Wer fürs Alter etwas zurücklegen will, braucht Disziplin und eine gute Strategie - dann hat man auch mehr für das Leben nach dem Job.
Klar, die Zahlen sind erschreckend: Sich bewusst zu machen, wie die Inflation an der gesetzlichen Rente und einer zusätzlichen privaten oder betrieblichen Altersvorsorge nagen kann, ist schon deprimierend. Deshalb das Sparen für den Ruhestand ganz aufzugeben, macht die Sache aber nicht besser. Was also tun? Finanzexperten raten, die Altersvorsorge strategisch zu planen, damit für ein gutes Rentnerleben mehr übrigbleibt - zehn Tipps, um mehr Geld im Ruhestand zu haben.
Bild vergrößern
Stütze im Alter: Wer frühzeitig und strategisch anlegt, kann seine Rente deutlich aufbessern. (© Foto: dpa)
Anzeige
1. Die eigenen Ansprüche ermitteln
Wer seine finanzielle Lage im Alter realistisch einschätzen will, muss zunächst ermitteln, wie hoch die gesetzliche Rente ausfallen könnte. Das steht in der jährlichen Renteninformation. Diese Daten liefern sicherlich nur eine ungefähre Vorstellung, was zu erwarten sein wird. Aber zumindest ist darin eingearbeitet, dass das Rentenniveau von heute 48 Prozent des Bruttoeinkommens weiter sinken wird, nach Angaben der Deutschen Rentenversicherung bis 2020 auf "nicht unter 46 und bis 2030 auf nicht unter 43 Prozent". Zu diesem Grundstock werden - falls vorhanden - die möglichen Leistungen aus zusätzlichen Vorsorgeverträgen (Betriebsrente, Riester-Rente, Lebensversicherung, Fondssparvertrag) hinzugezählt. So lässt sich das potentielle Einkommen als Rentner zumindest grob ermitteln.
2. Die mögliche Versorgungslücke errechnen
Im nächsten Schritt wird der Unterschied zwischen dem erwarteten Einkommen im Ruhestand und den erwarteten Ausgaben ermittelt. Ein Anhaltspunkt ist dafür das aktuelle monatliche Nettoeinkommen. "Dies ist aber nicht entscheidend", sagt Michael Huber, Niederlassungsleiter Frankfurt beim Vermögenszentrum München. Schließlich könnten die tatsächlichen Ausgaben ja niedriger sein als das Nettoeinkommen, weil zum Beispiel derzeit Geld in eine Immobilienfinanzierung fließt oder Sparpläne für die Kinder oder die eigene Altersvorsorge dann nicht mehr notwendig sind. Huber räumt ein, dass es sich bei der Differenz aus dieser Rechnung nur "um einen vagen Wert handelt, weil man ja nicht weiß, was in der Zukunft noch passiert". Aber nur so "bekommt man eine Gefühl dafür, wie groß die Lücke ist".
3. Einen Kassensturz machen
Ob sich die Versorgungslücke mit privaten Mitteln ganz oder teilweise schließen lässt, zeigt ein Kassensturz. Dabei werden Einnahmen und (auch die unregelmäßigen) Ausgaben gegenübergestellt. Dabei helfen kann das Führen eines Haushaltsbuches, zumindest für ein paar Monate oder noch besser ein Jahr. Der Haushaltsüberschuss ist der Topf, aus dem sich Geld für die Altersvorsorge herausholen lässt.
4. Den Start nicht herauszögern
Je früher Geld für den Ruhestand zurückgelegt wird, desto besser. Das liegt am häufig unterschätztem Zinseszinseffekt. Beispiel: Ein 40-Jähriger legt jeden Monat 200 Euro 25 Jahre lang in einen Aktienfonds an, der durchschnittlich pro Jahr um fünf Prozent an Wert gewinnt. Mit 65 Jahren kommt er so auf 11.7647 Euro, vor Abzug der Abgeltungsteuer und ohne Ausschüttungen des Fonds. Hätte er als 35-Jähriger angefangen zu sparen, kämen dagegen 163.772 Euro zusammen. Aber Vorsicht: Niels Nauhauser, Finanzexperte der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg, rät immer erst existentielle Risiken wie die Berufsunfähigkeit, selbst verursachte Schäden (Haftpflicht) oder den Wegfall des Haupternährers der Familie (Risikolebensversicherung) abzusichern. Erst dann komme eine zusätzliche Altersvorsorge in Frage. Notwendig sei außerdem eine Liquiditätsreserve von drei bis sechs Netto-Monatsgehältern, um teure Überziehungszinsen auf dem Girokonto zu vermeiden, die Kapitalerträge wieder auffressen. Das Abbezahlen von Schulden sollte immer Priorität vor dem Sparen haben. "Wenn ich einen Hypothekenzins von 4,5 Prozent bezahle und für das Ersparte 3,5 Prozent bekomme, habe ich einen Anlagezins von minus einem Prozent. Der Zinseszinseffekt ist dann negativ."
5. Mit Disziplin ans Werk gehen
Vermögensverwalter Huber empfiehlt, per Dauerauftrag Geld zurückzulegen - und das möglichst am Monatsanfang. "Dann tut das Sparen nicht so weh, weil man sich an das niedrigere verfügbare Einkommen gewöhnt." Außerdem sollte "das Ersparte heilig sein und nicht für ein Auto oder den nächsten Asien-Urlaub zweckentfremdet werden", sagt der Experte.
Sie sind jetzt auf Seite 1 von 2 nächste Seite
Eurovision Song Contest