Für sein Arzneimittel-Sparpaket bekam Gesundheitsminister Philipp Rösler zunächst viel Zustimmung. Doch am Ende überwiegt die Enttäuschung - und ein alter Vorwurf.
Bevor der Lobbyist antwortet, macht er eine lange Pause. Dann lacht er und sagt: "Klar, alles in allem ist das gut für die Versicherten. Aber öffentlich würde ich das nie sagen." Der gut gelaunte Strippenzieher ist kein Einzelfall. Lob für das Arzneimittel-Sparpaket gibt es reichlich - aber nur hinter vorgehaltener Hand.
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Das Lob für seine Pläne ist verstummt: Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler (FDP). (© dpa)
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Offiziell zeigen sich Büchsenspanner des Gesundheitswesens derzeit lieber kritisch und schließen sich den zum Teil sehr berechtigen Vorwürfen der Pharmakritiker an. Lautstarke Kritik an einzelnen Punkten, leise Zustimmung zum ganzen Gesetz - so wird es wohl bleiben, bis der Gesundheitsausschuss des Bundestags das Vorhaben am Mittwoch nächster Woche durchwinkt und das Parlament es kurz darauf beschließt.
Dieses pharisäerhafte Verhalten der Lobbyisten ist im politischen Berlin nicht ungewöhnlich. Doch beim "Gesetz zur Neuordnung des Arzneimittelmarktes in der gesetzlichen Krankenversicherung" ist es besonders ausgeprägt. Die Geschichte des Regelwerks kann als geradezu beispielhaft gelten, will man den verschlungenen Kommunikationsprozessen der Hauptstadt nachspüren.
Am Anfang stand ein großes Versprechen. "Ich breche das Preismonopol der Pharmaindustrie", verkündete Gesundheitsminister Philipp Rösler (FDP) im Frühjahr. Das Vorhaben sollte sein erstes großes Projekt sein, und er hatte Erfolg. Rösler heimste viel Lob ein, als er seinen Plan vorlegte, die viel zu hohen Medikamenten-Preise in Deutschland zu senken. Ausgerechnet der wirtschaftsnahe FDP-Mann Rösler würde die Pharmaindustrie zwingen, mit den Krankenkassen auszuhandeln, wie teuer die Arznei denn nun wirklich sein sollte.
Das Lob hielt an. Es überstrahlte die koalitionsinterne Keilerei über die Kopfpauschale, sogar in der Opposition erntete Rösler Zustimmung für den ersten Teil seines Plans - die Zwangsabgabe der Pharmakonzerne an die Krankenkassen deutlich zu erhöhen. Bis zu 1,5 Milliarden Euro wird das die Industrie im Jahr kosten. Die Pharmalobby spuckte Gift und Galle, doch es half nichts.
Die öffentliche Wahrnehmung kippte erst während der weiteren Beratungen. Das geschah aus zwei Gründen. Die Koalition legte sich mit dem Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) an. Und sie übernahm gleichzeitig einen lange gehegten Wunsch der Pharmaindustrie. Im G-BA sitzen Vertreter der Ärzteschaft und der Krankenversicherer und entscheiden darüber, welche Medikamente, welche Therapien von den Kassen bezahlt werden und welche nicht.
Koalitionäre bereit zu Zugeständnissen
Unter Röslers Vorgängerin Ulla Schmidt hatte das Gremium eine erhebliche Machtfülle erhalten. Das passte dem Ministerium und auch den Fraktionen von Union und FDP nicht. Der G-BA sei nicht demokratisch legitimiert, lautete die Argumentation, trotzdem müsse die Politik für seine Entscheidungen regelmäßig den Kopf hinhalten. Zudem beanspruche der Ausschuss größere Kompetenzen, als ihm gesetzlich zustünden. So habe sich der G-BA mehrmals geweigert, Entscheidungen des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) anzuerkennen, obwohl es dazu verpflichtet ist.
Die schwarz-gelbe Koalition ist zudem einer langjährigen Forderung der Pharmaindustrie nachgekommen und will die Kriterien für die künftige Nutzenbewertung eines Medikaments im Rahmen einer Rechtsverordnung selbst ausarbeiten. Ursprünglich sollte dies Aufgabe des G-BA sein. Die Koalitionäre wollten aber eine schnelle Regelung und verweisen auf die oftmals sehr langen Entscheidungsprozesse im Ausschuss. Die Kritiker hingegen fürchten, die Industrie könne so ihre Interessen leichter durchsetzen. Durch die neuen Auflagen für den G-BA würden die Patienten zum Spielball der Konzerne.
