Georg Schramm "Ich werde Klepper-Faltboote-Aktien kaufen"

SZ: Haben Sie einen Anlageberater?

Schramm: Ich habe drei Kinder, ein Kind großziehen kostet sechsstellig, da braucht man keinen Anlageberater.

SZ: Die Finanzkrise hat Ihr Geld also in Ruhe gelassen.

Schramm: Ja. Ich habe für meine Kinder Bauminvestitionen in Costa Rica gemacht. Das werde ich gar nicht mehr erleben, wenn die abgeholzt werden. Demnächst werde ich Klepper-Faltboote-Aktien kaufen.

SZ: Faltboote?

Schramm: Vorige Woche hatte ich ein Angebot von Klepper Faltboote im Briefkasten. Ob ich nicht Aktien kaufen wolle, Stück 1,95 Euro. Ich will mir seit Jahren ein Faltboot kaufen. Nun werde ich vielleicht Klepper fördern und mir dazu noch ein Boot kaufen.

SZ: Sie paddeln aus dem Strudel. Was ärgert Sie denn an der Finanzkrise am meisten?

Schramm: Wenn man sieht, mit welch scheinwissenschaftlicher Akribie falsch prognostiziert wurde vor dieser Krise, da fragt man sich. Und dann heißt es, das konnte man nicht voraussehen. Man muss kein Verschwörungstheoretiker sein, um das Gefühl zu haben, dass wir systematisch hinters Licht geführt worden sind.

SZ: Warum das?

Schramm: Eine Menge Leute hat ja bis zum letzten Moment irrsinnig daran verdient.

SZ: In Ihrem Programm setzen Sie sich viel mit Geld und Wirtschaft auseinander. Wie kam das?

Schramm: Ich hab den Wirtschaftsteil früher immer auf die Seite gelegt. Nach dem Motto: Versteh' ich eh nicht, geht mich nichts an. Dann habe ich gemerkt, man kann mir alles erzählen, und ich kann es nicht beurteilen. Und dass Wirtschaft einen größeren Einfluss auf unseren Alltag hat, als das, was ich immer gelesen habe.

SZ: Wann kam diese Einsicht?

Schramm: Beim Platzen der New-Economy-Blase.

SZ: Haben Sie damals Geld verloren?

Schramm: Nein, keinen Cent. Und heute hilft mir meine Frau, auf dem Teppich zu bleiben und nicht zu sehr dem Spieltrieb zu folgen. Ich habe im Moment 40 BP-Aktien mit einem Gesamtwert von 1300 Euro. Ansonsten habe ich Aktien einer Wasserkraftfirma in Freiburg, die weltweit Anlagen baut. Da interessiert mich der alternative Energiegedanke.

SZ: Und warum BP?

Schramm: Die haben damit geworben, dass sie in den regenerativen Markt eingestiegen sind. Ich habe dann aber gemerkt, das war nur ein Reklametrick.

SZ: Kann man überhaupt ethisch korrekt Geld anlegen?

Schramm: Andere werfen ihr Geld in den Klingelbeutel und beruhigen sich. Mein Gewissen beruhigt sich nicht übermäßig, aber man kann Geld auch schlechter anlegen. Ich habe noch etwas in Mikrokrediten angelegt. Für kleine Leute, die von keiner Bank was kriegen oder zu Wucherzinsen. Da entstehen Jobs.

SZ: Diesen Sommer ziehen Sie sich zurück und arbeiten an einem neuen Programm. Welche Rolle wird die Finanzkrise spielen?

Schramm: Ich würde gerne wissen, ob es Alternativen zum Zins und Zinseszins gibt. Versuche wie Regionalgeld, um von diesem ruinösen Zinssystem wegzukommen, werden einfließen. Aber auch, wie wir mit den Alten umgehen. Zum Beispiel die Zwangsernährung über eine Magensonde, um Personal zu sparen - bei Leuten, die noch selber essen könnten. Dahinter steckt auch ein irrwitziges Geschäft für die Pharmaindustrie.

SZ: Wie viel Zeit nehmen Sie sich fürs Schreiben?

Schramm: Ich kann es mir finanziell leisten, mich ein Jahr lang auf das neue Programm vorzubereiten. Das ist ein wunderschöner Luxus.