Benzin ist teuer wie lange nicht und die Autofahrer wittern eine Verschwörung der Ölindustrie. Zu Recht? Mitnichten - die Ursachen für die steigenden Preise sind andere.
Eine Tankfüllung Benzin oder Diesel für eine Handvoll Kleingeld - davon können Autofahrer in Deutschland nur träumen. Doch das gibt es tatsächlich: in Regionen, in denen das Unmögliche möglich erscheint, zum Beispiel das südamerikanische Land Venezuela, einer der größten Ölproduzenten weltweit. Vom Rohstoffreichtum profitiert auch die Bevölkerung an der Zapfsäule. Denn die Regierung von Hugo Chávez unterstützt Tankstellenbetreiber mit horrenden Subventionen - der Präsident weiß, was Autofahrer glücklich macht.
Die Benzinpreise, hier zu sehen bei einer Aral-Tankstelle, sind fast schon so hoch wie vor dem Ausbruch der Finanzkrise - obwohl Öl deutlich weniger kostet als damals. (© Foto: getty)
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Auf so viel Verständnis seitens der Politik können Verbraucher hierzulande nicht zählen, ganz im Gegenteil. So sprach sich Bundespräsident Horst Köhler vor einigen Tagen sogar für noch höhere Kraftstoffpreise aus, um die Verbraucher in Deutschland zu einem sparsameren Umgang mit dem knappen Rohstoff Öl zu animieren und neue Energiequellen zu erschließen. Ein nicht gerade populärer Vorschlag angesichts dessen, dass der deutsche Staat schon heute durch Mineralöl- und Ökosteuer an den Kraftstoffpreisen kräftig mitverdient.
Dass Köhler mit seinem Vorstoß auf wenig Begeisterung trifft, überrascht nicht. Ostern steht bevor, Benzin und Diesel sind an den Zapfsäulen so teuer wie zuletzt vor Ausbruch der Finanzkrise, als ein Fass Öl noch 140 Dollar und mehr kostete - mit dem Unterschied, dass die Rohölnotierungen derzeit nur bei 80 Dollar liegen. Verbraucher wittern prompt Betrug und werfen den Tankstellenbetreibern illegale Absprachen und Preistreiberei vor. Automobilclubs sehen ihre Theorie vom Tankstellenkartell der Ölkonzerne wieder bestätigt und rufen nach mehr staatlicher Kontrolle. Dieses Ritual wiederholt sich regelmäßig vor Beginn der Ferienzeit. Berechtigt sind solche Vorwürfe aber noch lange nicht.
Die Protagonisten dieser Verschwörungstheorie begehen stets denselben Fehler. Sie unterstellen, dass hohe oder steigende Preise ein untrügliches Zeichen für einen Mangel an Wettbewerb sind. Dabei übersehen sie geflissentlich, dass die Preise für Benzin und Diesel auf dem deutschen Markt meist genauso schnell fallen, wie sie zuvor gestiegen sind und dies gleich mehrmals in der Woche oder gar täglich - Indizien dafür, dass der Wettbewerb durchaus funktioniert. Zu diesem Ergebnis kam im vergangenen Jahr auch das Bundeskartellamt in einem Zwischenbericht.
Niedrige Spritpreise sind im Gegenzug kein Beweis für einen funktionierenden Markt, das zeigt der Blick nach Venezuela. Zwar kostet der Liter Treibstoff die Autofahrer dort umgerechnet nur ein paar Euro-Cent. Möglich ist das nur, weil der Staat einen Großteil der tatsächlichen Kosten finanziert, mit Einnahmen aus dem Ölgeschäft, das Chávez in den vergangenen Jahren unter staatliche Kontrolle brachte, in dem er internationale Ölkonzerne mit Enteignungen drohte - von freiem Wettbewerb kann hier also nicht die Rede sein.
Unbestritten ist jedoch, dass der deutsche Tankstellenmarkt eine starke Aufsicht braucht, weil er nur von einer Handvoll Unternehmen dominiert wird, darunter BP/Aral, ExxonMobil/Esso, Shell, Total und Conoco-Philips/Jet. Eine Aufgabe, der das Bundeskartellamt durchaus gerecht wird. Kaum ein anderer Markt ist im internationalen Vergleich so streng reguliert. So ist der Verkauf unter Einstandspreisen verboten und die Besitzer freier Tankstellen dürfen nicht schlechter gestellt werden als konzerneigene Stationen. Klargestellt haben die Kartellwächter auch, dass sie keine weiteren Zusammenschlüsse unter den Großen dulden werden.
