Von Dirk Graalmann und Martin Hesse

Chaos in Düsseldorf: WestLB-Chef Hilgert tritt nach nur einem Jahr zurück und greift die Eigentümer an.

Der Vorstandsvorsitzende der WestLB, Heinz Hilgert, ist am Montag überraschend mit sofortiger Wirkung von seinem Amt zurückgetreten.

Heinz Hilgert: Sparkassen wollten keine Garantien für einen Sparkassenumbau geben. (© Foto: dpa)

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In einer persönlichen Erklärung begründete Hilgert seinen Rücktritt damit, dass er auf dem Weg zur Neuausrichtung der angeschlagenen Landesbank "nicht die erforderliche wirtschaftliche Unterstützung der maßgeblichen Eigentümer der Bank" finde. Die Landesbank verliert mitten in einem schwierigen Sanierungsprozess ihren Chef; Hilgert war bereits der dritte binnen zwei Jahren nach Thomas Fischer und Alexander Stuhlmann. Am Abend ernannte der Aufsichtsrat Hilgerts Stellvertreter Dietrich Voigtländer kommissarisch zum Konzernchef.

Die WestLB, drittgrößte deutsche Landesbank, will Geschäftsaktivitäten im Umfang von rund 80 Milliarden Euro auslagern. In der vergangenen Woche hatte die EU-Kommission die Bank verpflichtet, sich im Gegenzug zu den gewährten Staatshilfen von ganzen Geschäftsbereichen zu trennen und ihr Geschäftsvolumen somit zu halbieren. Die Konzentration auf Kernbereiche ("Projekt Omega") bezeichnete Hilgert als "einzigen, die künftige Existenz der Bank rechtzeitig und nachhaltig sichernden Weg".

Gegen die Absicherung dieses Modells gibt es aber massiven Widerstand von den Sparkassenverbänden als Mehrheitseigentümer der WestLB, die bisher nicht bereit sind, der Landesbank die notwendigen Garantien in einer Größenordnung von fünf Milliarden Euro zu gewähren.

Daran müssten sich die Sparkassenverbände gemäß ihres Eigentümer-Anteils mit mehr als 2,5 Milliarden Euro beteiligen. Hilgert soll sich in vertraulichen Gesprächen massiv über die Politik des Rheinischen und des Westfälischen Sparkassenverbandes beschwert haben, verlautete aus dem Umfeld der nordrhein-westfälischen Landesregierung, die mit 37 Prozent an der WestLB beteiligt ist.

"Destruktiver Kurs"

Hilgert, hieß es, habe geschäumt über den "destruktiven Kurs". Er habe, soll der erfahrene Banker Hilgert gesagt haben, "noch nie erlebt, dass Eigentümer so gegen die Interessen der Bank arbeiten". Insbesondere der Präsident des Westfälischen Sparkassen- und Giroverbandes, Rolf Gerlach, habe sich dabei den Unmut von Hilgert zugezogen. Dagegen bekundete NRW-Finanzminister Helmut Linssen (CDU) am Montag erneut die Bereitschaft der Landesregierung, das "Projekt Omega" zu unterstützen.

Der 55-jährige Hilgert war erst im Mai 2008 von der DZ Bank zur WestLB gekommen. Beim Spitzeninstitut der Genossenschaftsbanken war der anerkannte Kapitalmarktexperte lange die Nummer zwei, der Weg an die Spitze blieb ihm aber versperrt. Damals sollen ihn Landesregierung und Sparkassen auch damit gelockt haben, dass weitere Risiken durch Bürgschaften abgesichert seien.

Nun beklagt Hilgert, dass notwendige Garantien ausblieben. Auch die Rating-Agenturen hatten stets darauf verwiesen, wie wichtig die Stützung der Eigner für die Bank sei. Die Kernkapitalquote der Bank liegt bei nur 5,9 Prozent. Bei der Sanierung der WestLB konnte Hilgert erste Erfolge vorweisen. Im ersten Quartal erwirtschaftete die Bank nach am Montag vorgelegten Zahlen einen Gewinn von 212 Millionen Euro.

Dies sei der beste Jahresauftakt seit 2002, so Hilgert. Seine Berufung war zunächst in der Bank auf Vorbehalte gestoßen, doch soll er sich mit einem zielstrebigen, mitunter harten Kurs Respekt verschafft haben. Nun müssen sich die Mitarbeiter wieder an einen neuen Chef gewöhnen. Hilgert sagte, sein Rücktritt sei nicht revidierbar, er verzichte auf "sämtliche zukünftigen Gehaltszahlungen und Pensionsansprüche".

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(SZ vom 19.05.2009/hgn)