Glücksspiel Kampf um den Jackpot

Die Kugeln für die Ziehung der Lottozahlen liegen im ZDF-Studio bereit.

(Foto: dpa)

Die Staatslotterien wehren sich gegen die wachsende Konkurrenz privater Glücksspielanbieter. Sie wollen den Geldtransfer an die Privaten unterbinden lassen. Die kündigen Gegenwehr an.

Von Klaus Ott

Wo gibt es das schon - das große Glück und die Wiedergeburt der Seele? Bei Tipp 24, glaubt man der Werbung dieser Internet-Firma. Sie bietet Einsätze bei Lotto an und kennt sogar die vermeintlichen Gewinnzahlen. Die stammen aus dem Horoskop des jeweiligen Spielers, das manchmal auch noch dauerhaften Frieden verspreche. "Was wollen Sie wahrlich mehr?", schreibt die Firma ihren zahlreichen Kunden.

Vielen Spielern bei Tipp 24 reicht freilich schon der Service. Ein paar Klicks, zu jeder Tages- und Nachtzeit, schon sind die Kreuzchen gesetzt und die Einsätze registriert. Nach der Ziehung werden gleich die Gewinne ausgeschüttet, der Gang zum Lotto-Kiosk ist überflüssig. Schneller und einfacher geht es nicht.

Doch nach dem Willen der Bundesländer soll damit Schluss sein. Die Länder, sie regeln hierzulande das Glücksspiel, wollen private Glücksspielvermittler wie Tipp 24 aus Großbritannien stoppen. Diese Firmen, so der Vorwurf, agierten illegal aus dem Ausland. Sie kassierten Einsätze auf das hiesige Zahlenlotto, hätten aber mit dem Veranstalter der Ziehung, dem Deutschen Lotto- und Totoblock (DLTB), gar keine Verträge; und Steuern zahlten sie auch nicht in der Bundesrepublik.

Es ist ein Kampf ums große Geld

Deshalb wollen die Länder den Banken schon bald Überweisungen deutscher Spieler an ausländische Internet-Anbieter verbieten, genauso wie den Rückfluss von Gewinnen. "Die ersten Untersagungen werden voraussichtlich kurzfristig ausgesprochen", kündigt das niedersächsische Innenministerium an, das bundesweit für solche Maßnahmen zuständig ist und rigoros vorgehen will. Es sei ein "vollumfänglicher Vollzug" geplant. Welche Firmen vom deutschen Markt verbannt werden, sagt das Ministerium nicht.

Es ist es ein Kampf ums große Geld. Für weit mehr als zehn Milliarden Euro wird jährlich in Deutschland getippt und gezockt, in Spielhallen und Kasinos, bei Lotto, Toto und anderswo. Sieben Milliarden Euro setzen dabei allein die staatlichen Lottogesellschaften um. Davon fließen 1,6 Milliarden Euro in einen Topf für gemeinnützige Zwecke; für Sport, Kultur und mehr. Weitere 1,2 Milliarden Euro gehen direkt an die Länder, denen die Lottogesellschaften in der Regel gehören, und die nun um diese Sondererlöse bangen.

Wie schnell die Einnahmen wegbrechen können zeigt das Beispiel Sportwetten: Hier haben im Ausland ansässige private Anbieter wie Bwin über das Internet längst den deutschen Markt erobert - mit Live-Wetten beim Fußball auf den nächsten Eckball, die nächste gelbe Karte, und so fort. Die staatliche Sportwette Oddset spielt kaum noch eine Rolle, auch weil die Privaten weit höhere Gewinnquoten bieten können. Dank Firmensitzen in Steueroasen wie Malta und Gibraltar, wo nur minimale Abgaben anfallen.

Gespräche mit der Bankenaufsicht und Bankenverbänden laufen bereits

Nach dem Niedergang von Oddset bangt der DLTB, in dem sich die staatlichen Glücksspielgesellschaften zusammengeschlossen haben, nun um Lotto. Am Ende werde man nur noch die Zahlen ziehen, während andere das große Geschäft machten, fürchten die Block-Manager.

Weil die Gewinnquoten bei allen Anbietern gleich sind, gibt am Ende oft der Service den Ausschlag, wohin die Spieler gehen. Der Lotto-Block registriert seine Kunden penibel, vor allem wegen des gesetzlich vorgeschriebenen Schutzes vor Spielsucht. Die kommerziellen Anbieter sind dagegen weniger bürokratisch: "Nie wieder Schlange stehen am Lotto-Kiosk", wirbt etwa Tipp 24. Computer oder Smartphone genügen.

Gezahlt wird per Bankeinzug oder Kreditkarte. Genau da wollen die staatlichen Lottogesellschaften und deren Inhaber nun den Hebel ansetzen. Am wirkungsvollsten sei es, "den Geldtransfer ins Ausland zu unterbinden", sagt Michael Burkert, der dem DLTB vorsteht. Das Innenministerium in Niedersachsen hat Experten eingestellt und die Grundlagen geschaffen, um Banken und Kreditkartenunternehmen Zahlungen an "unerlaubte Glücksspielanbieter und Glücksspielvermittler" notfalls zu verbieten. Gespräche mit der Bankenaufsicht und Bankenverbänden laufen bereits.

Das deutsche Zahlenlotto werde unerlaubt kopiert

"Der Staat muss sich endlich wehren gegen illegale private Anbieter wie Tipp 24", fordert Burkert. "Unser Geschäftsmodell ist in Gefahr", klagen Lotto-Manager. Anbieter wie Tipp 24 "nassauern mit unserem Zahlenlotto". Das sei wie eine "Lizenz zum Gelddrucken".

Aber sind die Internet-Firmen wirklich illegal? In der EU herrscht Dienstleistungsfreiheit. Zudem veranstalten die Privaten - rein juristisch betrachtet - lediglich Wetten darauf, welche Lottozahlen am Ende gezogen werden. Das sei im Grunde, so argumentieren die Unternehmen, dasselbe wie eine Wette auf den Ausgang eines Fußballspiels. Und für die sei ja auch kein Vertrag mit den einzelnen Klubs notwendig.

Das wollen der Lotto-Block und die Länder nicht gelten lassen. Sie werfen der kommerziellen Konkurrenz Täuschung der Spieler vor: Denen werde vorgegaukelt, beim Staatslotto mitzumachen. Tatsächlich werde das deutsche Zahlenlotto aber unerlaubt kopiert.

Das letzte Wort wird die Justiz haben

Stimmt nicht, entgegnet Tipp 24. Man habe eine britische Lizenz und werde dort reguliert, man sei seriös und sicher. Außerdem zahle das Unternehmen in London Steuern, im vergangenen Jahr 26,5 Millionen Euro. Tipp 24 wirft den deutschen Lottogesellschaften daher vor, sie wollten "private Konkurrenz vernichten". Der DLTB sei eine Art Kartell, viele Posten seien "teuer politisch besetzt" und die sinkenden Erlöse Ergebnis von Misswirtschaft.

In Ländern wie den USA, die ihre Glücksspiele ebenfalls schützen wollen, sind Überweisungs-Verbote bei Banken längst üblich. Aber nicht überall ist das ein Erfolg. In Norwegen gelingt es Schätzungen zufolge der Hälfte der Spieler, die Sperren zu umgehen. Das letzte Wort wird - wie so oft in diesem heiß umkämpften Markt - wohl wieder die Justiz haben. Tipp 24 kündigt an, man werde "mit Sicherheit alle juristischen Mittel ausschöpfen", falls sich das Verbot von Geldtransfers "direkt gegen uns richten würde".