Die Euroländer müssen Griechenland helfen - und zugleich die Strukturprobleme der Währungsunion lösen. Die nächsten Monate werden zur Bewährungsprobe für den Euro.
Vielleicht sollte Europa den Griechen dankbar sein. Weil die Regierung in Athen früher so verantwortungslos wirtschaftete, hat sie die Europäische Währungsunion zwar jetzt einer schweren Krise ausgesetzt. Doch Griechenland ist eine relativ kleine Volkswirtschaft. Die Europäer haben daher die Chance, an einem Fall von begrenzter Größe zu lernen, wie man Krisen in der Währungsunion löst und künftige verhindert.
Griechenland bittet EU-Partner und IWF um 45 Milliarden Euro. (© Foto: dpa)
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Die Risiken sind hoch. Noch ist die Krise beherrschbar, aber die Lage kann leicht außer Kontrolle geraten, sobald Zweifel an der Zahlungsfähigkeit Portugals, Spaniens oder gar Italiens aufkommen sollten. Der Internationale Währungsfonds fürchtet für diesen Fall nicht nur eine europäische, sondern eine globale Krise. Die Überschuldung von Regierungen ist auch außerhalb Europas das zentrale Problem am Ende der großen Rezession. Die griechische Frage muss auch deshalb gelöst werden, weil sonst ein Flächenbrand entsteht.
Zeit ist dabei Geld, buchstäblich. Ministerpräsident Giorgos Papandreou hat am Freitag einen wichtigen Schritt getan, indem er den IWF offiziell um Hilfe ersuchte. Jetzt können dessen Experten dort arbeiten und werden voraussichtlich binnen zwei Wochen zu Ergebnissen kommen. In der Zwischenzeit darf es keinerlei Zweifel mehr daran geben, dass die EU-Hilfe für Griechenland steht.
Wer immer in Berlin denkt, er könne das Thema bis auf die Zeit nach den Landtagswahlen in Nordrhein-Westfalen verschieben, muss wissen, dass er mit dem Feuer spielt. Jedes Fragezeichen hinter dem Griechenland-Paket treibt die Zinsen und damit die Finanzierungskosten in die Höhe. Das kann die Sanierungsaufgabe unlösbar machen.
Diese Aufgabe ist ohnehin schwer genug. Die EU-Partner verlangen eines der härtesten Sparprogramme, das es in der jüngeren Geschichte je gegeben hat. Die Dimension ist ungefähr so, als müsste Deutschland die Haushalte von Bund, Ländern und Gemeinden binnen eines Jahres komplett ausgleichen und die Bezüge von Beamten und Staatsangestellten um zehn Prozent kürzen.
Es gibt Beispiele dafür, dass solche Programme gelingen: zum Beispiel in Schweden nach der dortigen Finanzkrise 1991. Aber die schwedische Öffentlichkeit war sich darin einig, dass die Opfer nötig waren, es gab keine gewalttätigen Proteste und keine Streiks kommunistischer Gewerkschaften. Dies ist in Griechenland anders. Aus Europa sollte jetzt nichts kommen, was Papandreou das Leben noch schwerer macht.
Die EU und besonders Deutschland haben ein ureigenes Interesse an Papandreous Erfolg. Indem sie ihm helfen, helfen sie auch sich selbst. Ein ungeordneter Staatsbankrott Griechenlands würde die Anleihezinsen in Spanien, Irland und anderswo in die Höhe treiben und die Risse in der Währungsunion vertiefen. Dies wiederum würde auf Deutschland zurückschlagen, dessen Banken ihr Geld in den betreffenden Ländern angelegt haben und das insgesamt 70 Prozent seiner Exporte im Euro-Raum abwickelt.
Sollte gar der Austritt Griechenlands aus dem Euro zu einer Option werden, würde die Krise erst recht eskalieren. Diese Option dürfe "nicht zum Tabu erklärt werden", sagt CSU-Landesgruppenchef Hans-Peter Friedrich. Ein gefährlicher Irrtum. Das Schwadronieren über den Austritt sollte sich für jeden verbieten, dem es um die Zukunft des Euro und Europas ernst ist. Ja, Griechenland war 1999 nicht reif für den Euro. Aber jetzt ist das Land Mitglied, und alle Beteiligten müssen die Konsequenzen ziehen.
