Wegen der Subprime-Krise haben sich die Investoren von den Kreditmärkten verabschiedet. Doch wohin mit dem Geld? Eine Möglichkeit sind Katastrophenbonds.

Das sind Papiere, die gegen verheerende Naturkatastrophen wie Hurrikane, Erdbeben und Großbrände versichern. Das Emissionsvolumen der Papiere hat sich in den vergangenen drei Jahren auf mehr als 13 Milliarden Dollar (8,4 Milliarden Euro) verdreifacht. Und der Markt lechzt nach mehr - auch wenn am 1. Juni die neue Hurrikan-Saison begonnen hat.

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(© Foto: dpa)

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"Das Angebot kann mit der Nachfrage nicht mithalten", berichtet Judith Klugman, Managing Director bei Swiss Reinsurance, dem weltgrößten Emittenten von Katastrophenbonds. "Unser Markt blieb von der Kreditkrise unbehelligt." Denn während die Aktienmärkte unter den schlechten Nachrichten der Banken leiden, sind die Katastrophen-Bonds gegen Kreditausfälle immun. Das sieht auch Rob Bredahl so. Er leitet das Unternehmensfinanzierungs- und Beratungsgeschäft beim Rückversicherungsbroker Benfield Group Ltd. Es gebe schlicht keinen Zusammenhang zwischen der Finanzkrise und den "Cat-Bonds" genannten Papieren. Hätten die Anleger an den Finanzmärkten gegen Subprime-Kreditausfälle gewettet, so wetten sie jetzt gegen das Wetter. "Die Idee erscheint jetzt einfach plausibler", sagt Bredahl.

Totalausfall möglich

Versicherer wie Allstate Corp. und Travelers Cos. verkaufen Cat-Bonds zum eigenen Schutz als eine Art Rückversicherung. Mittlerweile entfallen auf Cat-Bonds laut Schätzungen etwa acht Prozent des 170 Milliarden Dollar schweren Markts für Versicherungsschutz, der von Versicherern gekauft wird. Ende 2005 lag der Anteil noch bei zwei Prozent. Der meiste Versicherungsschutz wird durch Rückversicherungsverträge mit Unternehmen wie Swiss Re, Münchener Rück und der Investmentgesellschaft Berkshire Hathaway Inc. von Warren Buffett abgedeckt.

Einen weiterer Grund für das Interesse an Katastrophenbonds sind die guten Renditeaussichten. Die Papiere können eine Rendite von mehr als 15 Prozent erzielen - sofern keine Katastrophe eintritt. Seit dem Marktstart im Jahr 2005 rentierten sie durchschnittlich mit elf Prozent, wie aus Daten von Swiss Re hervorgeht. Allerdings gab es seitdem auch weniger Wirbelstürme als vorausgesagt. Die größten Hurrikane im vergangenen Jahr trafen außerdem vor allem Nicaragua und Mexiko, wo der Wert des versicherten Immobilienbestands deutlich niedriger ist als in den USA.

Die große Nachfrage drückt inzwischen auf die Renditen. So zahlte der Emittent Chubb Corp. für einen Katastrophenbonds laut Goldman Sachs in diesem Jahr elf Prozent weniger als im Vorjahr, obwohl das Papier einen höheren Versicherungsschutz gegen Hurrikanes und Erdbeben aufweist. David Priebe, Chairman für weltweite Kundenentwicklung beim Rückversicherungsspezialisten Guy Carpenter, sieht die Preise für Cat-Bond aber weiterhin "auf einem sehr attraktiven Niveau".

Hauptsächlich investieren Pensions- und Hedge-Fonds in Cat-Bonds - und die verlangen hohe Renditen. Denn sie riskieren, ihr Anlagekapital zu verlieren, wenn eine Naturkatastrophe sehr großen Schaden anrichtet. Erstmals kam es 1985 zu einem Totalausfall: Damals hatte der Hurrikan Katrina die Golfküste verwüstet. Die Versicherungen - darunter auch Cat-Bonds - mussten Ansprüche von insgesamt 68,5 Milliarden Dollar begleichen.

Allein die Immobilien-Schäden überstiegen damals einen Grenzwert, den der Emittent Zurich Financial Services AG für seinen Kamp Re-Katastrophenbonds festgelegt hatte. Wenn dieser Grenzwert überschritten wird, so sahen es die Regeln vor, ist Zurich berechtigt, sämtliche Investorengelder einzubehalten. Das Witch-Creek-Feuer, das im vergangenen Jahr im südlichen Kalifornien wütete, hatte nicht nur die größte Evakuierung in der Geschichte des Bundesstaats zur Folge. Vielmehr kam es auch zu Versicherungsverlusten von 1,1 Milliarden Dollar. Ein Katastrophenbonds fiel aber nicht aus. Die Wetter- und Ozeanografiebehörde der USA geht davon aus, dass 2008 ein Jahr mit mehr Katastrophen als im Vorjahr sein wird. Bis zu neun Hurrikane sollen sich bis November über dem Atlantischen Ozean bilden.

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(SZ vom 05.06.2008/Bloomberg/mel)