Geldanlage So wirft das Ersparte mehr ab

  • Tagesgeldkonten bringen inzwischen im Schnitt nicht einmal mehr ein halbes Prozent Zinsen, oft sogar noch weniger.
  • Sparer können aber auch bessere Angebote finden und ihre Rendite zudem steigern, wenn sie zumindest einen Teil ihres Geldes auch längerfristig anlegen.
Von Harald Freiberger

Aus Ihrer Frage spricht Ungeduld und möglicherweise auch Frustration. Vermutlich liegt der relativ hohe Betrag - Sie sprechen von 75 000 Euro - schon längere Zeit auf dem Tagesgeld-Konto, und zum Jahresende haben Sie nun festgestellt, dass er kaum Rendite abwirft. Ganze 187,50 Euro Zinsen waren es für 2015. Nun wollen Sie zumindest zwei Drittel, also 50 000 Euro, gewinnbringender investieren.

Die Frage

"Ich habe Tagesgeld zu 0,25 Prozent angelegt. Wie kann ich es gewinnbringender investieren?", fragt Edeltraud B., Rentnerin aus Stuttgart.

Billiges Geld für die Konjunktur - zum Leidwesen der Sparer

Mit Ihrem Problem sind Sie nicht allein. So wie Ihnen geht es vielen, die ihr Geld sicher anlegen wollen. Die Zinsen in Europa befinden sich seit Jahren nahe der Null-Linie. Die Europäische Zentralbank versucht mit ihrer Politik des billigen Geldes die Folgen der Finanz- und Schuldenkrise zu bekämpfen und die schwache Wirtschaft wieder ins Laufen zu bringen. Für Sparer ist das bitter, zumal nicht absehbar ist, dass die Zinsen bald wieder steigen. Inzwischen gehen die Experten davon aus, dass dies nicht vor 2017 der Fall sein wird, und auch dann dürfte es nicht schnell gehen. Viele meinen, dass die Zeiten von drei, vier oder gar fünf Prozent Zinsen für lange Zeit vorbei sein werden.

Die 0,25 Prozent, die Sie für Ihr Tagesgeld bekommen, liegen etwas unter dem Durchschnitt, den Banken in Deutschland derzeit zahlen. Dieser liegt im Januar bei 0,39 Prozent, ermittelte das Finanzportal Tagesgeldvergleich.net. Ein Jahr zuvor waren es noch 0,52 Prozent. Immerhin erhalten Sie bei Ihrer Bank überhaupt noch einen Zins. Viele Volks- und Raiffeisenbanken oder Sparkassen sind dazu übergegangen, auf Erspartes gar nichts mehr zu zahlen oder gerade 0,05 Prozent.

Top-Zinsen meist nur für Neukunden und befristet

Wenn Sie Ihr Geld weiterhin als Tagesgeld anlegen wollen, gibt es durchaus auch bessere Angebote. Einige Institute zahlen Zinsen von einem Prozent und mehr. Allerdings sind diese Konditionen an Bedingungen geknüpft. So müssen Sie den Anlagebetrag auf einem Online-Konto verwalten lassen. Außerdem gibt es die Top-Zinsen meist nur für Neukunden und befristet. Danach sinkt der Zinssatz in der Regel.

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Spitzenreiter ist derzeit laut dem Internet-Finanzportal biallo.de die Audi-Bank, die 1,25 Prozent für vier Monate garantiert. Bei der Renault-Bank sind es 1,1 Prozent für drei Monate. Gut ist auch das Angebot der Consors-Bank von 1,0 Prozent wegen der relativ langen Garantiezeit von zwölf Monaten; allerdings gilt dies nur für einen Anlagebetrag bis 25 000 Euro, darüber wird der Zins schrittweise niedriger. Bei allen drei Instituten sind mindestens 100 000 über die nationale Einlagensicherung abgesichert. Ein Konto können Sie relativ einfach über das Identifizierungs-Verfahren bei einer Postfiliale eröffnen.

Der Zins ist niedrig - die Inflation aber auch

Es empfiehlt sich allerdings, nicht den gesamten Betrag als Tagesgeld anzulegen, falls Sie nicht jederzeit an das Geld herankommen müssen. Für Festgeld mit einem Jahr Laufzeit bietet die tschechische J&T Banka derzeit zum Beispiel 1,6 Prozent Zinsen, die Austrian Anadi Bank 1,51 Prozent. Bei zwei Jahren Laufzeit ist ebenfalls die J&T Banka Spitzenreiter mit 1,7 Prozent, es folgt die französische Crédit Agricole mit 1,50 Prozent. Eine sinnvolle Aufteilung in Ihrem Fall wären je 25 000 Euro in Tagesgeld, in einjährigem sowie zweijährigem Festgeld.

Zum Schluss noch ein Argument gegen den Frust: Der Zins ist derzeit zwar niedrig, aber auch die Inflation. Die Preise stiegen 2015 durchschnittlich nur um 0,25 Prozent, so dass Sie nach Abzug der Preiserhöhung wenigstens kein Geld verloren haben. Früher, als die Banken noch mehr Zinsen zahlten, war auch die Inflation höher, deshalb blieb Sparern unterm Strich kaum mehr als heute. Das belegen Statistiken der Bundesbank. Es fühlte sich nur anders an.