Von Markus Zydra

Der Euro ist auf Talfahrt, die Aktienkurse stürzen ab - Politiker sehen überall gefährliche Zocker am Werk. Doch im Grunde ist fast jeder ein Spekulant.

Ein Mann geht ins Restaurant und bestellt Austern. Er hat kein Geld, aber er hofft, dass er mit einer darin gefundenen Perle die Rechnung bezahlen kann. Der Mann ist ein Spekulant.

Spekulation, Reuters

Bei näherem Hinsehen ist es gar nicht so leicht, den bösen Zocker von einem guten Investor zu unterscheiden. (© Foto: Reuters)

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Der Euro setzte auch am Mittwoch seine Talfahrt fort, der deutsche Aktienindex (Dax) blieb unter der 6000-Punkte-Marke und die Renditen für griechische und portugiesische Staatsanleihen zogen wieder deutlich an - "im Moment", schimpft Jochen Sanio, Chef der deutschen Finanzaufsicht Bafin, "wird hier von Spekulanten ein Angriffskrieg gegen die Euro-Zone geführt".

Damit trifft Sanio den Nerv vieler Menschen. Schon werden Politikerstimmen laut, die ein schärferes Vorgehen gegen Spekulanten fordern. Das ist leicht gesagt, denn bei näherem Hinsehen ist es gar nicht so leicht, den bösen Zocker von einem guten Investor zu unterscheiden.

Was ist ein Spekulant?

Der Wortursprung kommt vom lateinischen Verb speculari. Das bedeutet: spähen und beobachten. Der Begriff Spekulation bezieht sich historisch auf Geldgeschäfte. Ein Spekulant produziert keine Ware, um sie mit Gewinn zu verkaufen. Vielmehr geht es ihm darum, aus Preisveränderungen an den Finanzmärkten Profit zu schlagen. Auch jeder Privatsparer, der sein Geld in einen Fonds steckt, ist mittelbar ein Spekulant. Er vertraut darauf, dass der Fondsmanager ein gutes Gefühl dafür hat, wie sich die Preise für Aktien oder Anleihen entwickeln.

Wie tickt ein Spekulant?

Es geht ihm um Profit, es geht ihm nicht darum, ein Land wie Griechenland zu zerstören. Für einen Spekulanten, der gegen Griechenland spekuliert, ist das südeuropäische Land bereits zerstört. Und deshalb wettet er auf das Eintreten des Kollaps", und zwar meist lange bevor es andere tun. So hat er die Chance auf hohe Gewinne. Wer im Herbst 2009 auf eine Pleite Griechenlands setzte, der konnte sein Kapital bis Mai zeitweise verfünffachen. Ein Spekulant klebt nicht bedingungslos an seiner Einschätzung. Er kann heute auf die Pleite und bereits morgen wieder auf die Genesung Griechenlands wetten. Für ihn gibt es kein Gut oder Böse, nur richtig oder falsch.

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