Nie war Rohöl so teuer wie heute - ein Barrel kostet fast 100 Dollar. Vor allem Spekulanten treiben den Preis in die Höhe. Und die Lage wird sich noch verschärfen.
Vor dem tristen Gebäude der New Yorker Rohstoffbörse Nymex stehen die Broker in ihren bunten Firmenjacken. Viele ziehen nervös an einer Zigarette. Diese Tage sind besonders hektisch. Die Börsenprofis drehen am großen Rad der Ölpreisspekulation.
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Dabei geht es vor allem um sogenannte Öl-Terminkontrakte, also Lieferungen zu einem bestimmten Zeitpunkt und einem vorher vereinbarten Preis. Es sind für die Spekulanten Wetten auf die Zukunft. Öl-Terminkontrakte machen mehr als die Hälfte des täglichen Handelsvolumens an der Nymex-Sparte für Energie aus. Milliarden werden hin und her geschoben.
An der Nymex entscheidet sich, was Verbraucher in großen Teilen der westlichen Welt für Benzin oder Diesel bezahlen müssen. Und derzeit gibt es für die Preiskurve des Öls nur eine Richtung: nach oben. Experten erwarten, dass der Preis für ein Barrel Öl (1 Barrel = 159 Liter) in den nächsten Tagen die Rekordmarke von 100 Dollar knacken wird.
Ausreichende Produktion
Die Ölhändler an der New Yorker Rohstoffbörse arbeiten dabei mit einer Art sich selbst erfüllenden Prognose. Wenn alle von steigenden Preisen reden, folgen die Märkte diesem Trend. Vieles spricht dafür, dass dieser Mechanismus derzeit zum beherrschenden Moment des Ölpreisbooms geworden ist.
Dabei ist die Angst vor einer Zuspitzung politischer Krisen in wichtigen Ölförderregionen dieser Welt ein willkommener Anlass, den Preis in die Höhe zu treiben.
Einmal ist es der Konflikt um das angebliche Atomwaffenprogramm Irans, ein anderes Mal erscheint ein mögliches militärisches Eingreifen der Türkei im Norden des Irak als Auslöser einer drohenden Ölknappheit.
Tatsache ist jedoch, dass die Versorgung der Ölmärkte trotz hoher Nachfrage ziemlich problemlos funktioniert. Immerhin hatte das Ölförderkartell Opec Anfang September beschlossen, die Fördermenge in diesem Herbst um 500.000 Barrel pro Tag zu erhöhen.
Es seien vor allem Hedge-Fonds und Ölspekulanten, welche die Preise derzeit von einem Rekordstand zum anderen treiben, erklärt Jason Schenker, ein Rohstoff- und Energie-Analyst bei der amerikanischen Bank Wachovia. So können spekulative Einflüsse den Ölpreis durchaus um etwa zehn Prozent steigen oder fallen lassen.
Dass Öl derzeit ähnlich interessant zu sein scheint wie beispielsweise Gold, ist auch eine Folge der internationalen Finanz- und Kreditkrise. Die Finanzfirmen suchen jetzt nach alternativen Anlagemöglichkeiten.
Und stoßen dabei auf das Öl. Hinzu kommt der schwache Dollar. Investoren flüchten aus der amerikanischen Währung und suchen nach sicheren Anlagemöglichkeiten für ihr Geld. "Das alles macht Öl zum begehrten Spekulationsobjekt. Es lohnt sich für Börsenprofis. Doch für den Verbraucher hat dies meist negative Folgen", sagt der Banker eines großen Instituts in London.
Auch wenn die gegenwärtige Ölpreis-Rally zu einem erheblichen Teil Ergebnis riskanter Spekulationen an den Rohstoffbörsen ist, heißt dies nicht, dass sogenannte fundamentale Faktoren keine Rolle spielen. So hat die Internationale Energieagentur (IEA) in Paris jetzt in einem neuen Bericht vor weiter steigenden Ölpreisen und der Gefahr eines Versorgungsengpasses gewarnt. So werde die Energie-Nachfrage bis 2030 um 50 Prozent steigen, berichtet die IEA, die 26 Industriestaaten berät und bei der Bewältigung der Energieprobleme helfen soll.
