Dem Kollaps der Bank Lehman Brothers folgte ein Flächenbrand. Ähnlich schwere Folgen hätte ein Bankrott Griechenlands. Also muss die EU helfen - auch wenn es weh tut.
Der griechische Beitritt zur Euro-Zone am 1. Januar 2001 hatte eine wundervolle Konsequenz: Seitdem verteilen sich die in Athen ausgegebenen Ein-Euro-Stücke mit der putzigen Kukuvaja, der Eule in der Tradition der antiken Überlieferung, über Europa; allemal ein schönerer Anblick als der unbeholfen stilisierte Adler auf der deutschen Münze. Leider ist das schon die einzige gute Nachrichten in diesem Zusammenhang. Den Zutritt zum exklusiven Währungsclub innerhalb der Europäischen Union haben sich die lässigen Südosteuropäer mit Statistiktricks erschlichen, und seitdem haben die jeweiligen Regierungen wenig dazu beigetragen, den schlechten Ruf auch nur im Ansatz zu korrigieren.
Den Zugang zum europäischen Währungsraum hat sich Griechenland mit Tricks erschlichen - jetzt steckt das Land in großer Bedrängnis. (© Foto: AFP)
Anzeige
Indes muss man sich mit der Vergangenheitsbewältigung nicht aufhalten, denn die Zeit kann nicht zurückgedreht werden. Ebenso wenig bringt es, auf die vergleichsweise unbedeutende Rolle Griechenlands in der Euro-Zone zu verweisen, zu deren Wirtschaftsleistung Athen nur drei Prozent beiträgt. Die Wirtschafts- und Finanzverflechtungen innerhalb der EU sind jedoch so intensiv, dass selbst das kleine Hellas das ganze große System gefährden kann.
Die berühmten Argumente aus dem Bauch führen hier nicht weiter. Ja, die Griechen sollten ihre Probleme eigentlich selbst lösen. Ja, am besten sollte man sie aus der Euro-Zone hinauswerfen. Nur leider geht das nicht so einfach. Rechtlich nicht (die Vertragslage ist kompliziert), politisch nicht (Griechenland ist Teil der europäischen Identität) und wirtschaftlich nicht: Weil der kleine Knall mit ziemlicher Sicherheit den großen nach sich ziehen würde.
Es ist wie bei Lehman Brothers, dieser eher unwichtigen Investmentbank in New York, deren Insolvenz im September 2008 die Welt in eine Krise geführt hat, die bis heute nicht bewältigt ist. Erst Lehman und die Bankenkrise, nun Griechenland und die Staatskrise: Die Geschichte wiederholt sich.
Sie wiederholt sich, was das Entstehen der Krise betrifft - aber vielleicht nicht bei deren Bewältigung. Noch haben es die EU-Regierungen in der Hand, besser zu reagieren als damals Präsident George W. Bush und seine Einflüsterer, die dachten, sie könnten Lehman isolieren und bestrafen. Damit lösten sie den bekannten Flächenbrand aus. Dasselbe nun auf Staatsebene zu versuchen, wäre ein Vabanquespiel. Wenn Griechenland fällt (und es hat von Tag zu Tag mehr Probleme, sich an den Finanzmärkten Geld zu borgen), dann fallen womöglich auch Spanien, Portugal, Irland.
Also muss geholfen werden, mit aller rechtlich möglichen Brutalität. Die EU-Kommission hat den ersten Schritt getan, das Land unter Aufsicht zu stellen, ihm praktisch seine Souveränität zu nehmen. Das ist die schlimmste vorstellbare Strafe für eine Nation, aber sie liegt in der Konsequenz der Gemeinschaft. Erst in der Krise zeigt sich, was ein System leisten kann. Das Euro-System hat viele Möglichkeiten - auch wenn es weh tut.
(SZ vom 04.02.2010/tob)
aber die Deutschen können sich in ihrer Regierung und ihrer Situation sehr täuschen.
Und wer durchblickt sieht:
Es wird immer noch schlimmer.
Wenn schon die Reichen ihre (Steuer)Schulden nicht begleichen.
Dann gehts den Armen bald zum Gott erbarmen.
Doch jetzt geht sie auf die Gangstersaat,
legal betrügen heißt die Kunst im Staat!!!
Griechenland ist Deutschland nur ein paar Jahre vorraus!
Wieviel wird derzeit vom Bundeshaushalt nur für Schuldzinsen ausgegeben? Ein sechstel? Die Tendenz ist auf jeden Fall steigend. Es ist nur eine Frage der Zeit bis sich auch größere Staaten in der selben Misere befinden.
