Warum die Zinsen hierzulande später sinken als in Amerika: Zum Beispiel wird in Europa mehr auf die Inflation geschaut als in Übersee.
Panisch hat die amerikanische Notenbank Fed die Zinsen gesenkt. Per Doppelschlag kappte sie den Zinssatz, zu dem sich die Banken bei ihr kurzfristig Geld leihen können, von 4,25 Prozent auf 3,0 Prozent. Wird die Europäische Zentralbank (EZB) dem Beispiel am Donnerstag folgen? Die meisten Volkswirte glauben: nein. Die EZB werde bei ihrem Zinssatz von 4,0 Prozent bleiben, vermutlich noch einige Monate lang. Die Gründe dafür:
US-Notenbankchef Ben Bernanke (rechts) weist den Weg - doch EZB-Präsident Jean-Claude Trichet wird nicht umgehend folgen. (© Foto: dpa)
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Inflation und Wachstum. Die EZB schaut vor allem auf die Inflation. Die Kosten der Lebenshaltung im Euroraum sollen nicht schneller als zwei Prozent im Jahr steigen. Die US-Notenbank hat dagegen einen doppelten Auftrag. Sie soll die Preise stabil und die Wirtschaft in Schwung halten. Fed-Präsident Ben Bernanke begründete seine drastischen Zinsschritte mit einem bevorstehenden Abschwung. Vermutlich hat ihn auch der Einbruch der Aktienkurse beeindruckt.
Furcht vor Inflation. Deutsche Verbraucher gelten als sehr empfindlich, wenn es um Preise geht. Die Inflationsrate kletterte Ende vergangenen Jahres über drei Prozent - wegen des teuren Öls, Preiserhöhungen bei Lebensmitteln und gestiegener Steuern. EZB-Präsident Jean-Claude Trichet ist daher in Erklärungsnot. Eigentlich müsste er mit steigenden Zinsen den Verteuerungen entgegenwirken. Noch höhere Zinsen aber würden den Aufschwung abwürgen.
Unterschiedliches Wachstum. Trotz der Finanzkrise in den USA ist der Aufschwung in Europa noch intakt. Das betonen zumindest die EZB, viele Politiker und Ökonomen. Allerdings wurden die Wachstumserwartungen für 2008 bereits gesenkt. Fallen nämlich die USA als Abnehmer an den Weltmärkten aus, weil sich dort die Konjunktur abkühlt, verringert sich die Nachfrage nach Waren und Dienstleistungen aus Europa.
Lohn-Preis-Spirale. Um die Preissteigerungen im Zaum zu halten, fordert Trichet die Gewerkschaften zur Mäßigung auf. Er fürchtet, die Aufschläge bei Waren und Löhnen könnten sonst eine Spirale bilden, die sehr schwer zu stoppen sein könnte. Ökonomen sehen das gelassener, denn Wunsch und Wirklichkeit klaffen bei Lohnforderungen oft auseinander. Trichets Drohung, bei zu stark steigenden Löhnen die Zinsen zu erhöhen, wird als verbale Kraftmeierei gesehen.
Starker Euro. Weil die Zinsen in Europa recht hoch sind, inzwischen einen ganzen Prozentpunkt höher als in den USA, legen Investoren ihr Geld in Euro an. Das treibt den Wechselkurs des Euro im Verhältnis zum Dollar in die Höhe. Ein starker Euro mindert die Verkaufschancen europäischer Firmen. Dies muss auch die EZB berücksichtigen.
Abkoppeln. Hoffnungen, die relativ junge Währungsunion in Europa könne sich von den Vorgaben des dominierenden Dollar-Raums abkoppeln, haben sich bisher nicht erfüllt. Die Euro-Länder sind keine so starke und dynamische Gemeinschaft, die unabhängig von Konjunktur und Zinspolitik in den Vereinigten Staaten tun und lassen kann, was sie will. Die Nachfrage der amerikanischen Konsumenten ist wichtig für europäische Firmen. Das Zinsdiktat der US-Notenbank Fed zwingt die EZB, mit zeitlicher Verzögerung zu folgen. Zu Hilfe kommen könnten den Euro-Ländern einige aufstrebende Volkswirtschaften wie China, Indien, Brasilien oder die Ölländer, wenn sie als Nachfrager auftreten und anstelle der Amerikaner Waren und Dienstleistungen kaufen.
Ankoppeln. Die Volkswirte der Deutschen Bank schreiben, die EZB hätte nach dem Platzen der Internet-Blase 2001 vier Monate gebraucht, um auf den Kurs der US-Notenbank einzuschwenken. Dieses Mal, so ihre These, könnte das Ankoppeln mit acht Monaten Verzögerung sogar doppelt so lange dauern. Begründet wird die längere Anpassungsphase mit dem unterschiedlichen Charakter der beiden Krisen. Damals ging es um Aktienkurse, und der Aktienmarkt ist global. Heute geht es um US-Immobilien, das Problem ist also zunächst ein lokales. Allerdings haben die Banken die Hypothekenrisiken in noch unbekanntem Ausmaß weitergereicht. Und heute wie damals kennt Kapital keine Grenzen. Schon aus diesem Grund lassen sich keine Krisen, schon gar nicht jene, die von den USA ausgehen, ohne Auswirkungen auf andere Regionen bewältigen - seien sie auch so stark wie die europäische.
(SZ vom 05.02.2008/pak)
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"Um die Preissteigerungen im Zaum zu halten, fordert Trichet die Gewerkschaften zur Mäßigung auf. "
Die EZB fördert doch erst die Preissteigerungen, indem sie Geld zu günstigen Zinsen druckt, und dann abschlißend sollen es die Bürger doppelt ausbaden, einmal Preisstaigerungen in kauf nehmen und dann am besten auch noch keine Lohnsteigerungen.
Am meisten leiden daruter die Rentner, die nun gar keine Rentenerhöhungen in Aussicht gestellt bekommen, und durch die Inflation jedes Jahr mehr verarmen.
Für mich hat das ganze den Charakter eines Schneeballsystems, sobald es der Wirtschaft schlechter geht wieder mehr Geld reinpumpen, was dann umgehend verzockt werden kann... aber irgendwann platzt dann doch jede Blase