Der Preis ist heiß: Trotz Wirtschaftskrise wird Rohöl schon wieder teurer - Experten raten, den Heizöltank möglichst bald zu füllen.
Wenn es um die Heizölrechnung geht, können viele Verbraucher nur mit Schrecken an vergangenen Sommer zurückdenken. Denn 2008 war das Jahr, in dem alles schieflief. Das Kalkül, im Frühjahr oder Frühsommer den Tank im Keller aufzufüllen, weil die Preise traditionell nach dem Ende einer Heizperiode schön niedrig sind, ging nicht auf. Die Notierungen blieben nach dem Winter über der Marke von 50 Cent je Liter, bis April kostete das Befüllen eines klassischen 3000-Liter-Tanks in einem Einfamilienhaus sogar 55 Cent je Liter, inklusive 19 Prozent Mehrwertsteuer.
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Die Kosten für den Liter Heizöl liegen inzwischen wieder bei rund 50 Cent. Experten glauben nicht, dass der Preis in den kommenden Monaten wieder sinken wird. (© Grafik: SZ)
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Wer auf einen heißen und billigen Sommer hoffte, und seine Bevorratung aufschob, war sogar doppelt gekniffen: Denn pünktlich zur heißesten Zeit im Juli kletterte der Ölpreis an den internationalen Rohstoffbörsen auf ein Rekordhoch bei knapp 148 Dollar je Barrel (159 Liter) - und mit ihm stieg das Heizöl. In der Spitze kostete ein Liter Vorrat für den Heizkeller brutto 95 Cent.
Rohöl deutlich teurer
In diesem Jahr fuhren bislang diejenigen Verbraucher am besten, die die extreme Niedrigpreisphase im März für Käufe ausgenutzt haben. Für weniger als 45 Cent war der Liter Heizöl zwischenzeitlich zu bekommen. Jetzt liegen die Kosten wieder bei 48 bis 50 Cent. Und trotz anhaltender Wirtschaftskrise raten die meisten Experten, mit der Bevorratung für den kommenden Winter nicht mehr lange zu warten. "Füllen Sie Ihren Tank noch vor den Sommerferien", sagt etwa Oliver Klapschus von Heizöl24, einem der größten Verbraucherportale zum Thema.
Tatsächlich haben sich die Rohölpreise in den vergangenen zehn Wochen um mehr als die Hälfte verteuert. Ein Barrel kostete zuletzt mehr als 60 Dollar nach 35 Dollar Mitte Februar. Dieser Trend könnte weitergehen, sobald sich die Konjunktur etwas belebt. Hauptgrund der bisherigen Preissteigerungen war nach Ansicht von Experten die Angebotsverknappung von seiten der dominierenden Lieferanten aus dem Nahen Osten.
So hat die Vereinigung erdölexportierender Länder (Opec) seit September 2008 ihre Lieferungen um 3,5 Millionen Barrel pro Tag verringert. "Die weltweite Nachfrage reduzierte sich jedoch nur zwischen 1,6 und 2,6 Millionen Barrel, auf rund 83 Millionen Barrel was den Preisanstieg erklärbar macht", findet Frank Schallenberger, Öl-Analyst bei der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW).
Überzogene Ölpreisrally
Ob und in welchem Ausmaß die Preise im zweiten Halbjahr noch steigen werden, hängt von der Konjunktur als eben auch von der Opec ab, die immerhin für 40 Prozent des weltweiten Rohölangebots aufkommt. Kürzungen um weitere 700.000 Barrel pro Tag hat die Organisation laut Schallenberger bereits beschlossen.
Nur mit der Umsetzung hapert es noch, auch weil einige Mitgliedsländer wie Nigeria und Iran ihre Förderquoten nicht einhalten. Marktbeobachter wie Eugen Weinberg von der Commerzbank halten die jüngste Ölpreisrally vor diesem Hintergrund für überzogen und rechnen mit einer Preiskorrektur bis auf 55 Dollar je Barrel. Viel weiter nach unten wagt kaum jemand eine Prognose.
Hausbesitzer, die beim Heizölkauf auf ein Schnäppchen aus sind, sollten dies bei ihrer Einkaufsstrategie berücksichtigen. "Den jüngsten Ölpreisanstieg halte ich zwar nicht für nachhaltig, aber viel billiger als 50 Cent je Liter Heizöl dürfte es dennoch für die Verbraucher nicht werden", meint Rainer Wiek, Redaktionsleiter des Branchenbriefes Energieinformationsdienst (Eid) in Hamburg.
Gute Chancen für Rabatte
"Eine Chance auf Preisnachlässe bis zu zehn Prozent haben vor allem Sammelbesteller", sagt Klapschus von Heizöl24. Er rechnet vor: Die Tankwagen, die Wohnstraßen anfahren, fassten in der Regel 13.000 bis 20.000 Liter und in einen Haustank gehen 2000 bis 3000 Liter. "Je weniger extra Anfahrten das beauftragte Unternehmen pro Tanklaster hat, desto günstiger für die Kunden", weiß Klapschus. Die Aussichten auf Verbraucherrabatte könnten insbesondere auch deshalb günstig sein, weil die Auftragslage der Mineralölbranche insgesamt recht mau ist. "Der Handel berichtet uns, dass die Geschäftsvolumina zurückgehen, weil viele Kunden ihre Bevorratung in den vergangenen Monaten erledigt haben", so Wiek vom Branchendienst Eid.
Übertreiben dürfen es die Schnäppchenjäger freilich nicht. Wer mehr Heizöl kauft als er fürs Warmhalten der eigenen vier Wände benötigt, und den Brennstoff statt in den Keller etwa in sein Auto füllt, bekommt Ärger mit dem Fiskus. Zwar ist Heizöl chemisch fast dasselbe wie Dieselkraftstoff, aber die Mineralölsteuer auf Diesel beträgt im Vergleich zu Heizöl das Achtfache. Wird Missbrauch nachgewiesen, droht ein Verfahren wegen Steuerhinterziehung.
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(SZ vom 22.05.2009/lauc/mel)
Surfrider Beach in Malibu
Die Experten, die mir nun raten jetzt zu kaufen, weil der Ölpreis steigen wird, sind das die gleichen Experten, die mir letztes Jahr bei Spitzenpreisen auch geraten haben meinen Öltank zu füllen, weil der Preis noch weiter steigen wird?
Bevorraten oder nicht, das ist hier die Frage. Mein Mann arbeitet seit langem in der Branche. Allen Vorhersagen zum Trotz kommt es letzten Endes meist anderes, als man denkt. Da muss man ein wenig auf sein Bauchgefühlt hören oder es ist wie im Supermarkt: Sie stehen immer an der falschen Kasse an.