Von Catherine Hoffmann

Für viele Investoren ist der Aufstieg des Euro verhängnisvoll - die Dollarkrise kostet sie Nerven und Rendite. Ein Überblick über die Auswirkungen auf verschiedene Anlageformen.

Der Euro hat einen neuen Rekord erreicht. 1,60 Dollar kostet die junge Erfolgswährung inzwischen. Deutsche Anleger können sich darüber nur selten freuen. Denn viele Aktien, Anleihen oder Rohstoffe werden in Dollar gehandelt und leiden unter seiner Schwäche.

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Exportabhängig: Auch deutsche Industrieunternehmen sind von den Kursentwicklungen des Dollar betroffen. (© Foto: dpa)

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Aktien und Aktienfonds

Der taumelnde Dollar belastet die Aktienkurse in den USA. Jedes Investment in amerikanische Aktien, Investmentfonds oder Indexzertifikate verliert an Wert, wenn der Dollar fällt. So hat der amerikanische S&P-500-Aktienindex seit Anfang August 2007 in heimischer Währung 6,1 Prozent eingebüßt, deutsche Anleger sitzen inzwischen aber auf Verlusten von 19,6 Prozent.

Hart getroffen hat es auch die vielen Investoren, die ihr Geld in globale Aktienfonds gesteckt haben, denn die legen oft die Hälfte ihres Vermögens an der Wall Street an. Der Templeton Growth Fonds etwa hielt seine US-Quote hoch und litt darunter: minus 16,5 Prozent in diesem Jahr für Euro-Anleger. Der DWS Vermögensbildungsfonds I senkte dagegen das Gewicht der USA und sicherte den Dollar lange Zeit gegen Verluste ab. Da hat sich der Verfall der Währung nicht so stark bemerkbar gemacht (minus 8,5 Prozent).

Seit der Dollar seinen Sturzflug begonnen hat, werden einige Branchen von den Anlegern besonders kritisch betrachtet: Pharmaunternehmen, die Biotechnologie oder Hersteller von IT-Hardware setzen viel im Amerika ab, kaufen Rohstoffe aber auf der ganzen Welt ein. Sie können sich über die Dollarschwäche nicht freuen. Das gilt auch für die Besitzer von Technologiefonds, die sehr amerikalastig sind.

In großen Teilen der amerikanischen Exportindustrie ist dagegen der Frühling angebrochen: Exporteure von Autos, Baumaschinen und Konsumgütern wie Caterpillar oder Pepsico verkaufen ihre Waren dank der schwachen Währung im Ausland deutlich besser. Das spiegelt sich auch im Aktienkurs.

Fremdwährungsanleihen

Richtig tragisch ist der Dollarsturz für alle Anleger, die auf amerikanische Staatsanleihen gesetzt haben. Allein in diesem Jahr hat die US-Währung gegenüber dem Euro 8,5 Prozent an Wert eingebüßt. Da war die magere Rendite von zehnjährigen US-Staatsanleihen schnell aufgezehrt: 3,7 Prozent Rendite bringen Treasuries derzeit, weniger als Euro-Anleihen. Zinsanlagen aus dem Dollarraum sind deshalb im roten Bereich - auch Rentenfonds. Extrem gebeutelt hat es auch alle Sparer, die auf kanadische Dollar oder britische Pfund gewettet haben.

Richtig brenzlig ist die Lage vieler Anleger, die Hochzinsanleihen gekauft haben. In vielen aufstrebenden Ländern werden verglichen mit Europa hohe Zinsen gezahlt. Doch allzu oft sind sie nicht hoch genug, um das Währungsrisiko zu decken. Besonders enttäuscht dürften in diesem Jahr Anleger sein, die Anleihen gekauft haben, die auf südafrikanische Rand lauten: Die Währung ist seit Anfang Januar um 18,2 Prozent eingebrochen. Auch die türkische Lira, einst Liebling vieler Anleger, und die isländische Krone verloren ein Fünftel ihres Wertes.

Fremdwährungsanleihen sind enorm unter Druck geraten, seit die Anleger Risiken scheuen und Sicherheit suchen. "Die Lage ist noch immer gefährlich. Hochzinsanleihen könnten unter einer wachsenden Risikoabneigung der Anleger leiden", sagt Matthias Huth, Ökonom der Landesbank LBBW. Gewinner sind Währungen, die als defensiv gelten - wie der Schweizer Franken. Hohe Zinsen gibt es jenseits der Alpen aber nicht.

Rohstoffe

Wundern werden sich viele Käufer von Rohstoffen. Es stimmt zwar, dass Rohöl und andere Energieträger, Gold, Metalle und Agrargüter enorme Preissteigerungen verzeichnen. Gehandelt werden sie allerdings in Dollar. So ist der GSCI-Rohstoffindex nach oben geschossen, während der Dollar abrutschte. Das schmälert den Gewinn erheblich. Seit Anfang 2007 hat der beliebte Index 59,8 Prozent gewonnen. Anleger, die in Euro rechnen, verbuchen aber nur einen Zuwachs von 32,7 Prozent. Da hätte es sich gelohnt, ein währungsgesichertes Rohstoffzertifikat zu kaufen.

Währungszertifikate

Es gibt ein Mittel gegen den Währungsfrust: Immer mehr Anleger entdecken den weltweiten Devisenmarkt als Spielwiese. Sie wagen Währungsspekulation à la George Soros und hoffen auf den großen Gewinn. Mit einer Wette gegen den Dollar war das leicht möglich. Aber der Schuss kann auch nach hinten losgehen.

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(SZ vom 24.4.2008/jkf/tob)