"DDR light" und "Steinbrücks Banküberfall": Mit markigen Worten zelebrieren die Kleinaktionäre der Hypo Real Estate bei der finalen Hauptversammlung den Ausschluss aus ihrer Bank.
Ein unsichtbarer Regisseur hatte sich ein paar dramaturgische Tricks einfallen lassen, um den letzten Akt eines großen Theaterstücks wirkungsvoll zu inszenieren: Die erste Verstaatlichung einer Bank in der Geschichte der Bundesrepublik wird im Kongresszentrum der Messe München auf einer außerordentlichen Hauptversammlung der Hypo Real Estate (HRE) beschlossen.
Mit markigen Worten kritisieren die verbliebenen HRE-Aktionäre ihre Enteignung. (© Foto: ddp)
Anzeige
Rundherum strömen geschäftige, langweilige Normalität ausstrahlende Manager zu Immobilienmesse Expo Real. Dort geht es um neue Geschäfte und eine hoffentlich bessere Zukunft. Direkt daneben aber geht es um Vergangenheitsbewältigung der unangenehmen Art. "Beerdigung" nennen Kleinaktionäre das oder "kalte Enteignung". Und wann könnte man sich darüber besser ereifern als unmittelbar nach dem 20. Tag der deutschen Einheit, mit der die Staatswirtschaft der DDR beerdigt wurde?
"Mit dem Enteignungsgesetz ist bei uns die DDR eingekehrt", ruft denn auch Leonhard Steppberger den Männern und Frauen auf dem Podium zu. Der Kleinaktionär ist wie viele hier der Ansicht, die HRE hätte auch ohne eine komplette Verstaatlichung gerettet werden können. "Wir sind unterwegs in einen staatlich gelenkten Inselsozialismus, eine DDR-light", schreit ein Aktionär mit blauem Pulli und Löwenmähne.
"Das ist Kursmanipulation"
90 Prozent hatte sich der Bund über den Bankenrettungsfonds Soffin bereits Anfang Juni über eine Kapitalerhöhung gesichert. Warum, so fragt auch Daniela Bergdolt von der Aktionärsvertretung DSW, warum können die verbleibenden Aktionäre nicht wie bei der Commerzbank von einer möglichen Kurserholung profitieren?
Der Mann, der diese Frage zu Beginn der Hauptversammlung mit der Nüchternheit eines Kreisverwaltungsreferatsangestellten beantwortet hat, verfolgt die Anwürfe der aufgebrachten Aktionäre mit unbewegter Miene. HRE-Chef Axel Wieandt hatte wie schon auf zwei Hauptversammlungen zuvor darauf verwiesen, dass der Soffin die Bank nur unter der Voraussetzung weiterhin stützen wolle, wenn er die vollständige Kontrolle über die Gesellschaft erlange. Juristische Berater hätten diese Sichtweise bestätigt. Auch der niedrige Abfindungspreis sei gerechtfertigt, ein Gutachten der Wirtschaftsprüfer von PwC habe einen Unternehmenswert von unter Null ermittelt.
Der einstige Großaktionär Christopher Flowers hatte immer wieder erklärt, man hätte die geplante Sanierung der Bank auch ohne den Ausschluss der Minderheitsaktionäre umsetzen können, und einen höheren Abfindungspreis verlangt.
Flowers äußert sich längst nicht mehr zu dem Thema. Doch Kleinaktionäre wie Steppberger lassen sich von Wieandt - "der sich für die Arbeit bei einer Null-Wert-Bank fürstlich entlohnen" - nicht beruhigen. Er habe seine gesamte Altersvorsorge verloren, klagt der Mann. Die Schuld dafür sucht er vor allem bei Finanzminister Peer Steinbrück (SPD). Der scheidende Minister sei Schuld, dass die Aktionäre jetzt mit 1,30 Euro pro Aktie abgefunden werden sollten. "Er hat mit seinem Gerede von einer geordneten Abwicklung den Kurs erst dahin gebracht, wo er jetzt ist", sagt Steppberger. "Das ist Kursmanipulation!" Karl-Walter Freitag, ein in Vorstandsetagen berüchtigter Berufsaktionär erntet brausenden Applaus, als er die Verstaatlichung als "Steinbrücks Banküberfall" qualifiziert.
Angriffe laufen ins Leere
An dem Ausgang dieser Hauptversammlung wird all das nichts ändern. Mit der Mehrheit des Soffin wird der Ausschluss der Kleinaktionäre beschlossen werden. Die Anteilseigner aber werden diese letzte Chance nutzen, ihrem Frust als HRE-Aktionäre Luft zu verschaffen. Und sie nutzen diese Gelegenheit weidlich, auch wenn mancher Protest bekannter Berufsaktionäre eher routiniert als ehrlich empört wirkt. Auch die üblichen Störfeuer werden inszeniert, der Versammlungsleiter, Aufsichtsratschef Bernd Thiemann, soll abgewählt werden, er habe Gegenanträge nicht zugelassen, lautet der Vorwurf. Doch auch dieser Angriff läuft ins Leere.
