Bundeswirtschaftsminister Guttenberg will angeschlagende Banken unter Zwangsaufsicht stellen. Der Grünen-Finanzpolitiker Schick findet das gut. Allerdings nur prinzipiell.
Gerhard Schick gehört zu den Nachwuchshoffnungen der Grünen. Der aufstrebende Bundestagsabgeordnete aus dem schwäbischen Hechingen ist seit 2007 finanzpolitischer Sprecher seiner Fraktion und seit 2008 im Parteirat der Grünen vertreten. Der 37-Jährige wird der Parteilinken zugerechnet.
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Will eine stärkere Bankenaufsicht: Grünen-Finanzexperte Gerhard Schick. (© Foto: Grüne)
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sueddeutsche.de: Herr Schick, Wirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg will in Schieflage geratene Banken künftig unter Zwangsaufsicht stellen und wird dafür offenbar einen eigenen Gesetzesentwurf vorlegen. Ist das die richtige Schlussfolgerung aus der Bankenkrise?
Gerhard Schick: Ja, es ist ein notwendiger Schritt, die Möglichkeiten der Finanzaufsicht zu erweitern. Wir haben in der Finanzkrise gemerkt, dass wir mit den bisherigen Mitteln zu starke Effekte auf den Finanzmärkten auslösen. Wir brauchen andere Verfahren.
sueddeutsche.de: Guttenbergs Vorschlag kommt sehr kurz vor der Wahl. Ein bisschen spät, oder?
Schick: Der Vorschlag taugt in den letzten Tagen dieser Legislaturperiode vor allem für den Wahlkampf. Er kommt mindestens ein Jahr zu spät. Wir hätten so ein Instrument schon für die Hypo Real Estate (HRE) gut gebrauchen können. Nach den Quasipleiten bei der IKB, SachsenLB, Düsseldorfer Hypothekenbank, der Rettung von WestLB und BayernLB hätte dringend schon viel früher die Bankenaufsicht massiv gestärkt und ausgebaut werden müssen.
sueddeutsche.de: Von einem Ausbau der Bankenaufsicht ist nicht die Rede. Nur davon, ihr mehr Rechte zu geben.
Schick: Ohne mehr und besseres Personal wird unsere bisherige Bankenaufsicht nicht in der Lage sein, eine Großbank vom Kaliber einer Commerzbank oder der Hypo Real Estate zu verwalten oder zu kontrollieren. Wir hatten ja schon Schwierigkeiten, geeignete Aufsichtsräte für die verstaatlichten Banken zu finden.
sueddeutsche.de: Das heißt, selbst wenn Guttenbergs Vorschlag schon vor einem Jahr Gesetz gewesen wäre, hätte er damit den komplizierten Weg der Übernahme der HRE durch den Bund nicht verhindern können?
Schick: Theoretisch ja. Die Bankenaufsicht muss aber auch in der Lage sein, eine Bank unter Zwangsverwaltung zu stellen. Dazu braucht es Fachleute in der Aufsicht, die das können.
sueddeutsche.de: Gutes Personal ist nicht billig. In den Banken verdienen die Experten Millionengehälter. Die lassen sich nicht mit dem Tarif im öffentlichen Dienst locken.
Schick: Das ist richtig, aber eine Mageraufsicht, wie wir sie uns in den vergangenen Jahrzehnten geleistet haben, ist im Endeffekt teurer, als den Fachleuten marktübliche Gehälter zu zahlen.
sueddeutsche.de: Hat es Sie überrascht, dass Wirtschaftsminister Guttenberg diesen Vorschlag macht? Bankenaufsicht fällt doch gar nicht in sein Ressort.
Schick: Das ist ein kräftiger Seitenhieb gegen Finanzminister Peer Steinbrück, der eigentlich die Frage hätte beantworten müssen, wie wir aus den Fehlern lernen können. Steinbrück hat stattdessen alles schöngeredet und den Deutschen einzureden versucht, mit der deutschen Bankenaufsicht sei alles in Ordnung. Das hat sich nicht nur als falsch herausgestellt, es kommt uns auch teuer zu stehen.
(sueddeutsche.de/mel/pak)
|337: @wotcom:
Hast du mal analysiert was bei einer Insolvenz eines Kreditgebers passiert? Allein die Antwort auf diese Frage und ein Blick in das Kreditportfolio eines einzelnen größeren Kreditinstitutes dürfte dir erklären was Systemrelevanz ist...
Habe ich, ist auch in Deutschland kein Novum
::Banken sind systemrelevant, das liegt daran das sie Teil des Bankensystems sind. Sollte es auch Systemteilnehmer geben, deren Ausfall das ganze System zusammenbrechen lassen? Der Steuerzahler soll das glauben.
Es muss nicht zwangsweise das ganze System zusammenbrechen, aber allein die Auswirkungen von Lehmann waren fatal - weltweit - also nun zu behaupten es gäbe keine systemrelevanten Banken ist wie jemandem in den Kopf zu schiessen und hinterher zu behaupten er wäre an Herzversagen gestorben... O_o
:Banken sind systemrelevant, das liegt daran das sie Teil des Bankensystems sind. Sollte es auch Systemteilnehmer geben, deren Ausfall das ganze System zusammenbrechen lassen? Der Steuerzahler soll das glauben.
