Gericht sieht Steuerpflicht für Spieler Pokerspiel gewonnen, Steuern verloren

Poker ist nur ein Glücksspiel, sagt der bekannte Spieler Eddy Scharf. Es kommt auch auf Können an, entgegnet das Finanzamt - und will Steuern von ihm kassieren. Ein Gericht gibt dem Fiskus nun recht.

Prozess um Einkommenssteuer von Pokerspielern: Eddy Scharf vor dem Finanzgericht in Köln.

(Foto: dapd)

Hat Erfolg beim Pokern etwas mit Glück zu tun? Nein, sagt das Finanzgericht Köln. Deshalb müsse der Pokerspieler Eddy Scharf seine Gewinne versteuern. Die Gelder seien als gewerbliche Einkünfte zu betrachten, entschieden die Richter. "Wie heißt es so schön: Das Glück ist mit den Tüchtigen", sagte die Vorsitzende Richterin Maria-Elisabeth Wetzels-Böhm.

Scharf hatte gegen Einkommenssteuerforderungen des Finanzamts geklagt. Er argumentierte, dass Poker ein Glücksspiel sei. Gewinne aus Glücksspielen wie Lotterien oder Rennwettensind in Deutschland steuerfrei. Nach der Entscheidung sagte Scharf, er stehe nun vor dem Ruin. Er habe beim Spielen mehr verloren als gewonnen.

Nach Darstellung des Gerichts hat Scharf dagegen Preisgelder im sechsstelligen Bereich eingestrichen. Scharf ist hauptberuflich Flugkapitän und betreibt das Pokerspiel nach eigenen Worten nur als eines von mehreren Hobbys. Er sei darin nicht besonders erfolgreich - mal verliere er, mal gewinne er.

Schließlich könne er nicht beeinflussen, welche Karten er bekomme. Internationale Turniere würden immer wieder von Spielern gewonnen, die bis dahin völlig unbekannt gewesen seien.

Das Finanzamt Köln-Mitte verwies dagegen darauf, dass es beim Poker auch auf Geschick ankomme, nämlich auf analytische und psychologische Fähigkeiten. Man müsse seine Gegner einschätzen können.

Allein im Jahr 2008 hatte Scharf den Angaben nach 81 Mal Casinos besucht. Zwischen 2003 und 2007 war er bei 19 internationalen Pokerturnieren dabei. Sein Erfolg brachte ihm auch ein Kommentatorenjob und Werbeverträge ein. Das Finanzamt hält ihn für einen "Star der Szene". Darüber könne er nur lachen, sagte Scharf.

Schon seit Mitte des 19. Jahrhunderts sei der Typ des berufsmäßigen Pokerspielers bekannt, so die Richter. Darauf entgegnete Scharfs Anwalt Robert Kazemi: "Mag sein, nur waren das dann aller Wahrscheinlichkeit nach professionelle Falschspieler." Das Gericht bestritt in seiner Entscheidung nicht, dass Pokergewinne auch auf Zufallsergebnissen beruhen.

Darauf komme es aber nicht an, wenn der Spieler wie in diesem Fall über einen längeren Zeitraum hinweg an namhaften Turnieren teilnehme. "Ihre Bescheidenheit ehrt Sie", sagte Richterin Wetzels-Böhm zu Scharf. Allein die Tatsache, dass es beim Poker Turniere gebe und einzelne Spieler in der Szene sehr bekannt seien, deute aber schon darauf, dass es bei dem Spiel auch auf Können ankomme.