Die Finanzakteure haben im gesetzesfreien Raum Geschäfte gemacht - wofür also sollen sie büßen?
Noch gibt es keine Beweise. Nicht einmal von einer heißen Spur zu milliardenschwerem Lug und Trug mag das US-Justizministerium bisher berichten. Doch die Nachricht, dass nun das FBI in 26 Finanzhäusern an der Wall Street nachschaut, ob ganze Banken ihre Bilanzen gefälscht oder einzelne Manager ihre Klienten mit Falschinformationen hintergangen haben - sie passt so recht in das Bild, das sich Amerika, ja alle Welt inzwischen von den Zuständen im Zentrum des globalen Kapitalismus so malt. Zuzutrauen ist allen längst alles.
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Vorerst leistet das FBI kaum mehr als pflichtgemäße Vor-Ermittlungen. Die Mutmaßung, so mancher Finanzjongleur habe in der Not seine Bücher oder gar die Märkte zu manipulieren versucht, liegt auf der Hand. In gewisser Weise leisten die Kriminalbeamten sogar Beihilfe zur Rettung der Wall Street: Amerikas Bürger werden von der Regierung gerade angegangen, die fragilen Bankhochhäuser an der Südspitze Manhattans mit bis zu 700 Milliarden Dollar abzustützen. Für diesen Preis dürfen die Steuerzahler (und Wähler) sehr wohl verlangen, dass den bislang Verantwortlichen genau auf die Finger geschaut wird.
Nur, anders als bei früheren Wirtschaftsskandalen wie etwa der Bankenkrise vor 20 Jahren oder der Megapleite des Energiekonzerns Enron dürfte es den Kriminalisten schwerfallen, konkrete Straftatbestände und Täter dingfest zu machen. Das Kernproblem der aktuellen Krise ist ja gerade, dass ein Mangel an gesetzlichen Vorschriften das riskante Vabanque an der Wall Street erst ermöglichte. Ein Beispiel: Mehr als die Hälfte all jener Subprime-Darlehen, die heute als oft faule Kredite die Portfolios in die Knie zwingen, wurde von Finanzdienstleistern verscherbelt, die keinerlei US-Bundesaufsicht unterlagen. Und die Börse in New York hat diese fragwürdigen Subunternehmer bedenkenlos refinanziert. Diese langjährig geduldeten, ja von der Bush-Regierung beförderten Auswüchse rufen das alte Dichterwort in Erinnerung: "Was ist der Einbruch in eine Bank im Vergleich zur Gründung einer Bank?," aufgeschrieben von Bertolt Brecht vor bald 80 Jahren.
Wer weiß, vielleicht liefert das FBI irgendwann tatsächlich die Vorlage für ein neues Hollywood-Drehbuch. Der Film "Wall Street" als Sujet für (ein wenig) Sex und (sehr viel) Crime spielte schon Ende der achtziger Jahre Millionen ein. Das wahre Drama jedoch findet live statt. Die Finanzkrise erschüttert mehr denn je das Vertrauen der Amerikaner in ihre Nation. Nur noch jeder siebte US-Bürger glaubt, sein Land befinde sich auf dem richtigen Kurs.
So pessimistisch schaute Amerika zuletzt vor 35 Jahren auf sich selbst. Das könnte die Zukunft der Vereinigten Staaten entscheiden: Neue Umfragen sehen Barack Obama deutlich vor seinem republikanischen Konkurrenten. Der Krimi an der Wall Street hat, da das FBI noch ermittelt, die politischen Aktien des Demokraten auf Rekordniveau getrieben.
(SZ vom 25.09.2008/mel)
Moderne Verwaltung
mögen zwar daran verdient haben, aber sie haben ihr Gerstl auch nicht zusammen halten können . . . von knapp 4,2 Milliarden im Jan. 2007 sind 717 Millionen im Sept. 2008 übrig geblieben, das sind 83 % Miese . . . der Spitzenreiter hat's gar auf 99,7 % Miese gebracht . . . oder war das deren Beitrag zum Fond "rettet die US-Banken" . . .