Genauso wichtig ist es, dass die Euroländer relativ schnell die Strukturprobleme der Währungsunion angehen. Die Union leidet seit ihrer Gründung unter einem inhärenten Widerspruch. Die Mitglieder haben ihre nationale Souveränität in der Geldpolitik abgegeben, nicht aber in der Finanzpolitik. Als Ersatz für eine gemeinsame Finanzpolitik wurde der Stabilitäts- und Wachstumspakt beschlossen, doch der hat ein Glaubwürdigkeitsproblem, wie sich jetzt zeigt. Nach dem Pakt drohen jedem Land Sanktionen, dessen Haushaltsdefizite außer Kontrolle geraten. Doch niemand kann ernsthaft Strafzahlungen von einem Land verlangen, das am Rand der Pleite steht.
Solche Sanktionen würden das Problem nur verschärfen und daher auch den anderen Euroländern schaden. Ganz abgesehen davon, dass sich ausgerechnet Deutschland und Frankreich vor der Verantwortung drückten, als bei ihnen 2005 Sanktionen angestanden hätten. Eine Reform könnte zum Beispiel darin liegen, dass die Strafen bei Verstößen gegen den Pakt kleiner werden, aber wesentlich früher einsetzen als bisher.
Es geht bei der jetzigen Krise also mindestens ebenso sehr um Europa wie um Griechenland. Die Reform des Stabilitätspaktes ist genauso wichtig wie die Sanierung Griechenlands. Ein frühes Ende des Euro wäre verheerend für alle. Und zu D-Mark-Nostalgie gibt es keinerlei Grund. Der Euro hat sich in der Finanzkrise glänzend bewährt und den Europäern schwere und zerstörerische Verwerfungen auf den Devisenmärkten erspart. Aber er ist auch noch eine sehr junge Währung. In den nächsten Monaten wird sich zeigen, ob er eine Chance bekommt, erwachsen zu werden.
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(SZ vom 26.04.2010/tob)
DFB-Pleite gegen die Schweiz
Nicht nur das relativ kleine Griechenland sucht das Geld der privaten Anleger für die Finanzierung neuer Schulden und die Refinanzierung auslaufender Anleihen. Vor allem haben große Länder, wie die USA und Großbritannien, aber auch Deutschland, einen gewaltigen öffentlichen Finanzierungsbedarf, den sie mit Rücksicht auf die Konjunktur derzeit nicht über Steuererhöhungen oder starke Ausgabensenkungen decken können. Wie lange sind private Anleger bereit, für die Finanzierung dieser Lawine aufzukommen? Wann werden die Zinsen für Anleihen so gestiegen sein, daß sie für schwache Länder - über Griechenland hinaus - nicht mehr verkraftbar sind und Umschuldungen notwendig werden? Schon droht die erste Umschuldung griechischer Anleihen mit Zinsverlusten oder Substanzverzichten für die Anleger. Der erste solche Fall wird ein enormes Signal für alle Anleger sein. Wahrscheinlich wegen der Hilfszusagen für Griechenland nicht mehr dieses Jahr, dann aber mit zunehmender Wahrscheinlichkeit ab kommendem Jahr.
Bei einer Reihe von Ländern sind die Haushaltsdefizite bis zum vergangenen Jahr erheblich hochgesprungen und steigen weiter, in der Eurozone teilweise bereits auf fast 15 % der jährlichen Wirtschaftsleistung, Irland ist stärker verschuldet bezogen aus das BIP als Griechenland (jjahnke.net). Die obige Grafik ist nicht up to date!
Der Euro war von Anfang an eine technokratische Mißgeburt, weil er Länder mit sehr unterschiedlichen sozialen Kulturen in ein Zwangskorsett ohne die Möglichkeit von Wechselkursveränderungen einspannte in der Hoffnung, daß diese Unterschiede automatisch begradigt würden, zumal ein Verbot von Stützungszahlungen unter Europartnern vereinbart war. Dabei gab es keine politischen Instrumente gemeinsamer Politik, die eine solche Anpassung hätten bewirken können. Das Pferd wurde also allen Warnungen zum Trotz von hinten aufgezäumt. Es war die gleiche technokratische Fehlkalkulation, mit der das Staatshandelsland China samt seiner völlig unsozialen Arbeitskostenstruktur und entsprechendem Dumping vorschnell und ziemlich bedingungslos in die WTO aufgenommen wurde oder die letzte Erweiterungsrunde der EU in den Balkan hinein stattfand. Alles waren Entscheidungen, an denen die letztlich betroffenen Menschen bei uns und in anderen Alt-EU-Ländern nicht mitwirken durften. Die Politiker und Technokraten trauten sich zu, so wichtige Entscheidungen über die Köpfe ihrer Völker hinweg zu treffen.