Lehmann führte zum Zusammenbruch des weltweiten Finanzsystems?
Die Banken sind übrigens nicht zufällig sondern ganz gewollt in eine systemrelevant Position gekommen - das hat etwas mit der größe (Bilanzsumme und damit verbunden Kreditsumme) der Bank zu tun. Fragen Sie mal Ihren Bankberater bei irgendeiner kleinen Sparkasse oder VR-Bank wieso diese Banken keinerlei Multinationals (Siemens, BMW, Mercedes, VW, etc.) finanzieren, das dürfte Ihnen einiges erklären...
::Hat der Herr Guttenberg analysiert warum es zugelassen wird einen Systemteilnehmer in diese für alle Beteiligten zerstörerischen Position kommen zu lassen. Hat er analysiert wie das zudem unbemerkt von allen Kontrollgremien passieren kann? Hat er stattdessen auch noch vorgeschlagen ein solches Anwachsen eines Teilnehmers als Risiko zu unterbinden?
Offensichtlich halten Sie es für eine unabdingbare Notwendigkeit sich auf unkontrollierbare Großrisiken einzulassen, sie zu förden und mit dem Risikofall zu planen, gleichzeitig aber zu hoffen das er nie eintritt (klingt nach Atomkraftwerken), im Namen der Wettbewerbsfähigkeit. Die müssen europäische Banken ehedem noch ausbauen, indem wie von Ihrem Finanzminister gefordert die Basel II Vorschriften gelockert werden, da in den USA die Banken viel besser mit ihren Schrottpapieren in der Bilanz umgehen dürfen.
Mal so nen paar Themen...
Dieser Hinweis zeugt von großer Arroganz und bleibt daher unkommentiert.
j337:
Immerhin - die persönliche Managerhaftung empfinde ich auch als "Kappes", gerade geeignet, um BILD- und RTL2-Kunden zu befriedigen.
Ansonsten bin ich der Ansicht, dass "too big to fail" ein Irrweg ist. Daran ändern auch Ihre Vorschläge nichts. Sie flechten dem Elefanten eine Fußfessel aus Grashalmen. Führen Sie sich bitte vor Augen, dass es privaten Institutionen gelungen ist, ganze Volkswirtschaften aus den Angeln zu heben. Dieser monetäre Weltenbrand konnte/kann nur mit Hilfe des Staates gelöscht werden.
Conclusio: Keine Streichhölzer in die Hände von Feuerfetischisten. Pyromanen einbuchten. Leicht entflammbare Stoffe vom Markt verbannen. Brandherde austreten, Brandmauern einziehen. Auf kleiner Flamme kochen...
"diese Krise ist genau so normal wie alle Krisen davor auch."
Sie scheinen wirklich vom Fach zu sein...!
Okay gern:
Ich finde die Idee von Herrn Guttenberg nicht schlecht, aber bin der Meinung sie greift zu kurz.
Man sollte auf jeden Fall den Banken selbst überlassen die Restrukturierung und das Deriskment selber zu übernehmen, da eine staatliche Kontrolle nicht nur viel zu lange brauchen würde sich mit den Büchern auseinanderzusetzen sondern auch einen zu großen Wettbewerbsnachteil darstellen würde.
Ansich sollte der Staat nur die Zielvorgabe: Risikostruktur, Volumen des Eigenhandels und Risikobegrenzung und einen klaren Rückzahlungsplan vorgeben.
Zudem muss man die allgemeine Risikotragfähigkeit von Banken verändern und den Eigenhandel fester an die Eigenmittel der Bank binden, so das nur noch im Rahmen des freien haftenden Eigenkapitals auch Eigenhandel betrieben werden kann. Somit wird die Bank nicht mehr vom Totalausfall bei Kurseinbrüchen bedroht, aber auch nicht voellig um das ansich sehr lukrative Investmentbanking gebracht.
Irgendwelche sinnbefreiten Forderungen wie persönliche Managerhaftung finde ich absolut schwachsinnig, ein Blick in irgendeinen Jahresbericht 2008 zeigt eindeutig, dass die "Verluste" aus Abschreibungen auf AV und UV herrühren und die Banken operativ äusserst erfolgreich waren. Das Management hat also nicht versagt - diese Krise ist genau so normal wie alle Krisen davor auch.
Ansich muss man nur verhindern, dass der Eigenhandel von Handelsbuchinstituten wieder die alten voellig überzogenen Ausmaße annimmt und zumindest einer Krise wie der aktuellen ist vorgebeugt...
j337: "Basel II, Bankbilanzierung, Eigenmittel, Großkredite, Risikounterlegung, Ab- und Zuschreibungen von Risiken, Gesellschaftsrecht und verdammt nochmal lesen Sie mal nen paar Jahresberichte aus 2008."
Management summary: "Alternativloser Sachzwang." (Thomas Wieczorek)
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