Großbanken in den USA und Europa machen wieder Gewinne. Ist die Krise etwa schon vorbei? Bank-Experten kennen mindestens drei Gründe, die dagegen sprechen.
Die Wall Street ist guter Dinge. Nach zwei Jahren schwerster Stürme im Finanzsystem und Hunderten von Milliarden Dollar Abschreibungen melden die großen amerikanischen und europäischen Banken wieder Gewinne. Die Aktienkurse der Geldhäuser schießen kräftig in die Höhe. Gleich mehrere amerikanische Finanzinstitute wollen die ungeliebten Staatshilfen möglichst schnell zurückzahlen. Schon jubeln die ersten Finanzmagazine: "Die Bankenkrise könnte bald Geschichte sein." Ist es wirklich schon so weit? Bankanalysten und Ökonomen zweifeln daran.
Goldmann Sachs und andere Banken überraschten im April an der Wall Street mit Gewinnen. Doch Experten glauben, dass den Banken noch schwere Zeiten bevorstehen. (© Foto: ddp)
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Das Aufatmen an der Börse begann Anfang April, als einige US-Häuser überraschend gute Ergebnisse für das erste Quartal vorlegten. Goldman Sachs, JP Morgan, Deutsche Bank und andere verbuchten kräftige Gewinne nach vielen verlustreichen Monaten. Die Investmentbanken profitierten von der Kapitalnot von Staaten und Unternehmen, die mit Hilfe der Banken verstärkt festverzinsliche Wertpapiere auf den Markt warfen.
Gutes Klima für US-Banken
Wer in diesem Geschäft schwach ist - wie beispielsweise Commerzbank und Postbank - hatte nicht viel zu lachen. Denn das klassische Privatkunden- und Kreditgeschäft liegt darnieder, weil verunsicherte Sparer ihr Vermögen auf dem Festgeldkonto parken oder Gold kaufen - daran verdient die Bank nicht viel.
Zu den Ausnahmeergebnissen der Banken trugen nicht zuletzt die Milliardenhilfen der Regierungen und die Null- bis Niedrigzinspolitik der Notenbanken bei, die obendrein noch Staatsanleihen und notleidende Wertpapiere aufkaufen.
"Klar, dass die US-Banken in einem solchen Klima gutes Geld machen", schreibt Niels Jensen, Partner der Londoner Investmentgesellschaft Absolute Return, in einem Newsletter an seine Kunden - und zieht Vergleiche zur Autoindustrie. Es sei so, als ob die Regierung die Herstellungskosten für Autos auf null senke und dann, mit dem Geld der Steuerzahler, Millionen von Autos kaufe. "Selbst Detroit würde zu solchen Konditionen Geld verdienen", spottet Jensen.
Ärger über Verschleierungstaktik
Hinzu kommen neue Bilanzierungsregeln für Banken, die es ermöglichen, ganz legal die Bilanzen zu schönen. Europas größte Bank HSBC etwa hat in den ersten Monaten des Jahres gut verdient - aber nur dank einer Neubewertung ihrer Schulden. Ohne 6,6 Milliarden Dollar Buchgewinne wäre das Ergebnis gesunken.
Oder die Deutsche Bank: Sie hat vor allem im zweiten Halbjahr 2008 und in geringerem Ausmaß im ersten Quartal Positionen in Höhe von 38,1 Milliarden Euro vom Anlage- ins Kreditbuch verschoben. Dort müssen sie nicht mehr mit dem Marktwert bilanziert werden, sondern stehen zum Buchwert in der Bilanz. So vermied die Bank im ersten Quartal Abschreibungen von 1,4 Milliarden Euro. Stattdessen bildete die Deutsche Bank lediglich 200 Millionen Euro Kreditrisikovorsorge - und erzielte einen Milliardengewinn.
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