Nun ist schon mal das griechische Kind im Brunnen. Doch die Verantwortung liegt nicht nur bei der einen Seite, nämlich Griechenland, sondern auch bei Deutschland, das sich in der Gegenrichtung in der Entwicklung der Lohnstückkosten vom Rest der Eurozone nach unten entfernt hat. Ein ausuferender Niedrigstlohnsektor, die Hartz-IV-Reformen und die Verweigerung von Mindestlöhnen, wie bei den Eurozonenpartnern vorhanden, trugen erheblich dazu bei. Das alles geschah im Interesse der Exportkonzerne, die immer wieder mit Verlagerungen drohten, um die Löhne zusätzlich zu drosseln. Während die Lohnstückkosten bei den übrigen Eurozonenländern seit dem Jahr 2000 um 5,5 % zulegten, nahmen die deutschen Lohnstückkosten um 7,9 % ab, in wenigen Jahren ein enormer Unterschied von 13,4 % (jjahnke.net)
Der grundlegende Fehler im Euro-System ist die fehlende externe Kontrolle, auch die fehlende Sanktionsmöglichkeit bei Verstössen gehört dazu. So ein System im Nachhinein zu installieren wird scheitern weil der "Klub Med" (Mittelmeeranrainer)&Irland dagegen sind.
Ein Verlassen des Euros durch Griechenland würde die großen Geschäftsbanken in erhebliche Schwierigkeiten bringen. Bankenrettungspakeit 2.0 wäre die Folge.
Die permanente Nennung von 45 Mrd. Euro ist irreführend, es geht nicht um eine 3 Monatslösung! Komplett schätze ich die Summe auf 145 Mrd. und das nur für Griechenland! Wenn die anderen Mitglieder des Club Med und Irland auch nach Hilfe rufen wird es apokalyptisch.Dann ist es nur eine Frage der Zeit wann Deutschland auch Hilfe braucht.
Lenin hatte Recht:"Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser."
kein krimi es ist krieg
euro ist das mittel was BRD entgültig zu grossmacht machen könnte ,
ja es ist vernunfig ein umschuldung sofort einzuleiten,
aber davon habe die "märkte", riesen angst, es werden enormen mengen, an werten und kapital, vernichtet
es ist aber sehr wichtig für die soziale frieden,
, und es geht nicht nur um GR, auch japan ,zbs hat ein schuldenberg 200% des BIP,
china ist an der US kette unfreiwillig gebunden,mit über ein billion US dollar an us staats anleihen, un kann das euroraum nicht entlasten,
und die teuschen aus falsche pseudomoral und ethik grunden möchten nicht die euronoten presse anwerfen, obwohl ein inflation von bis zum 4% sehr gesund wäre, es ist an der zeit , auch mal inflation zu exportieren,
"Wer immer in Berlin denkt, er könne das Thema bis auf die Zeit nach den Landtagswahlen in Nordrhein-Westfalen verschieben, muss wissen, dass er mit dem Feuer spielt."
Ich glaube das Hr. Piper , wenn er die NRW-Wahl mit der Griechenlandkrise in Verbindung zu bringen, eine ziemlich schräge Argumentation obliegt.
Es mag ja sein, dass es zu einer Wahlkampf(un)sitte geworden ist, Bundespolitik und Landespolitik zu mischen. Mich persönlich bringt so eine Wahlkampfstrategie immer auf die Palme, denn wenn in einen Bundesland der Wahlkampf tobt, dann soll bitte schön auch um Landestehmen gerungen werden.
Zu Griechenland:
Es gilt immer noch der Spruch: "Mit gefangen, Mit gehangen"
Soll heißen, das wir Gesamt-BRDler über den Euro und den Vertrag von Lissabon mit den Griechen mitgefangen sind.
Wir also den dreisten Steuerhinterziehern, fidelen Frührentner, generös alimentierten Rentnern und mehrfach vollzeitangestellten Beamten Griechenlands beistehen.
Was aber nicht heißt, das für unsere Hilfe die Griechen es mit verbalen Reformplacebos belassen können.
Ich erwarte deshalb, das unsere Bundeskanzlerin hier sehr hart ist, und von den Griechen harte Reformschritte einfordert.
Wird hier nicht der harte Weg gewählt, geht alles den Bach hinab, was in den letzen 20 Jahren die EU vorwärts brachte!
Paging