Handel an Rohstoffbörsen Riskantes Spiel mit Menschenleben

Die Geschäftemacher an den Agrarmärkten spielen mit dem Leben von Menschen und gefährden den Weltfrieden. Sie sollten offenlegen, in welcher Absicht sie handeln.

Ein Kommentar von Silvia Liebrich

Mit steigenden Weizen- und Maispreisen wächst die Angst vor neuen Hungerrevolten. Die Erinnerungen an die Unruhen in ärmeren Ländern vor drei Jahren sind noch nicht verblasst. Damals versprach die Politik schnelle Lösungen, ein Krisengipfel jagte den anderen, geschehen ist nichts. Doch das Problem bleibt: Die Weltbevölkerung wächst und damit die Zahl der Menschen, die satt werden wollen. Für einen großen Teil geht es ums nackte Überleben. Das macht Investitionen in Nahrungsmittel zu einem lukrativen Geschäft und lockt Spekulanten an.

Der größte Teil der Handelsumsätze an den Rohstoffbörsen geht inzwischen auf reine Finanzinvestoren zurück und nicht auf Agrarproduzenten und Lebensmittelhersteller. Doch Anleger treiben die Preise zusätzlich in die Höhe. Wer den Anstieg der Nahrungsmittelpreise bremsen will, muss genau hier ansetzen. In der Politik hat man den Handlungsbedarf erkannt. Auf Ebene der G-20-Staaten soll in den nächsten Monaten über eine Regulierung verhandelt werden. Erste Ergebnisse sind noch für dieses Jahr angekündigt. Ein ehrgeiziges Ziel, das sich nur durch einen gemeinsamen internationalen Kraftakt erreichen lässt.

Nationale Alleingänge versprechen wenig Erfolg. Der Handel mit landwirtschaftlichen Erzeugnissen ist global. Die Regulierer müssen für mehr Transparenz sorgen. Akteure an den Börsen müssen sich zu erkennen geben und offenlegen, in welcher Absicht sie handeln. Der Anteil der institutionellen Anleger könnte dann zum Beispiel über Quoten reglementiert werden. Die Zeit drängt. Es steht viel auf dem Spiel. Denn die Geschäftemacher an den Agrarmärkten spielen mit dem Leben von Menschen und gefährden den Weltfrieden.

Mahlzeit, Frau Aigner!

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