Die alten Ägypter probierten es mit Gerste, in Tibet verwendete man Ziegel aus gepressten Teeblättern als Geld, und im Südpazifik bezahlten die Menschen einst mit Schalen von Riesenmuscheln. Auch Ziegen und Kamele mussten schon als Zahlungsmittel herhalten, bevor sich ab dem fünften Jahrhundert vor Christus Edelmetalle wie Gold und Silber als Währung etablierten.
Es war die Kombination aus Eigenschaften, die Silber und Gold als Geld qualifizierte: Die Metalle waren knapp, unverderblich und durch Einschmelzen fast beliebig teilbar - schließlich benötigte man auch Wechselgeld. Die ersten echten Goldmünzen ließ König Krösus etwa 600 vor Christus in Lydien auf dem Gebiet der heutigen Türkei prägen. Aber es waren erst die Statthalter in den aufsteigenden griechischen Handelsmetropolen, die im fünften Jahrhundert vor Christus ein erstes professionelles Geldsystem entwickelten. Es basierte auf Silbermünzen. Die Geldstücke hatten erstmals einen Nennwert, der über dem Materialwert lag. Verbunden mit der wirtschaftlichen Stärke vieler Stadtstaaten, wurden die griechischen Handelsmünzen bald im gesamten Mittelmeerraum akzeptiert. Alexander der Große adaptierte das griechische Münzwesen.
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Auch den Römern war das griechische Geldsystem Vorbild. Nach dem Sieg über den griechischen König Pyrrhus festigten sie ihre Vormachtstellung im Mittelmeerraum und legten 212 vor Christus ein einheitliches, auf festen Relationen beruhendes System von Silber- und Bronzemünzen fest. Gold kam hinzu, nachdem Julius Caesar auf seinen Eroberungszügen große Schätze erbeutet hatte und sich mit extra geprägten Goldmünzen bei seinen Soldaten bedankte. Caesars Nachfolger Augustus integrierte diese Münze mit dem Namen Aureus ins Geldsystem und machte sie zum dominierenden Barmittel im römischen Reich.
Doch die Verteidigung Roms und auch der Luxus im Innern des Reiches kostete Geld, viel Geld. Kaiser Nero (bis 68 nach Christus) war der Erste, der das bis dahin stabile römische Münzsystem aushöhlte, indem er den Goldgehalt der Aurei herabsetzte. Nachfolgende Herrscher setzten die Geldentwertung fort. Im Jahr 275 enthielten die silbernen römischen Denare nur noch zwei Prozent Silber. VerschiedeneVersuche einer Währungsreform scheiterten. In den Jahren vor dem Untergang des Weströmischen Reiches im Jahr 476 war die Bevölkerung in vielen Provinzen wieder zum Tauschhandel übergegangen.
Zu schwer, zu umständlich
Was blieb, war ein Konsens darüber, dass Edelmetalle sich als Standard grundsätzlich eigneten, verbunden allerdings mit einer oft blutigen Jagd nach den knappen Gold- und Silberschätzen der Welt. So zerstörten zum Beispiel die spanischen Eroberer des 16. Jahrhunderts auf der Suche nach den sagenhaften goldenen Städten die Hochkulturen Lateinamerikas.
Als die Menschen ihre Ritterrüstungen zu Beginn der Neuzeit zunehmend gegen feines Tuch tauschten, wurde ihnen das Münzgeld zu schwer und umständlich. Die Gründer der Bank of England kamen Ende des 17. Jahrhunderts auf die Idee, anstelle des Metalls Papiernoten auszugeben, die mit dem Versprechen verbunden waren, sie bei der Notenbank gegen Gold oder Silber eintauschen zu können. Das war der Durchbruch zum modernen Geldwesen. Die Funktionen von Geld (Wertaufbewahrung) und Währung (Tauschmittel) wurden erstmals getrennt. Das eine war ein greifbarer Vermögensgegenstand, das andere eine Schuldverschreibung, verantwortet durch den Staat, der die Druckrechte kontrollierte und so Missbrauch vorbeugen sollte.
Doch Letzteres klappte erst einmal nicht. Die Verantwortlichen ließen mehr Pfundnoten drucken, als sie an Edelmetall zur Verfügung hatten, auch weil der Staat neue Mittel gut gebrauchen konnte. Es kam zu Geldentwertung und den ersten Menschenschlangen an englischen Bankschaltern. Der verzweifelte englische König William III. klagte dem Physiker Sir Isaac Newton sein Leid und machte den genialen Denker zum Oberaufseher des Geldwesens. Newton definierte das Pfund als eine genau festgelegte Menge Gold und koppelte das Volumen umlaufender Banknoten an den Goldschatz der Bank of England. Silber verlor seine Geldfunktion.
Das Konzept Newtons ist heute noch als Goldstandard bekannt. Es funktionierte im britischen Empire zwei Jahrhunderte lang, wurde allerdings in Kriegszeiten manchmal außer Kraft gesetzt, weil der Staat dann für Rüstungsaufwendungen sein Budget meist über das goldgedeckte Maß hinaus erhöhte.
Exzessive Gelddruckerei
Das lief auch auf dem europäischen Festland nicht anders. Der dort bis zum Beginn des Ersten Weltkriegs gültige Goldstandard verlor im Zuge des Wettrüstens 1913/14 seine Gültigkeit. Auch die Ursache für die Hyperinflation in Deutschland 1923 liegt nach herrschender Meinung in der exzessiven Gelddruckerei und Schuldenaufnahme des Staates, erst zur Finanzierung des Krieges, später auch zur Deckung von Reparationsleistungen an die Sieger.
Den bislang letzten Versuch zur Bildung eines globalen goldgedeckten Währungssystems unternahmen 44 Staaten im Juli 1944 im amerikanischen Bretton Woods. Der Dollar als stärkste Devise wurde mit einer Einlöseverpflichtung in Gold versehen, alle anderen Mitglieder des Systems vereinbarten starre Wechselkurse zum Dollar. 1968 hoben die USA den Goldstandard auf, 1971 kündigte Präsident Richard Nixon die Einlöseverpflichtung. Die Schulden und damit die Dollar-Geldmenge war im Zuge des Vietnamkrieges viel stärker gestiegen als der Goldbestand der USA.
Seitdem beruht die Kaufkraft einer Währung auf dem Vertrauen und der Wirtschaftskraft eines Landes und auf der geldpolitischen Disziplin, der mit einer Währung beauftragten Notenbanken. Gold hat keine monetäre Funktion mehr. Wie groß die Zuversicht in die ökonomische Entwicklung der Welt ist, kann man jedoch weiter am Goldpreis ablesen. Ist das Vertrauen groß, sinkt die Notierung meist deutlich. Herrscht aber Angst wie derzeit wegen der Bankenkrise, zieht der Preis je Feinunze - das sind 31,1 Gramm - in der Regel an. Am Donnerstag kletterte der Goldpreis erstmals über 1000 Dollar, auch am Freitag lag er darüber. Vor einem Jahr, bevor die amerikanische Hypothekenblase platzte, hatt er 670 Dollar betragen.
(SZ vom 15./16.03.2008/mel)
Christopher Lee zum 90.