Europa drängt Deutschland zur Eile - Griechenland soll gerettet werden. Das aber helfe nur den französischen Banken, glaubt Ifo-Chef Hans-Werner Sinn.
Vor Jahren waren es die Iren, die Gott für den deutschen Steuerzahler dankten - wenn sie über ihre neuen, EU-finanzierten Autobahnen brausten. Bald werden es ihnen womöglich die Franzosen gleichtun, wenn sie ihre Bankfilialen betreten.
Wirtschaftsforscher Hans-Werner Sinn ist davon überzeugt, dass die deutsche Nothilfe für das verschuldete Griechenland vor allem die französischen Banken rettet. (© AP)
Anzeige
Wirtschaftsforscher Hans-Werner Sinn ist jedenfalls davon überzeugt, dass die deutsche Nothilfe für das verschuldete Griechenland vor allem die französischen Banken rettet.
"Frankreichs Banken halten für 51 Milliarden Euro griechische Staatspapiere, Deutschlands Banken für 31 Milliarden. Dennoch zahlt Deutschland für die Rettung Griechenlands ein Drittel mehr als Frankreich", ätzt der Chef des Münchner Ifo-Institutes in der Passauer Neuen Presse.
"Besser den amerikanischen Weg"
Europa müsse den amerikanischen Weg gehen: "Die USA sind viel mehr Staat, als Europa vorläufig sein kann, und dennoch lassen sie ihre Bundesstaaten pleitegehen, wenn sie überschuldet sind."
Wenn Griechenland umgeschuldet würde, müssten die Gläubiger die Lasten tragen. Die dann notwendigen hohen Zinsen würden Staaten weit mehr disziplinieren als ein Stabilitätspakt es je könnte. Sinn ist sich sicher: Weil jetzt schon klar sei, dass Deutschland einen erheblichen Teil der Griechenland nie wiedersehen werde, sei es ein Glück, dass Kanzlerin Angela Merkel den Internationalen Währungsfonds (IWF) ins Boot geholt habe.
Solche Sätze dürften in Berlin mit Genugtuung gehört werden. Denn Angela Merkel wird in Europa ansonsten zur Eile gemahnt: Die EU-Justizkommissarin Viviane Reding sagte, das wirtschaftliche und finanzielle Schicksal Griechenlands sei untrennbar mit dem Wohlergehen der übrigen Eurostaaten verbunden. "Wir sollten deshalb jetzt nicht zaudern, sondern beherzt stabilisierend in Griechenland eingreifen, um Schlimmeres zu verhindern", zitiert sie die Welt.
Es sei im Eigeninteresse der EU, Griechenland nicht tatenlos in den Staatsbankrott treiben zu lassen. "Eine Art staatliche Lehman-Brothers-Pleite" könne eine Kettenreaktion erzeugen und hätte katastrophale wirtschaftliche Auswirkungen für ganz Europa.
Das gelte vor allem für Deutschland, dessen Wirtschaft jährlich Waren im Wert von mehr als 500 Milliarden Euro in die anderen EU-Staaten verkaufe und dessen Banken mit zu den wichtigsten Gläubigern des griechischen Staates gehörten.
Sie sind jetzt auf Seite 1 von 2 nächste Seite
- Thema
- Euro-Krise RSS
- Griechenland: Die Notlage Die Party ist vorbei, die Odyssee beginnt 27.04.2010
- Hilfe für Griechenland Angela Merkel - auf der Mauer, auf der Lauer 26.04.2010
- Griechenland und der Euro Angela Merkel - allein zu Hause, allein in Europa 26.04.2010
- Griechenland: Drei Szenarien ...und dann zerbricht der Euro 25.04.2010
- Kostenlose Leseprobe SZ unverbindlich testen 29.07.2009
- Euro-Krise: Außenhandels-Präsident "Gift für die Wirtschaft" 17.05.2010
- Euro: Starker Wertverlust Mit Schwung in die Tiefe 17.05.2010
Griechenland und die Euro-Zone
Lesen Sie die schöne Aufstellung von @mungbohne 15.46.
Der Stabilitätspakt verbietet die Hilfe, also darf sie nicht gewährt werden. So einfach ist das. Das braucht nicht lange lamentiert zu werden.
Ich hatte die Anführungszeichen vergessen, sorry ...
"Die Italiener zahlen wie die Franzosen 13,1 Milliarden"
Aha... die Italiener 13,1 - die Franzosen 13,1 - die Deutschen 8 Milliarden... hmmm lass mich kurz nachrechnen, das macht in Summe 34 Milliarden... aber es sollten doch nur 30 Milliarden.... also irgendwie muss da ein Rechenfehler drin sein, was Amadeus?
gebe nur zu bedenken, dass das Spiel (auch hier im Suedcafe) genauso funktioniert (hat), wenn es zB auf HartzIV-Empfaenger geht : die Quantitaet der Beitraege steigt dann steil an, im Gegensatz zur Qualitaet.
Paging