Wer hilft dann?
leider ist dieses so wichtige Thema sehr schnell von der "Titelseite" verschwunden. Noch ein Beitrag der FTD zum Thema:
"Nach gängigen OECD-Statistiken kann man den Griechen nach Auffliegen diverser Tricks vorwerfen, dass sie relativ hohe Staatsdefizite haben. Nur lag das nach denselben Statistiken gar nicht daran, dass die Staatsausgaben stetig übermäßig gewachsen sind. Im Gegenteil: die griechische Staatsquote ist seit 1992 nicht mehr gestiegen, zwischen 2000 und Ausbruch der globalen Finanzkrise fiel sie sogar um mehrere Prozentpunkte von rund 46 auf 43 Prozent des BIP, unter der deutschen. Der Grund für die hohen Staatsdefizite ist demnach eher: die Griechen zahlen für ihre (international relativ gängige) Staatsquote relativ wenig Steuern und Abgaben. Diese Quote wurde in den vergangenen Jahren sogar unter 40 Prozent gedrückt. Sie merken etwas? Ja. Damit haben die Griechen etwas gemacht, was die EU-Kommission über Jahre hinweg gepredigt und als Wundermittel im Namen der Lissabon-Agenda verkauft hat. - Und was hat das mit Guido Westerwelle zu tun? Tja, der hat irgendwie gerade dasselbe vor. Die Steuern um (fast) jeden Preis senken. Willkommen bei den Griechen!" PS: auch Spanien hat die Steuern weit unter deutsches Niveau gesenkt, um "Investoren" anzulocken.
Folge: Staatsbankrott.
dass sie der nun wirklich primitiven Rhetorik (inkl. Dolchstoßlegende) von Banken, Investoren und Regierungen so einfach auf den Leim gehen.
Falls sie noch "Material" für die Zukunft brauchen dann wettern sie gleich mal gegen Zinserhöhungen, egal wann sie kommen, schon mal im stillen Kämmerlein zur Probe...
"Damit [Pleite von Lehman] lösten sie den bekannten Flächenbrand aus."
FALSCH ! Die Krise wurde durch Hyperliquidität, -verschuldung, zu geringe Leitzinsen und extreme Fehlspekulation verursacht und der Auslöser war wie immer mehr oder wenig zufällig und austauschbar. Wäre Lehman gerettet worden, hätte irgendetwas Anderes als Auslöser herhalten müssen.
"Also muss geholfen werden, mit aller rechtlich möglichen Brutalität."
Vollkommen FALSCH ! Ein Bailout löst kein einziges Problem sondern verschiebt es UND vergrößert es noch. Der Zeitgewinn wird aber immer geringer und die Kosten explodieren (exponentiell). Außerdem geraten auch vermeintlich starke Staaten (D, USA, China) selbst schon jetzt immer mehr in die Bredouille.
Für Spanien, Portugal und Italien wäre wohl jetzt schon gar kein Geld mehr da. Die Wahrheit ist: Wir können Bailouts (EU-weit) demnächst gar nicht mehr finanzieren, egal ob politisch gewollt oder nicht.
Deshalb: Schluss mit Überverschuldung, Bailouts und hemmungslosen Reflationierungsversuchen per Nullzins !
GR ist ein prima Kandidat, um an ihm ein Exempel zu statuieren: Keinerlei Finanzhilfe oder sonst. Unterstützung !
Folge: Der Euro wertet auf und zwingt alle "schwachen" Länder aus der Eurozone heraus (+weitere Aufwertung). Die müssen dann mit neuen, eigenen Schwachwährungen (Neo-Drachme, -Peseta,-Escudo, -Lira) sehen wie sie ihren Karren wieder in Gang bringen. Der verbliebene starke "Eurokern" hätten dann gute Chancen die Nachfolge des untergegehenden US-Dollars anzutreten, inkl. enorme Kapitalzuflüsse und Vorteile bei der Rohstoffbeschaffung.
Die EX-Euroländer versuchen halt, mit Abwertungen konkurrenzfähig zu werden, genauso wie sie es vor Eintritt in die Eurozone getan haben.
Glaube keiner Statistik die Du nicht selbst gefaelscht hast. Winston Churchill
Wenn die dicken Europaer nicht mitbekommen, dass die Staatsverschuldung eines Partners nicht 6 Milliarden wie angegeben, sondern (eventuell sogar) mehr als 14 Millarden sind seltsam, sehr seltsam.
Jeder schummelt doch seine Zahlen hin so wies grade passt. Die Zahlenspielerei ist gewiss nicht der Kern des Problems.
Da wird eine Union auf finanziell-wirtschaftlicher Basis aufgebaut und die Macher glauben, dass die Union in den Koepfen von allein folgen wird. Doch dann sehen Sie ein, dass man von der politischen Union weit weg ist.
Paging