limit von sieben Milliarden Euro an.

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