Ursache für den jüngsten Preisanstieg ist schlicht die weltweit anziehende Nachfrage nach dem schweren Einbruch durch die Finanzkrise. Der sprunghaft ansteigende Bedarf stößt auf ein knappes Angebot, bedingt durch verringerte Raffineriekapazitäten in Europa. Anlagen müssen hier auf lange Sicht geschlossen werden, um Überkapazitäten abzubauen, die den Konzernen Milliardenverluste einbrachten. In Deutschland sinkt der Kraftstoffverbrauch ohnehin seit Jahren, bis 2025 rechnet die Branche mit einem weiteren Rückgang um ein Viertel.
Tatsachen wie diese werden gern verschwiegen, vor allem von denjenigen, die mit plakativen Anschuldigungen populistische Effekthascherei betreiben und sich einer ernsthaften Diskussion entziehen. Dabei ist das Problem offensichtlich, die Ölvorräte gehen zur Neige. Wenn Bundespräsident Köhler also eine zukunftsichernde Energiepolitik einfordert, ist dies allemal weitsichtiger, als Benzin und Diesel wie in Venezuela einfach zu verschleudern.
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(SZ vom 29.03.2010/tob)
Griechenland und die Euro-Zone
Naja, solange die grossen Deutschen Nummernschilder die Schweizer und Österreichischen Strassen über Ostern wieder mal lahmlegen und den Einheimischen verärgern, dürfte der Spritpreis nicht allzuhoch sein.
Ich wollte Ihnen nicht zu nahe treten, sorry.
Allerdings halte ich nicht meinen Text für unreflektiert, sondern Ihre völlig praxisfernen Vorschläge, die sich ganz offensichtlich an eine bestimmte Zielgruppe richten, die außer sich mit Preisvergleichen zu beschäftigen nicht viel zu tun hat.
Diesel kostete heute morgen (30.03) 1,149 bei den großen Ketten 1,159. Das hat es in den Wochen zuvor auch gekostet wenn es auf der relativ gesehenen niedrigen preisstufe war. Die teure lag bei ca. 1,229 dazwischen gab es nur wenig, denn zumindest hier sprang es immer gleich um diese 7 Cent was ja mal 14 Pfennig waren.
Das bringt mich nu zu der alten Frage, wieso innerhalb von einer Woche der preis lustig rauf und runterspringt - das kann so nichts mit dem Spotmarkt in Rotterdam zu tun haben.
Seltsamerweise springt der Spritpreis in Luxembourg nie so rauf und runter, speziell zu Ostern hab ich das vor zwei Jahren festgestellt, weil ich da in Nordfrankreich war und immer zum tanken über die Grenze fuhr.
In Deutschland werden wir wohl abgezockt, weil wir es zulassen. Preisabsprachen gibt es sicher nicht, denn die aktuellen Wettbewerbspreise müssen die jeweiligen Pächter an die zentralen melden, die darauf mit kurzer Verzögerung zentral an der Preisschraube für die jeweilige Region drehen. Es soll auch direkt auf den Wettbewerb zielende Webcams geben, wodurch man nicht mal mehr das Feedback der Pächter braucht. Allerdings habe ich vor zwei Wochen auch mehrfach einen Cent Unterschied bei zwei nur ca. 1km auseinanderliegenden Muscheltankstellen bemerkt, warum das so war ist mir unklar.
Da wir zumindest für Diesel auch schon ca. 1,50 bezahlen mussten, halte ich die aktuellen Preise für relativ günstig, auch wenn mir natürlich 10 Cent weniger besser gefallen würden. Interessant dabei war übrigens auch, das man immer krampfhaft versucht hat, den Preis für Diesel über einem Euro zu halten, als die tendenz eigentlich darunter ging. Schon nach Einführung des Euros war ja der Dieselpreis ruckzuck von 90 Cent auf über 1 Euro gestiegen. Das ist wohl Psychologie der Zahlen...
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Plutokratie - jetzt oder nie ... :-((
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