SZ: Ist man nicht irgendwann zu alt?
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Gindullis: Ich kenne jemanden mit einem Riesenclub, der ist 71 Jahre alt. Mit hoher Wahrscheinlichkeit werde ich auch in dem Alter noch viel arbeiten, ich hab ja mit Labelfinder auch eine andere Idee.
SZ: Was ist das?
Gindullis: Seit vier Jahren bauen mein Geschäftspartner Julian Hildebrandt und ich thelabelfinder.com auf, das ist eine Website, auf der man weltweit nach Modelabels suchen kann und die Shops findet, die die Marke verkaufen.
SZ: Wie soll das bitte Geld bringen?
Gindullis: Bis jetzt noch nicht. Die Labels können sich kostenlos für eine Basisversion anmelden. Und für die Ladenbesitzer gibt es eine Premium-Version, für die sie sich gegen Geld registrieren lassen können. Da können sie sich ausführlich präsentieren. Das machen jetzt 640 Läden und alle Bogner-Stores weltweit.
SZ: Ausgerechnet Mode! Wo doch Reporter schreiben, dass Sie so herrlich unhip gekleidet seien.
Gindullis: Ah! Ich weiß noch, wie das erste Mal über mich geschrieben wurde. Cookie ist kein Szene-Typ, er sieht eher aus wie der nette junge Mann von nebenan. Damals war ich sehr enttäuscht. Heute finde ich das gut.
SZ: Wie spüren Sie im Club eigentlich die Wirtschaftskrise?
Gindullis: Nicht so stark wie ich gedacht hätte. Am Anfang des Jahres gab es kaum noch Firmenevents, und das Catering war auf null. Ich hab sehr viele Gäste getroffen, die gefeuert wurden. Leute von Werbeagenturen. Plötzlich waren alte Stammgäste wieder dienstags und donnerstags da, weil sie gefeuert worden sind. Das tut weh.
SZ: Müssen Sie die trösten?
Gindullis: Die lädt man auf'n Drink ein, na klar. Aber hey Vorsicht, das bitte nicht schreiben, sonst kommt jeder zu mir, und sagt, dass er gefeuert wurde. (lacht)
SZ: Warum merken Sie die Krise nicht?
Gindullis: Weil Berlin schon immer arm war. Arm, aber sexy. Ist so, ganz klar. Ich fühl mich aber sehr wohl hier.
SZ: Woanders könnten Sie mehr verdienen.
Gindullis: Das ist nicht das Cookies. Wenn ich teurer werden würde, würde ich ein anderes Publikum bekommen. Ich fühle mich nicht wohl neben 30 Investmentbankern. Unser Publikum ist sehr gemischt. Wir haben Leute aus der Mode, Wirtschaft, Politik. Bei mir tanzen alle, auch Arbeitslose.
SZ: Wer kommt hier nicht rein?
Gindullis: Wenn jemand protzig ist und angibt, wird er es schwerhaben. Oder wenn er sagt: Ich kenne Cookie. Ich stand mal selber an der Tür und da kam jemand und sagte: Ich war der beste Freund von Cookie, wir sind gemeinsam in die Schule gegangen. Und wenn du mich nicht hier reinlässt, wirst du morgen keinen Job mehr haben. Da haben mein Türsteher Frank und ich einen Scherz gemacht. Er gab sich für mich aus und sagte: Tut mir leid, ich bin Cookie. Der Typ wurde bleich und zog ab.
SZ: Wo sind Sie mal nicht reingekommen?
Gindullis: Ist doch stadtbekannt.
SZ: Wir kommen aus München.
Gindullis: Ich bin im Berghain mal nicht reingekommen. Alle in der Schlange kannten mich und haben mich ausgelacht, haha, Cookie kommt nicht rein. Und in die Bar Tausend bin ich mal nicht reingekommen. Aber ich bin dann auch nicht der, der sagt, hey ich bin Cookie. Der Türsteher hat mich gefragt, ob ich auf der Gästeliste bin, ich hab gesagt nein, da hat er die Tür zugeknallt. Okay, dachte ich, dann heute nicht.
SZ: Kommt Ihre Mutter zum Jubiläum am Samstag?
Gindullis: Weiß ich noch nicht. Sie wird nächste Woche 71, ist aber noch topfit. Gut möglich, dass Sie mich überrascht.
SZ: Ist Ihre Mutter stolz auf das, was Sie geschafft haben?
Gindullis: Ja. Aber am liebsten hätte sie es, wegen ihrer Religion, dass ich keinen Alkohol verkaufe, sondern frisch gepresste Säfte.
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(SZ vom 20.11.2009/tob)
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