Die Hypo Real Estate überlebt nur, weil Bund und Banken 35 Milliarden Euro bereitstellen. Bankexperte Henner Schierenbeck über das plötzliche Desaster - und die Goldene Bankregel.
Die irische Depfa Bank hat ihre Muttergesellschaft Hypo Real Estate in Existenznot gebracht. Die Depfa Bank finanziert öffentliche Projekte und arbeitet im Geschäft für die Strukturierung von Wertpapieren. Das Institut hatte offenbar langfristige Projekte nur kurzfristig finanziert. Warum das zum Problem werden kann, erläutert Henner Schierenbeck, Bankprofessor an der Universität Basel.
Henner Schierenbeck, Ordinarius der Abteilung Bankmanagement und Controlling an der Universität Basel (© Foto: oH)
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sueddeutsche.de: Der Bund muss mit einer 35-Milliarden-Euro-Bürgschaft die Hypo Real Estate retten, weil deren Tochtergesellschaft Depfa auf dem Markt kein Kredit mehr bekommt. Warum ist das gerade jetzt zum Problem geworden?
Henner Schierenbeck: Die Depfa hat offenbar gegen die Goldene Bankregel verstoßen: Sie hat langfristig Geld verliehen, es aber nur kurzfristig refinanziert. Da die langfristigen Zinsen in der Regel höher sind als die kurzfristigen, lässt sich mit der Zinsdifferenz Geld verdienen. Doch wer das tut, ist darauf angewiesen, dass er immer wieder neu Kredite von den Banken bekommt. Das war jetzt aber nicht mehr der Fall, die Banken trauen sich gegenseitig nicht mehr über den Weg, der Markt für kurzfristige Bankschuldverschreibungen ist faktisch zusammengebrochen. Hätte die Depfa die Goldene Bankregel befolgt, hätte sie langfristige Ausleihungen nur dann vornehmen dürfen, wenn sie auch entsprechend langfristige Mittel eingesetzt hätte, wie das nach dem deutschen Pfandbrief- und Hypothekengesetz auch vorgeschrieben ist.
sueddeutsche.de: Machen das alle Institute so? Müssen wir jetzt hier in Deutschland mit einer neuen Pleitewelle rechnen?
Schierenbeck: Das wollen wir nicht hoffen. Das normale Geschäftsmodell der Hypothekenfinanzierere sieht natürlich eine fristenentsprechende Refinanzierung der Hypotheken vor. Ein kleiner Teil darf dabei auch anders finanziert werden kann, das gehört zum Geschäft. Aber es darf eben nicht überdehnt werden. Die Missachtung der Goldenen Bankregel hat in Deutschland schon in der Vergangenheit mehrere Banken in die Knie gezwungen. Allerdings gab es in den Fällen nicht wie jetzt eine allgemeine Vertrauenskrise, sondern die Zinsstrukturkurve am Markt drehte sich plötzlich um - man hatte plötzlich mit einer sogenannten inversen Zinsstrukturkurve zu kämpfen.
sueddeutsche.de: Das heißt?
Schierenbeck: Kurzfristige Kredite sind teurer als langfristige. Die Banken mussten also mehr Zinsen bezahlen als sie selbst einnahmen. Diese Situation haben wir in Bezug auf die allgemeinen Marktzinssätze derzeit aber nicht, wenngleich in Abhängigkeit von der Qualität der Aktiva und durch die Vertrauenskrise, die Refinanzierungssätze durch teilweise extrem hohe Risikoprämien für einzelne Banken weit über die allgemeinen Geldmarksätze geschossen sind und eine Bank, die hierin gefangen ist, gleichsam in kürzester Zeit in den Bankrott treiben, wenn sie stark von kurzfristigen Geldmarktrefinanzierungen abhängig ist.
sueddeutsche.de: 35 Milliarden Euro sind eine enorme Summe. Muss da bei einer Bank nicht grundsätzlich etwas aus dem Ruder gelaufen sein?
Schierenbeck: Das ist korrekt und jenseits aller Befürchtungen, die man bisher haben musste. Wir kennen nicht die Qualität der Vermögenswerte, die hier involviert sind, aber es kann wohl angenommen werden, dass auch hier toxische Subprime-Kredite und Kreditderivate zumindest beteiligt sind, die zu irgendeiner Zeit als praktisch risikolos angesehen worden sind und in Verkennung der Gefahren einer unkontrollierten Fristentransformation nicht sachgerecht refinanziert wurden, um Zusatzerträge vermeintlich sicher zu generieren.
sueddeutsche.de: Die Depfa-Bank kämpft mit einem Vertrauens- und Liquiditätsproblem. Die Zentralbanken pumpen aber reichlich Liquidität in den Markt. Kann sich das Institut nicht über die Zentralbank refinanzieren?
Schierenbeck: Dazu benötigen die Banken zentralbankfähige Vermögenswerte als Sicherheit. Und die hatte die Depfa-Bank offenbar nicht.
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(sueddeutsche.de/tbc)
Debatte über Urheberrecht
Zitat:
"Wer von den Schwadronierern hier würde denn sein Geld ohne Sicherheiten und ohne Zinsen verleihen ?"
Soso. Wären "Sicherheiten" dagewesen, hätten wir jetzt kein Problem.
Sind Sie Banker?
DW
sic tacuisses, philosophos mansisses.
Es hat ein ernstahfter und anhaltender Abschwung des Weltwachstums begonnen, für Europa wird es sehr schwer werden, noch schwerer für bestimmte arme Länder. Aber die Realwirtschaft wird geschont bleiben, die Währungen werden ebenfalls nicht zusammenbrechen.
da bemüht sich jemand, den finanztechnischen Analphabeten die Mechanismen des Bankenwesens zu erklären und was kommt dabei heraus ? Nichts verstanden, aber Kommentare aus der untersten Schublade. Wo bitte sollen den Kredite herkommen, wenn Banken nicht an diesen verdienen ? Wer von den Schwadronierern hier würde denn sein Geld ohne Sicherheiten und ohne Zinsen verleihen ? Daß die Zinsen mit den Risiken steigen, das dürfte jedem einleuchten, der schon mal sein verliehenes Geld nicht mehr zurück bekommen hat.
Wurden die z.T. exzessiv hohen Verdienste der Entscheidungsträger nicht immer mit einer "leistungsgerechten Entlohnung" begründet? Wenn dem wirklich so wäre, müssten nicht einige dieser Verantwortlichen jetzt ganz schön viel Geld zurückzahlen?
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