Tja, die Bilanzierungsregeln, die habens schon in sich . . . da kann leicht mal schnell die Bilanzen geschönt werden . . . die konsequente Anwendung des Niedrigst-Wert-Prinzips gerät ja zunehmend aus der Mode, sowas altbackenes . . . und überhaupt nicht innovativ. Wer will schon Klarheit, wenn das Gaukelbild doch soviel schöner ist . . . und gut für Dividende und Boni ist . . .
. . . Hauskäufer, Immobiliendandler, Kreditvermittler, Banker, Investor
das Deutsche Grundgesetz? Überhaupt nicht . . . sie kennen es nicht, sie wissen wahrscheinlich noch nicht mal das es sowas gibt . . . und, äh, Deutschland? Wo?
Ads dem SZ-Kommentar: "Diese langjährig geduldeten, ja von der Bush-Regierung beförderten Auswüchse ..."
Dass der gegenwärtige amerikanische Präsident nach Nürnberg bzw. in den Hag geschafft gehört (Vorbereitung und Führung eines Angriffskrieges - wann wird endlich ein Auslieferungsantrag gestellt), das wissen wir schon.
Nun ist also auch der Oberste Gerichtshof der Vereinigten Staaten zuständig.
Zum wiederholten Mal: das Problem scheint tiefer zu liegen als in einem rechtsfreien Raum, nämlich in der fehlenden Transparenz, die eine US-GAAP-Bilanzierung und die Kapitalisierung und "Einpreisung" erwarteter Gewinne und des leverage-Effekts.Das Niedrigst-wert-Prinzip: das kommt zum Tragen, wenn der Ballon platzt. Und GAAP wie auch ISRF und IAS: da stellen die Böcke die Regeln selbst auf. So naiv waren ja die Deutschen im 19. jahrhundert nicht, als sie lange zögerten, bis sie überhaupt Aktiengesellschaften zuließen. Da ging es speziell um Prospektbetrug, mittlerweile ist es der Bilanzbetrug geworden. Rechtsfreier Raum? "Auch das Faustrecht ist ein Recht." Und die Rastellis mit den Mrd.Luftballons: die haben doch dabei verdient.
Und wenn nicht und alles wäre nicht justiziabel: es gälte ja noch immer "was das Gesetz nicht verbietet, verbietet der Anstand."
Lieber Christian Wernecke, selbstverständlich existiert dieser gesetzesfreie Raum!!
Darum geht es doch in dieser Krise, nämlich das solche Räume geschaffen werden können und konnten. Für Privilegierte, für Banker, für Vorstände, für Politiker!!!
Wie ist es denn möglich, das man diese Frage stellt?
Lobbyarbeit, Wirtschaftsdelegierte als Staatssekretäre, Politiker als Banker (Matthäus-Meier - KfW) oder Vertreter der Unternehmerverbände. Ein einziger Sumpf von Interessensverstrickungen und Verpflichtungen. Und da schreibt, nein fragt ein Wirtschaftsredakteur über gesetzesfreie Räume.
Was gestern und heute in diesem Finanzmarkt geschieht hat alles mit Inkompetenz, Fehleinschätzungen und Korruption zu tun. Unsere sogenannte Freie Presse inclusive. Verlagskonzerne mit Monopolstrukturen produzieren teilweise schlampig gemachte Produkten, Redakteure die am Gehaltstropf dieser darben, weil sie industriegerechte Artikel schreiben müssen und wir diskutieren ob es gesetzesfreie Räume im Finanzsystem gibt.
Die Herrscher dieser Gesellschaft also Banker, Vorstände, Funktionäre und Politiker schaffen in diesen Minuten wo wir schreiben und lesen neue gesetzesfreie Räume für sich und ihre Interessen. Ist das verständlich genug?
Die Frage ist was tun wir dagegen?
Die Frage was tun Sie als sogenannte Freie Presse dagegen?
Heute schreiben wir. Morgen demonstrieren wir. Übermorgen jagen wir euch aus euren Pfründen. Es ist nur eine Frage der Zeit!!
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