Nachfrage von morgen - schon jetzt an der Börse
Vor allem der stetig steigende Energieverbrauch in Schwellenländern wie China und Indien spielt dabei eine dominante Rolle. Noch mag der Autoverkehr in China im Vergleich zu Europa und den USA bescheiden sein. Doch schon jetzt wird an den Energiemärkten die Nachfrage von morgen gehandelt. Händler an den Rohstoffbörsen müssen in ihren langfristigen Kalkulationen vorwegnehmen, was China künftig für Öl zahlen wird.
Nach Einschätzung der Internationalen Energieagentur könnte China die USA bereits 2010 als größter Energieverbraucher der Welt ablösen. 2030 werde das Land so viel Öl importieren wie alle 27 EU-Mitgliedstaaten zusammen, sagen die Agentur-Experten. Nach Meinung der IEA müssten bis 2030 gigantische Summen in neue Ölfelder investiert werden, damit das Angebot mit der steil ansteigenden Nachfrage Schritt halten kann.
Ein solcher Investitionsschub erscheint allerdings als sehr unwahrscheinlich. Zwar haben die großen westlichen Ölkonzerne nach langen Jahren der Zurückhaltung jetzt ihre Bemühungen zur Erschließung neuer Reserven verstärkt. Doch die klassischen Ölmultis wie Exxon, Shell und BP produzieren zusammen gerade zehn Prozent des Erdöls und Erdgases weltweit. "Big Oil", wie die Multis genannt werden, hat Zugriff auf nur etwa drei Prozent der Reserven. Dagegen wächst der Einfluss von staatlichen Ölkonzernen wie in Venezuela, Russland und Iran. Diese Unternehmen sind jedoch meistens schlecht und ineffizient geführt. Sie haben die Erschließung neuer Ölquellen systematisch vernachlässigt.
Dies alles treibt den Ölpreis noch weiter in die Höhe. Und so halten es Ölhändler in New York und London denn auch für sehr unwahrscheinlich, dass eine Prognose der deutschen Bundesregierung Wirklichkeit wird. In Berlin ging man nämlich noch vor zwei Wochen davon aus, dass im kommenden Jahr der Durchschnittspreis für ein Fass Öl bei 80 Dollar liegen werde.
- Zinsen EZB in der Zwickmühle 07.11.2007
- Rohstoff-Preise Von einem Rekord zum nächsten 01.11.2007
(SZ vom 8.11.2007/hgn)
Bruce Springsteen in Frankfurt
Spekulanten=Gesocks? Ach ja! Die alte Leier..
Flury, was wäre der Kapitalismus wunderbar, wenn es keine Spekulanten gäbe oder besser noch: Ein Kapitalismus ohne Angebot und Nachfrage. Oder noch besser ein Kapitalismus ohne Kapitalismus.
Sicherlich, Spekulanten spielen bei der zZg Preisentwicklung des Öls eine gehörige Rolle. Der Anstieg der letzten Monate ist tatsächlich *auch* durch Spekulation verursacht. Doch es kann nicht drüber hinweg gesehen werden, dass Spekulanten nicht einfach so daher spekuliert,weil sie einfach lustig finden oder weil sie böse sind! Es gibt bestimmte Grössen -Fundamentaldaten!- die in ihre Rechnung einfliessen und danach wird ge*handelt*. "Man" zahlt nicht einfach so mir nichts dir nichts einen völlig übertriebenen Preis für irgendein Produkt.
