Hilfe für Annie Leibovitz Bitte recht freundlich - die Rettung ist da!

Sie lichtet die Top-Promis ab, kassiert 100.000 Dollar am Tag - dennoch stand Annie Leibovitz kurz vor der Pleite. Jetzt bekommt sie Hilfe.

Von Tobias Dorfer und Hannah Wilhelm

Sie ist gerettet. Erneut, kurz vor der Pleite: Amerikas bekanntester, begnadester und wohl einflussreichster Fotografin Annie Leibovitz ist nun ein Finanzinvestor zur Seite gesprungen. Das Finanzhaus Colony Capital, das eigentlich auf Investments in Immobilien, Hotels und Spielcasinos spezialisiert ist, hat der fast zahlungsunfähigen Leibovitz einen umfassenden Kredit gegeben.

Annie Leibovitz, 60 Jahre alt, eine Legende. Berühmt für Fotografien von Prominenten vor allem für die US-amerikanischen Hochglanzzeitschrift Vanity Fair: die hochschwangere nackte Schauspielerin Demi Moore, die in Milch badende Whoopi Goldberg, die US-Präsidenten George W. Bush und Barack Obama. Nicht zu vergessen den nackten John Lennon, im Arm seine Frau Yoko Ono, aufgenommen kurz vor der Ermordung des Musikers im Dezember 1980. Sie fotografiert nicht einfach, sie inszeniert, sie erschafft eine eigene Welt in einem Bild. Dafür lässt Leibovitz auch mal einen Zirkuselefanten anliefern, mietet einen Hubschrauber und treibt so die Produktionskosten in die Höhe. Was soll's - ihre Auftraggeber zahlen ja.

Kreditkarte verweigert

Im vergangenen Jahr jedoch las man in den Medien plötzlich vor allem von Leibovitz' privater finanzieller Misere, von ihrem allzu sorglosen Umgang mit Geld, davon, dass American Express sie zwar für eine der erfolgreichsten Werbekampagne als Fotografin engagierte, ihr aber trotzdem jahrelang die Kreditkarte verweigert haben soll. Die Öffentlichkeit erfuhr, dass die Fotografin regelmäßig teure Immobilien in New York kaufte und diese aufwendigst renovieren ließ: unter anderem ein Landhaus im Hudson Valley und ein 900-Quadratmeter-Haus im angesagten Künstler- und Szeneviertel Greenwich Village.

Außerdem war zu erfahren, dass die 60-Jährige Steuerschulden und unbezahlte Rechnungen in Millionenhöhe angesammelt und dass sie sich aus blanker Not Ende 2008 an das Kunstleihhaus Art Capital in der Madison Avenue gewandt und sich 24 Millionen US-Dollar geliehen hatte. Was für ein Desaster.

Dabei hat ihre Arbeit Annie Leibovitz reich gemacht. Gerüchten zufolge kassiert sie alleine für ihre seit 1983 andauernde Zusammenarbeit mit der Zeitschrift Vanity Fair jährlich zwischen zwei und drei Millionen Dollar. Für kommerzielle Shootings soll sie, so erzählt man sich, einen Tagessatz von über 100.000 Dollar bekommen, zum Beispiel wenn sie eine Werbekampagne für Disney mit Stars wie Scarlett Johansson oder David Beckham fotografiert.

Und dennoch gestaltete sich das Abstottern des 24-Millionen-Dollar-Kredits als schwierig. Und so stand im vergangenen Jahr nicht nur die Hautevolee der Prominenz bei der Fotografin Schlange, sondern ebenfalls die Schuldeneintreiber von Art Capital. Die Lage war so verzwickt, dass sogar das Allerheiligste von Leibovitz in Gefahr schien: die Rechte an etwa 100.000 Fotos und rund einer Million Negativen, die in einer Lagerhalle in Manhattan archiviert sind. Irgendwie einigten sich Leibovitz und Art Capital dann im September 2009. Vorerst.

24 Millionen Dollar für Neverland-Ranch

Doch nun also hilft die Investmentfirma Colony Capital der Pleite-Fotografin aus. Der Vertrag mit der in Los Angeles ansässigen Firma erlaube ihr "meine Arbeit fortzusetzen und meine Archive zu erhalten", sagte die Fotografin der Tageszeitung Financial Times. Die Investmentfirma, die etwa 30 Milliarden Dollar verwaltet, wird damit der einzige Gläubiger von Leibovitz.

"Wir werden ihr Kapital und ihre Geschäfte managen, so dass Annie ihrer Leidenschaft nachgehen kann, wie es nur sie selbst kann", so zitiert die Zeitung Tom Barrack, der Gründer von Colony Capital. Und auch die gerettete Fotografin überhäufte ihre neuen Geldgeber mit Lob. "Colony ist engagiert und kreativ", erklärt Leibovitz.

Kreativ, in der Tat. Das bewiesen die Investoren bereits im Mai 2008, als sie dem Sänger Michael Jackson mit 24 Millionen Dollar aushalfen. Der war damals in schweren Finanznöten und konnte so seine geliebte Kitsch-Anlage Neverland-Ranch vor der Zwangsversteigerung retten. Diese Investition dürfte sich für Colony gelohnt haben: Nach dem Tod des Sängers im vergangenen Sommer besitzt das Unternehmen die Nutzungsrechte an dem 2700 Hektar großen Anwesen. Und das dürfte nun nach dem Tod der Musikerlegende gut 50 bis 100 Millionen Dollar Wert sein.