Wie hypnotisiert starren die Politiker auf die Rating-Agentur Standard & Poor's, die vor ihren Augen den Plan zur Beteiligung der Banken an der Griechenlandkrise zerpflückt. Doch die Regierungen sollten aufhören, sich der Meinung interessengeleiteter Unternehmen zu unterwerfen.
So viel steht fest: Gott muss eine amerikanische Ratingagentur sein. Anders ist es nicht zu erklären, dass siebzehn in demokratischen Abstimmungen gewählte Regierungen verschreckt dasitzen und die Nägel knabbern, wenn eine jener Ratingagenturen ihre Meinung zu Griechenland abgibt. Die Politiker des elitären Euro-Klubs starren jedenfalls wie hypnotisiert auf das Schafott und hoffen, dass sie dem Fallbeil entrinnen können.
Bild vergrößern
Ein Schuldenschnitt und ein Aufbauprogramm würden Griechenland wirklich helfen - und die Götter auf das reduzieren, was sie sind: kapitalistische Unternehmer. (© dpa)
Anzeige
Dieses Fallbeil also ist gerade wieder einmal niedergesaust. Der amerikanische Gott namens Standard & Poor's hat den Europäern mitgeteilt, dass er nicht einverstanden ist, Banken, Versicherungen und Rentenfonds an Finanzhilfen für Griechenland zu beteiligen. Jedenfalls nicht so, wie die Regierungen das vorschlagen.
Wie es anders gehen könnte, verrät Standard & Poor's allerdings nicht. Das ist nur konsequent. Schließlich gehören auch Ratingagenturen zur Branche. Stimmen sie zu, dass Finanzinstitute künftig für die eigenen Geschäfte voll verantwortlich sind, also für Risiken zahlen, könnte dies bald auch für sie selbst gelten.
Es ist an der Zeit, dass die den Interessen ihrer Bürger verpflichteten Regierungen aufhören, sich der Meinung interessengeleiteter Unternehmen zu unterwerfen, indem sie deren Horror-Szenarien glauben.
Das kleine Griechenland steht plötzlich da als Symbol für den Untergang der mächtigen EU. Das ist absurd. Statt weiterhin das Geld der Steuerzahler über Athen an die Finanzbranche zu leiten, sollten die Euro-Regierungen mutig sein.
Ein Schuldenschnitt und ein großes Aufbauprogramm würden Hellas wirklich helfen - und die amerikanischen Götter auf das reduzieren, was sie sind: kapitalistische Unternehmer.
- Thema
- Ratingagenturen RSS
- Beteiligung privater Gläubiger Standard & Poor's torpediert Griechenland-Lösung 04.07.2011
- Panne bei Ratingagentur Standard & Poor's Frankreich-Herabstufung beruht auf Computerfehler 12.11.2011
- Vorstoß von Union und FDP Schwarz-Gelb will Macht der Ratingagenturen brechen 07.11.2011
- Standard & Poor's Ratingagentur stuft italienische Banken herab 18.10.2011
- Streit um Rettungsfonds Plötzlich scheint Deutschlands Top-Note in Gefahr 26.09.2011
- Ratingagentur Präsident von Standard & Poor's tritt ab 23.08.2011
- Ratingagentur in der Kritik US-Justiz soll gegen Standard & Poor's ermitteln 18.08.2011
(SZ vom 05.07.2011/hgn)
DFB-Pleite gegen die Schweiz
Wie die heutige "Financial Times" argumentiert, gelten griechische Schulden weiterhin als legitimes Investment solange wenigstens eine Ratingagentur sie noch akzeptiert. Schäuble hat recht: Wir brauchen uns nur unsere eigene Agentur zu bauen, die jeden Schrott legitimiert.
Wer regiert eigentlich ? Die Rating Agenturen und Banken, vor deren Fallbeilen die Politik erzittert und kuscht oder die vom Volk gewählten Regierungen ?
Zur Zeit regieren nicht die Regierungen. Sie RE-agieren lediglich panisch auf die Verlautbarungen der Kaffeesatzleser (Ökonomen, Analysten, Ratingagenturen) und auf die Drohungen und Schreckensszenarien, die die Banken und ihre bezahlten „Experten“ an die Wand malen.
Nun ja, über 10 Jahre lang wurde ja auch von den Einheits-Medien (ja, auch der SZ) der Gott Markt und das Mantra „Privat vor Staat“ gepredigt und gepredigt. Und das blieb natürlich auch bei den Politikern hängen.
Nun sehen wir allmählich die Folgen dieser Religion.
Dass nach jahrelangen markt- und privatradikalen Marc Beise-Predigten nun anscheinend bei der SZ auch kritische Vernunft einkehrt, ist sehr zu begrüßen.
"... gegenüber diesen selbsternannten Mitregenten bildlich gesprochen den Zeigefinger erheben ..."
Ich favorisiere eindeutig den Mittelfinger.
"Der amerikanische Gott namens Standard & Poor's hat den Europäern mitgeteilt, dass er nicht einverstanden ist, Banken, Versicherungen und Rentenfonds an Finanzhilfen für Griechenland zu beteiligen. Jedenfalls nicht so, wie die Regierungen das vorschlagen."
Der "amerikanische Gott" hat eine Meinung, eine, deren Treffsicherheit nicht erst seit Lehmann unbestreitbar schlecht ist. Solange der "amerikanische Gott" nicht einmal mitbekommt, daß er auf einer Müllhalde wohnt, wird das auch so bleiben.
Der Markt schmunzelt nur und nutzt die Wellenbewegungen, die Angsthasen auslösen, die noch an "Götter" glauben.
Minnesota ist zahlungsunfähig, weil die Verfassung des Staates verbietet, Schulden aufzunehmen. Das bedeutet nicht, dass Investoren nicht bereit wären, Minnesota Geld zu leihen - der Staat kann und will es nicht nehmen (http://minnesota.publicradio.org/display/web/2008/12/03/why_cant_minnesota_run_a_deficit/).
Die USA sind nicht pleite, weil alle ihre Schulden auf Dollar lauten und das Land die Möglichkeit hat, beliebig viele Dollar "zu drucken", d.h. über die Fed in den Markt zu bringen.
Griechenland ist pleite, weil das Land nicht selbst Euro drucken kann und Investoren nicht bereit sind, Staatsanleihen zu kaufen.
Paging