Geldanlage So erkennen Sie nachhaltige Fonds

Als besonders nachhaltig gelten fossile Energieträger wie Öl nicht. Dennoch sind die Produzenten Teil entsprechender Fonds.

(Foto: dpa)
  • Viele Menschen wollen ihr Geld nicht mehr in fossile Energieträger oder Waffenhersteller anlegen. Darum sind nachhaltige Fonds gefragt.
  • Tatsächlich können die Anbieter solcher Produkte ethisch fragwürdige Investitionen kaum umgehen.
  • So erkennen Anleger, wie Fonds tatsächlich aufgebaut sind.
Von Norbert Hofmann

Der Amoklauf eines Ex-Schülers an der Douglas High School mit 17 Toten hat die amerikanische Öffentlichkeit tief geschockt. Nach dem Entsetzen aber folgten hitzige Debatten um die amerikanischen Waffengesetze. Beim "March for our lives" im März gingen Hunderttausende gemeinsam mit Prominenten auf die Straße. Unter ihnen Ex-Beatle Paul McCartney, der im New Yorker Central Park daran erinnerte, dass mit John Lennon einer seiner besten Freunde durch Waffengewalt getötet wurde. Jetzt hat die Entrüstung auch die Finanzwelt erreicht. Immer häufiger fragen Anleger die Anbieter von Investmentfonds, ob in ihren Portfolios auch die Aktien von Schusswaffenherstellern enthalten sind. Gleichzeitig melden börsennotierte Indexfonds (ETF) mit einer auf Nachhaltigkeit ausgerichteten Investmentstrategie steigendes Interesse.

"Die Wertpapiere von Waffenproduzenten gelten für Manager konsequenter Nachhaltigkeitsfonds als Sündenaktien", erläutert Henry Schäfer, Professor für Finanzwirtschaft an der Universität Stuttgart. Diese Fonds fühlen sich den Themen Umweltschutz, soziale Verantwortung und einer nachhaltigen Unternehmensführung verpflichtet. Das englische Kürzel ESG (Ecological, Social, Governance) dient dafür als Oberbegriff. ESG-ETF orientieren sich an Nachhaltigkeitsindizes, anstatt das Portfolio aktiv zu steuern. Sie heißen deshalb auch passive Fonds. Das Waffenthema behandeln sie je nach zugrundeliegendem Index unterschiedlich. Einige von ihnen schließen konsequent nur die Hersteller unkonventioneller Waffen wie etwa Landminen oder Chemie- und Biowaffen aus. Andere verbannen Rüstungsunternehmen, während sie Hersteller und Händler ziviler Waffen innerhalb bestimmter Grenzen zulassen.

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Für die ETF-Anbieter ist es gar nicht so einfach, sich als wirklich "gun-free" zu profilieren. Denn nur wenige sind es hundertprozentig. Infolge des Amoklaufs an der Douglas High School hat deshalb etwa der zum Vermögensverwalter Blackrock gehörende ETF-Anbieter iShares ein neues Produktangekündigt, das Anlagen in Geschäft mit zivilen Handfeuerwaffen ganz ausschließt. "Grundsätzlich sollten sich Anleger passiv gemanagter Fonds im Klaren darüber sein, wie eine Indexnachbildung funktioniert und auf welche Indizes sie sich einlassen", sagt Schäfer.

Hochsensibilisiert sind immer mehr Anleger nicht nur, wenn es um Waffen geht. Viele Menschen wollen ihr Geld auch nicht mehr in fossile Energieträger wie Kohle, Öl und Naturgas investieren. In den USA nutzen deshalb viele ETF den Slogan "Fossil fuel free" als Marketinginstrument. Tatsächlich aber enthalten viele derart etikettierte ETF Anteile von fünf bis 25 Prozent des Portfolios an Firmen, die mit fossiler Energie zu tun haben. Auch in Deutschland müssen Anleger selbst beurteilen, welches der über 30 als ethisch sozial und ökologisch nachhaltig angepriesenen ETF zu ihren Vorstellungen passt. Zu den am häufig genutzten Indizes gehören der Dow Jones Sustainability Screened, der MSCI KLD 400 und der MSCI World SRI. Bei letzterem - das Kürzel SRI steht für Socially Responsible Investments - müssen die ausgewählten Firmen über ein hohes Rating in den ESG-Bereichen verfügen. "In einem zweiten Schritt suchen die MSCI-SRI-ETF nach einem Best-in-Class-Ansatz die 25 Prozent der Firmen jeder Branche mit der besten Nachhaltigkeitsperformance aus", sagt Carlo Funk, Nachhaltigkeitsexperte bei Blackrock. Ausgeschlossen sind dabei - entweder ganz oder bis zum Überschreiten klar definierter Umsatzschwellen - bestimmte Branchen wie Waffen, Glücksspiele, Alkohol, Pornografie und Gentechnik. "Waren Nachhaltigkeits-ETF früher - getrieben von Anlegern wie Stiftungen und kirchlichen Einrichtungen - zunächst nur von Ausschlusskriterien geprägt, so findet mittlerweile bei vielen ETF eine ESG-Integration durch die Rating-Selektion und den Best-in-Class-Ansatz statt", sagt Funk. Gleichzeitig sei eine Diversifikation nach Branchen sichergestellt.