Angesichts der Kritik sind die Koalitionäre inzwischen zu Zugeständnissen bereit. So soll die Industrie verpflichtet werden, ihre Studien zu veröffentlichen, und der G-BA erhält das Recht, eigene Studien in Auftrag zu geben.
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(SZ vom 23.10.2010/aum)
Christopher Lee zum 90.
Weiter nichts. Außer einem Lächeln und Spesen, nichts gewesen! Vielleicht war auch die Impfung (Schweinegrippe) nicht gerade hilfreich für ihn. Dieses Gehalt für einen Minister steht in keinem Verhältnis zu den bisherigen Ergebnissen. Das was von ihm bisher kam, kann auch jede Angestellte einer Krankenkasse, nur dass es dann preiswerter wäre.
was will man denn von Rösler erwarten. Haben alle vergessen, dass der in der FDP ist und ist die nicht die größte LObbyisten-Partei für alle Banken, Großunternehmen und Pharmakonzerne. Was interessieren die denn den Bürger, der zahlt und zahlt und zahlt und immer weniger Leistung bekommt. Das funktioniert perfekt, denn der Wähler ist zu blöde und wählt diese Partei immer wieder....
Wenn die Industrie gezwungen werden soll, ihre Studien zu veröffentlichen, ist das mehr als scheinheilig. Das hat sie bisher auch - nach eigenem Gutdünken getan! In Zukunft wird sie auch nur das veröffentlichen, was ihr zum Nutzen und oft genug zum Schaden der Patienten führt. Auch die Verpflichtung durch Rösler, grundsätzlich mit allem Nachdruck das Kartellrecht in der Gesundheitsindustrie durchzusetzen dürfte sehr im Sinne der Pharmaindustrie sein. Es könnte dann nämlich verhindert werden, dass bei Rabattvereinbarungen mehrere AOK z.B. zusammen arbeiten und gemeinsam einen Rabatt aushandeln. In Zukunft müsste jede Einzelne Verhandlungen führen. Damit käme man auf geringere Stückzahlen und damit Rabatte. Dazu gab es unlängst einen interessanten Artikel im Spiegel, der selbst hart gesottenen Verhandlern die Sprache verschlagen hat. Möglicherweise bereitet Rösler schon mal seinen nächsten Job bei der Pharmaindustrie vor!
und vielleicht wie bei den Hoteliers die Spenden waren stärker.
War das dann eher ein Meineid, den Rösler geleistet hat, "das Wohl des deutschen Volkes zu mehren und Schaden vom ihm abzuwenden"? Oder meinte er nur das Wohl der zu teuren Pharmaindustrie, der teilweise schon zu viel verdienenden Fachärzte zu mehren und nur dem Schaden den Versicherten zuzubilligen? Man könnte auf den Gedanken kommen, wenn man bedenkt, wie einstellig die Herstellungskosten für viele Medikamente sind und wie exorbitant die Margen sind, welche die Pharmaindustrie, deren Vorstände, Vertreter und Aktionäre einstreichen. Von Forschung hört man da nichts, lediglich Scheininnovationen werden auf den Markt geworfen. In ein paar Jahren ist das eh vorbei, weil ja kaum noch etwas auf den Markt kommt, das die hohen Preis gerechtfertigt. In ein paar Jahren gibt es eh nur noch Generika, den Rest wird sich diese Gesellschaft nicht mehr leisten können. Selbst jetzt wäre es sinnvoll, aber da belastet man lieber die Beitragszahler, denn die wehren sich nicht, anstelle die vielen wirtschaftlichen Reserven zu heben, wie die Überbezahlung der Fachärzte und die Minderversorgung von ländlichen Räumen und sozial schwachen Gebieten. Was hat man von so einem blaßen Lobbyistenarzt erwartet, dagegen war Ulla Schmidt heilsam für die Gesundheit und für das Porte-monnaie vieler Beitragszahler.
Vielleicht sollte man das Wort "versprechen" anders interpretieren, er versprach sich, etwas zu machen.
ein biederer Mediziner der zufallsweise in die Politik gerutscht ist, das konnte nicht gutgehen......
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