Geldanlage Warum Gold-Fans sich nicht entmutigen lassen

Gold gilt bei vielen als gute Anlage-Option.

Der Goldpreis hat seit seinem Rekordhoch 2011 fast ein Drittel an Wert verloren. Aber eingefleischten Gold-Jüngern ist das egal. Sie setzen unbeirrt auf das gelbe Edelmetall und sehen langfristig die guten Argumente auf ihrer Seite.

Von Lindsay Gellman und Ralf Zerback, Wall Street Journal Deutschland

Gold hat eine harte Zeit hinter sich. Seit dem Rekordhoch im Sommer 2011 ging es um 32 Prozent nach unten. Und am Freitag fiel der Preis sogar wieder unter die 1.300-Dollar-Marke, am Montag steht er nur noch bei 1.283 Dollar je Feinunze. Das gibt den Skeptikern Munition, die schon lange die Meinung vertreten, das Edelmetall sei zu riskant, der Preis zu launisch und zu wenig absehbar.

Doch die Gold-Fans ficht das nicht an. Gold, so betonen sie, sei eine gute Absicherung gegen Inflation und könne das Auf und Ab in einem breit gestreuten Portfolio abmildern - auch wenn es selbst sehr wechselhaft notiert. Und manche sehen auch Gründe für einen deutlichen Preisanstieg in den kommenden Jahren.

Entscheidend, so betonen diese Gold-Anhänger, sei ein langfristiges Denken. Denn über mehrere Jahre gerechnet würden die Vorzüge von Gold die vorübergehenden Schwankungen ausgleichen. So sagt etwa Chris Hyzy, Managing Director und Chief Investment Officer von U.S. Trust: "Man muss eben einen sehr langen Atem haben, um heutzutage in Gold zu gehen."

Eine große Zahl von Finanzberatern empfiehlt indes, von Gold-Investments abzusehen. Das Edelmetall habe keinen fundamentalen eigenen Wert und werfe zudem keine Rendite ab, sagt Joe Heider, Managing Principal bei Rehmann Financial. Der Goldpreis sei im Wesentlichen ein Spiegel von Nachfrage und Markstimmung und könne nicht prognostiziert werden. Einige Analysten verweisen auch auf andere, tauglichere Absicherungen gegen die Teuerung: etwa inflationsgebundene Anleihen. Wieder andere heben hervor, dass Aktien über einen längeren Zeitraum eine bessere Rendite abwerfen.

Gold bleibt gutes Absicherungsinstrument

Was also hat es mit dem Gold auf sich? Wie gesagt, viele Anhänger empfehlen es als Sicherheit gegen Inflation. Der Goldpreis tendiert zur Stärke, wenn die Teuerung sich beschleunigt. Außerdem war Gold oftmals eine gute Absicherung gegen einen Fall des US-Dollar. Überdies betonen Gold-Fans, dass das Metall einen gewissen Schutz vor wirtschaftlichen und finanziellen Turbulenzen bietet.

"Historisch zeigt der Goldpreis kaum eine Korrelation mit den Preisen für andere Anlagen", sagt etwa Jeffrey Nichols, Managing Director von American Precious Metals Advisors, ein Unternehmen, das den Markt für Edelmetalle analysiert. "Daher liefert Gold eine Absicherung gegen systemische und andere Risiken, die das Gros der Investments und Ersparnisse bedrohen könnten."

Diese Tendenz, sich unabhängig von anderen Anlageklassen zu entwickeln, kann demzufolge die Volatilität eines Portfolios mildern - Aktien und Anleihen gehen in die eine Richtung, Gold in die andere. Somit werden die Ausschläge in einem Portfolio abgedämpft.

Mehr noch. Einige Analysten prognostizieren eine steigende Nachfrage für Gold in den nächsten fünf Jahren, besonders in China und Indien. Denn mit dem Wachsen der Mittelklassen in diesen Ländern dürfte Goldschmuck beliebter werden. Und Nichols vermutet, dass im selben Zeitraum das Angebot von Gold stagnieren und sogar zurückgehen wird und damit die Preise anziehen dürften.

Der Goldpreis wird neue Rekordhöhen erklimmen

"In den nächsten drei bis fünf Jahren wird Gold deutlich über den bisherigen Hochs notieren", sagt Nichols, der das Wachstum in China und Indien als Haupttreiber anführt. Auch auf der Edelmetallmesse am vergangenen Wochenende in München propagierten einige Häuser erneut ihre 5.000er Goldpreis-Ziele sowie den Zusammenbruch des Staatswesens, wie Robert Rethfeld von Wellenreiter-Invest berichtet. Er weist darauf hin, dass es im aktuellen Umfeld angesichts steigender Realzinsen sogar erstaunlich sei, dass sich der Goldpreis so gut hält.

Gold-Freunde empfehlen, rund 5 bis 10 Prozent eines Depots in das Metall zu investieren. Die Gold-ETFs haben als eine Möglichkeit für ein solches Vorgehen an Beliebtheit gewonnen, da sich Gold über sie leicht kaufen und verkaufen lässt, wie Greg McBride sagt, Analyst bei Bankrate.com, einem Anbieter von Finanzinformationen und -analysen.

Eine andere Möglichkeit sei, direkt in Gold-Münzen oder -barren zu investieren, oder Gold-ETFs mit physischem Gold zu kombinieren, so Frank Holmes, Chief Executive des Investment-Unternehmens U.S. Global Investors. Dagegen meinen Experten, dass Anlagen in Goldminen-Unternehmen nicht als direktes Investment in das Metall gesehen werden sollten, da zahlreiche andere Faktoren jenseits des Goldpreises die Kurse dieser Aktien beeinflussen.

Holmes rät den Gold-Freunden, sie sollten nicht vergessen, regelmäßig das Depot anzupassen. Man müsse die "Disziplin" haben, Gewinne mitzunehmen, wenn der Gold-Preis steige, sagt er. Gold sollte einen nicht zu großen Anteil der Anlagen ausmachen. Sollte der Gold-Anteil andererseits auf unter 5 Prozent des Portfolios fallen, könne man nicht mehr von einer wirklichen Absicherung gegen Unbill sprechen, betont hingegen Hyzy.

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