Sicherlich, mir wäre eine vernünftig "geplante" Wirtschaft, die den Menschen in den Mittelpunkt stellt auch lieber als der blinde Wahn der uns zZ beherrscht...aber auch diese
ist eine alte Leier ;-)
Es wird Zeit, daß Grundversorgungen für die Menschen - auch für die Wirtschaft - den nach Profit geifernden Spekulanten endlich ein Riegel vorgeschoben wird. Dieses Gesindel, zu keiner echten Wertschöpfung fähig, bereichert sich sonst auf Dauer und weiterhin zu Lasten arbeitender Menschen. Diese Kreise endlich mal richtig zu benennen, ob Privatpersonen / Banken (siehe die satzungswidrigen Aktivitäten deutscher Landesbanken im Zuge der Immobilienkrise) / Fonds etc., wäre an der Zeit. Der einzige Unterschied zwischen diesem Gesindel und berufsmäßigen Zockern in Spielerhinterstuben besteht nur darin, daß sie es gelernt haben, Ihre geschäftlichen Aktivitäten mit Finanzgeschwätz zu verbrämen, dies natürlich (noch) im Nadelstreifenanzug, meist windige Bürschchen. In NRW soll jedoch so ein Spekulant vor ca. 1 Jahr beim puren und wiederholten Zechprellen erwischt worden sein, abgebrannt wie dieser Kerl damals war. Also, bitte endlich mal international etwas Ordnung in diese unappetitlichen Zockerkreise bringen !
Einmal mehr wird deutlich, wie dringend alternative Energien sind. Jeder weiß, das Öl eine endliche Ressource ist, ebenso weiß jeder, dass Öl nicht unbedingt die Umwelt schont. Wenn die Schwellenländer die etablierten Industrienationen eingeholt haben und die Nachfrage nach Öl mangels Alternativen immer höher wird, wird es konsequenterweise immer teurer. Das Ergebnis der Verteuerung, bei steigenden Benzinpreisen können sich immer weniger Mobilität mittels KFZ leisten, Steuereinnahmen fallen weg, das Geld fehlt dann an anderer Stelle, siehe Ökosteuer, die die Rente quersubventioniert.
Ich verstehe nicht, wie die Politik weltweit davor die Augen verschließt. Ich bin normalerweise selten negativer meinung, aber in diesem Falle sehe ich ausnahmweise mal hohes Potential für echte Katastrophen und Verteilungskämpfe.
Und hier nur auf den Staat zu schimpfen, ist extrem kurzsichtig. Mit den Steuereinnahmen werden schließlich eine Menge Dinge finanziert, außerdem liegen wir preislich immer noch im europäischien Mittelfeld.
Wir haben das schon so oft erlebt: Aktien, Gold, kürzlich die Immobilien - die Preise und Erwartungen werden in die Höhe getrieben auch wenn es lang keine Rechtfertigung mehr dafür gibt.
Dann reicht ein großer Spieler, der dieses Theater nicht mehr mitmacht, und alle anderen rennen wie eine dumme Schafherde auf Gedeih und Verderb in die andere Richtung. So wird es auch beim ölpreis kommen. Nicht mehr lang, dann wird auch dieser abstürzen.
Nun sind unsere hochbezahlten Finanzprofis keine dummen Schafe - verhalten sich aber so. Warum? Weil sie nur mit Kurs- bzw. Preisänderungen Geld verdienen. Das Ergebnis des Auf und Ab der Börsen resultiert in Milliardengewinne der Finanzinstitute.
Es wird höchste Zeit dem politisch Einhalt zu gebieten. Nur könnten dann im Frühjahr unsere "Fachjournalisten" nicht mehr die Banken für Ihre "Rekordgewinne" feiern und gleichzeitig über die Benzinpreise und die schlechte Inlandsnachfrage meckern.
Öl ist eine endliche Ressource und wer das nicht glaubt kann hier aufhören zu lesen.
Bleiben also nur die Fragen wie und wann uns das Öl ausgeht und was dann passiert. Das "wie" ist einfach beantwortet - die täglichen Förderraten werden, nach dem Fördermaximum, stetig abnehmen und asymptotisch gegen null gehen, den Beweis liefern die historischen Förderdaten aller Felder im decline das ist einfach so. Die Frage nach dem wann lässt sich mit zunehmender Sicherheit mit jetzt beantworten. Zur Beantwortung der Frage was dann passiert möchte ich Joseph A. Tainter als Lektüre empfehlen.
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