Wer auf Nachhaltigkeit setzt, muss nicht zwangsläufig auf Rendite verzichten

ESG-ETF gibt es zudem auf globale und europäische Indizes ebenso wie speziell für die USA, Japan und die Schwellenländer. Sie alle bieten die grundsätzlichen Vorzüge von ETF. "Sie liegen in den klaren Regeln der Index-Zusammensetzung, den niedrigen Gebühren und der durch den Börsenhandel erzeugten Liquidität", sagt Claus Hecher, Leiter des ETF-Geschäfts von BNP Paribas Asset Management im deutschsprachigen Raum. Die Liquidität ermöglicht den börsentäglichen Kauf- und Verkauf der Fonds. Neutrale Marktbeobachter sind sich weitgehend einig darüber, dass Nachhaltigkeit zumindest keine schlechteren Renditen oder mitunter sogar bessere Ergebnisse zeitigt als klassische Herangehensweisen. Das lässt sich auch am Vergleich von Indizes wie Dow Jones und MSCI mit ihren nachhaltigen Varianten ablesen. "Die mitunter bessere Wertentwicklung der SRI-Indizes wird häufig damit begründet, dass die darin berücksichtigten Firmen Risiken wie die strafrechtliche Verfolgung wegen Umweltschäden oder Reputationsschäden durch fehlenden Arbeitsschutz vermeiden sowie durch eine langfristige Qualitätsstrategie der Produktionsprozesse wettbewerbsfähig bleiben", sagt Hecher.

Beim Wettbewerb um die Anlegergelder werden sich ETF weiterhin mit aktiv gemanagten Fonds messen. Die haben den Vorteil, dass sie bei Trends wie etwa der Gun-Free-Welle schneller auf den Druck der Öffentlichkeit reagieren und unabhängig von Indizes grenzwertige Positionen abstoßen können. Sie halten sich zudem zu Gute, dass sie zukunftsträchtiges Renditepotenzial heben können. "Wir entdecken abseits vom Index immer wieder viele junge Pionierunternehmen, gleichzeitig federn wir Risiken eines Marktrückschlags durch defensive Investments in den Gesundheitssektor und das Bildungswesen ab", sagt Alexander Funk, Senior Portfoliomanager und Mitgeschäftsführer der Fondsgesellschaft Ökoworld. Waffen sind bei deren Fonds ausgeschossen. Und beim Blick auf umweltfreundliche Aktien geht es längst nicht mehr nur um Solar- und Windkraftwerke. "Das Thema der erneuerbaren Energien steht heute lediglich für ein Zehntel unseres Portfolios", sagt Funk.

ETF vollziehen die Bewegungen von Indizes nahezu exakt nach. Das ist schön, wenn es nach oben geht. Anleger sind allerdings auch im Markt gefangen, wenn er nach unten dreht. Sie sollten zudem berücksichtigen, dass sich Indizes verändern können. "Etwa dann, wenn Facebook nach dem Datenskandal jetzt aus einem Nachhaltigkeitsbarometer herausgenommen würde", sagt Wissenschaftler Schäfer. Er beobachtet, dass das Interesse an nachhaltigen ETF zunimmt. Weltweit ist das in diesen Fonds angelegte Vermögen von 3,8 Milliarden US-Dollar Ende 2012 auf 19,4 Milliarden Ende März 2018 gestiegen. Das entspricht einer Wachstumsrate von rund 36 Prozent jährlich. Noch stärker nimmt das Interesse in Europa zu. Da ging es im gleichen Zeitraum bei einer jährlichen Wachstumsrate von 49 Prozent von 1,2 Milliarden auf rund zehn Milliarden Dollar nach oben.

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