Wie es weitergeht, mit der HRE, das brachte die DSW-Frau Bergdolt gleich zu Beginn auf den Punkt: "Wir sind heute zu einer Abschlussveranstaltung zusammengekommen. Den Rest dürfen die Gerichte erledigen." Und sie werden viel Arbeit bekommen. Die DSW und zahlreiche Anwälte werden die HRE, das alte Management, den Aufsichtsrat und die neuen Eigner mit zahllosen Klagen überziehen. Sie werden die Verstaatlichung anfechten und den Abfindungspreis. Und sie werden versuchen, das alte Management zur Rechenschaft zu ziehen. Aktionäre fordern mehr als eine Milliarde Euro Schadenersatz, weil sie sich von Ex-Chef Georg Funke getäuscht sehen.
Einen Weg zurück in die Normalität von Immobilienmessen und Applaus-Hauptversammlungen wird es für die HRE noch lange nicht geben.
- Thema
- Hypo Real Estate RSS
- Finale Hauptversammlung der HRE Aktionäre auf den Barrikaden 05.10.2009
- Hypo Real Estate Milliardenklage gegen HRE 25.09.2009
- HRE-Untersuchungsausschuss Lob für die CDU - Tadel für die SPD 18.09.2009
- Hypo Real Estate Schwere Bürde in den Büchern 14.09.2009
- HRE: Peer Steinbrück Der letzte Zeuge 30.08.2009
- Hypo Real Estate: Millionenverlust Tiefrot - und dennoch optimistisch 07.05.2010
- Georg Funke gegen HRE Im Zweifel für den Zocker 06.05.2010
(sueddeutsche.de/tob)
DFB-Pleite gegen die Schweiz
die HRE-Pleite hätte den Weltbankenapparat zerstört war eine Lüge. Richtig ist: Einige hundert Gläubiger, voran die Allianz, die DB und deutsche Landesbanken, aber auch viele sehr suspekte internationale Banken hätten Millionen- bis Milliardenverluste abschreiben müssen.
Nun steht der Steuerzahler für die Verpflichtungen der HRE gerade, bis Ende 2010 ist von 200 Milliarden Euro die Rede.
Die "geretteten" Gläubiger ziehen bei Fälligkeit ihre Kredite mit Zinsen ab und führen die erwirtschafteten Gewinne ihren Aktionäre zu. Damit ist wenigstens der reiche Teil der deutschen Steuerzahler aus dem Schneider.
Soros hält amerikanische Banken für "quasi bankrott".
W w w.ftd.de/politik/konjunktur/:fragile-konjunkturerholung-soros-haelt-amerikanische-banken-fuer-quasi-bankrott/50019327.html
Die nächste bitte ....
Nach einem Bericht der europäischen Kommission sitzen europäische Banken auf 18.000 Euro wertlosen Derivaten, ca. 44% ihrer "Vermögensanlagen".
Die Spareinlagen sind sicher .... sagte .... der Osterhase?
@wotcom: An Ihren Bewertungen lässt sich feststellen, dass keiner die Zusammenhänge verstanden hat.
Drei Chatter a la Tinus77 und die HRE wäre gerettet.
Die Wirtschaftsprüfer des Finanzministeriums haben bei der HRE kein einziges Geschäftsfeld entdeckt, um damit nur die laufenden Kosten zu erwirtschaften, geschweige denn Gewinne zu erwirtschaften.
Eigentlich das selbe, wie bei allen anderen Landesbanken auch. Die Vorstände und Aufsichtsräte haben entgegen den Satzungen die Kundengelder im Spielcasino veruntreut und werden für diese Finanzbetrügereien auch noch fürstlich honoriert. Bevor der Mob für Gerechtigkeit sorgt, sollten sich diese Finanzbetrüger in einer psychiatrischen Klinik ein Plätzchen suchen.
Anscheinend verstehen sie nicht die komplexen Wirtschaftszusammenhänge.
1. Ohne den Staat wird dieses Unternehmen auf lange Zeit keine Kredite aufnehmen können. Daher macht das staatliche Engagment den Unterschied zwischen Vollpleite und Gesundung aus. Das ist das Privileg des deutschen Staates, da es ihm aufgrund seiner Größe ein leichtes ist. Das gibts aber nicht zum Nulltarif, da es unser aller Geld ist, bzw. wir es uns nicht leisten können das umsonst zu geben (siehe 12 Billionen EUR Schulden).
2. Garantien zu geben sind ein finanzielles Risiko, für das die Finanzinstitute ordentlich Geld geben müssen. Wer da sagt, es muss gar nichts gezahlt werden, hat überhaupt keine Ahnung. Vielleicht muss der Staat auch alles zahlen. Sie sind ein unverbesserlicher Optimist, was OK ist. Aber Sie können nicht verlangen, dass andere (wie hier der Staat) erhebliche Risiken von nunmehr 78 Mrd. EUR optimistischerweise zum Nulltarif übernimmt. Dann bräuchte es ja gar keine Bürgschaften mehr, da jeder den Optimismus des Schuldners übernehmen müsste. Also wirklich. Das ist ein Mindestverständnis.
3. Ja, wussten sie nicht, dass einige der Kredite, die die HRE ausgegeben hat enorme Laufzeiten haben (ich habe noch etwas von über 20 Jahren im Ohr, genaues weis ich nicht, wer kennt schon einzelne Verträge). Also dass die HRE das Geld dafür ewig nicht wiedersehen wird, unterdessen dieses aber ständig refinanzieren muss. DAS IST DOCH DAS PROBLEM! Mann, Mann, Mann.
Paging