Der hohe Ölpreis macht die Ölforderung in Deutschland wieder attraktiv. Nun darf eine Explorations-Gesellschaft zwischen Memmingen und Ammersee nach Öl suchen.
In Bayern gibt es derzeit gerade einmal zwei Ölquellen, aus denen der schwarze Rohstoff gefördert wird: In Aitingen bei Landsberg und Hebertshausen unweit von Dachau pumpen die Branchengrößen Wintershall und RWE-Dea Öl aus dem Boden. Doch nun hat das bayerische Wirtschaftsministerium neue Konzessionen zur Aufsuchung von Öl und Gas erteilt, die jüngste erst Anfang April an Activa Resources, eine kleine Gesellschaft, die bislang nur im amerikanischen Texas Öl gefördert hat.
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Ölquellen nicht vollständig ausgebeutet
Das Gebiet, auf dem Activa nun auch hierzulande nach Öl suchen darf, liegt zwischen dem Ammersee und Memmingen und umfasst etwa 2000 Quadratkilometer. Activas Geschäftsmodell: Alte, in den 80er und 90er Jahren verlassene Ölquellen abschöpfen, die große Konzerne nicht vollständig ausgebeutet hatten. "Deutschland ist unterexploriert, man kann die nachgewiesenen Reserven noch deutlich erhöhen", sagte Leigh Hooper, Vorstand von Activa Resources, der SZ. Er ist zuversichtlich, in zwei bis drei Jahren in dem Gebiet bohren zu können.
Es waren namhafte Ölkonzerne wie RWE-Dea, Mobil Oil (heute Exxon Mobil) und British Petroleum (BP), die Westdeutschland vor allem nach dem zweiten Ölpreisschock Ende der 70er Jahre schon einmal gründlich auf Öl abgesucht hatten. Fündig waren sie in erster Linie an der Nordsee, in Niedersachsen, am Rheingraben und eben im Alpenvorland geworden. Doch als die Produktion richtig angelaufen war, hatte sich die Lage am Ölmarkt schon wieder entspannt. Statt fast 40 Dollar 1980 kostete das Fass Öl (das entspricht 159 Liter) sechs Jahre später nur noch zehn Dollar - offenbar zu wenig, um eine lukrative Ausbeutung der Ressourcen zu ermöglichen.
Viele Firmen verließen Deutschland wieder. Zurückgeblieben sind nach Schätzungen der Experten vom Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie (LBEG) in Niedersachsen rund 40 Millionen Tonnen beziehungsweise 250 Millionen Fass des schwarzen Rohstoffes. Das sind zwar keine Größenordnungen, die die Welt in ihrem Kampf gegen die sich vermeintlich dem Ende zuneigenden Ölvorräte weiterbringen können. So werden derzeit rund um den Globus pro Tag etwa 85 Millionen Fass Öl verbraucht. Die gesamten deutschen Vorkommen würden also gerade drei Tage reichen. Dennoch gilt: Bei einem Ölpreis von mehr als hundert Dollar lohnt die Ausbeutung auch solcher kleiner Quellen.
Ab 50 Dollar rentabel
"Ab einem Preis von etwas 50 Dollar pro Fass ist ein Abbau rentabel", schätzt Activa-Chef Hooper. Zu ähnlichen Ergebnissen sind offenbar auch einige Wettbewerber gekommen. So sind nicht nur für die Gebiete nördlich und südlich des Activa-Geländes am Ammersee in den vergangenen zwei Jahren neue sogenannte Aufsuchungserlaubnisse erteilt worden, unter anderem an den österreichischen Ölkonzern ÖMV. "Wir planen für August dieses Jahres eine Probebohrung in der Nähe von Kempten", erklärt eine ÖMV-Sprecherin. Dort wird Erdgas vermutet. Seismische Messungen auf weitere Öl- und Gasvorkommen "bis in die Münchner Gegend" würden gerade noch ausgewertet.
Das Bergbauamt in Niedersachsen, das jährlich einen Bericht über die Öl- und Gasvorkommen der gesamten Republik liefert, zählte im vergangenen Jahr zwanzig neue Suchlizenzen, die meisten davon für Nordrhein-Westfalen, Brandenburg und Niedersachsen. Damit sei das in Deutschland zu untersuchende Gebiet um etwa 8000 Quadratkilometer gewachsen und das, obwohl allein in der Nordsee eine Fläche desselben Ausmaßes aufgegeben wurde. So steht es im noch nicht veröffentlichten LBEG-Bericht für 2007, der der SZ in Auszügen vorliegt. Auch im Jahr davor war die Explorationsfläche der Ölindustrie deutlich angewachsen.
Bei RWE-Dea, dem Betreiber des größten deutschen Ölfeldes Mittelplate im Wattenmeer an der Nordsee, ist man gerade dabei, "im Umfeld unserer Altfelder zu eruieren, ob es sich lohnt, Restbestände an Öl zu fördern", sagte ein Konzernsprecher. Angesichts knapper werdender Resourcen weltweit sei es Unternehmensziel, die Förderung in Deutschland konstant zu halten. Derzeit werden in Deutschland etwa 3,5 Millionen Tonnen oder 22 Millionen Fass Öl pro Jahr gefördert.
Michael Pasternak, der beim LBEG die jährliche Ölstudie verantwortet, sieht die Infrastruktur als Problem. "Momentan herrscht Goldgräberstimmung. Aber es muss zunächst einmal erfolgreich gebohrt werden und es müssen gegebenenfalls auch Leitungen gelegt werden. Erst dann zeigt sich, ob das Geschäft mit dem Öl in Deutschland auch wirklich eines ist", sagte er der SZ. In jüngster Zeit hätten sich viele kleine US-Firmen nach Deutschland gewagt, deren Hintergrund schwer einzuschätzen sei. Pasternak: "Es wird viel von der Finanzkraft der Unternehmen und dem Ölpreis in zwei bis drei Jahren abhängen, ob wir es mit Glücksrittern oder erfolgreichen Ölproduzenten zu tun haben."
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(SZ vom 28.04.2008/mel)
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