Licht und Schatten: Das Finanzministerium glaubt im Fall Commerzbank an eine schnelle Lösung im Streit mit der EU - und die Angst der Unternehmen vor der Börse ist groß.

Die Bundesregierung hält im Streit über staatliche Finanzspritzen für die Commerzbank eine Verständigung mit der EU-Kommission für möglich. Die Regierung sei sich einig, "dass wir ganz sicher mit der EU-Kommission so schnell wie möglich eine Lösung finden werden, die zugänglich und zuträglich für die Zukunft der Commerzbank ist", sagte ein Sprecher Bundesfinanzministeriums.

Commerzbank, AP

"Schnelle Lösung mit der EU-Kommission": Das Finanzministerium ist im Fall Commerzbank optimistisch. (© Foto: AP)

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Auch in Brüssel wurde Zuversicht verbreitet. Der Sprecher von EU-Wettbewerbskommissarin Neelie Kroes sagte, es gebe "sehr konstruktive Gespräche" mit der deutschen Seite. Wann diese beendet sein könnten, blieb offen. Bemerkungen von Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) vom Wochenende, wonach Brüssel sich bei der Prüfung von Bankenhilfen Zeit lasse, wurden jedoch mit Erstaunen aufgenommen. Der Ball liege im Fall Commerzbank derzeit im deutschen Feld, hieß es ergänzend aus Kommissionskreisen.

Der Bund half der Commerzbank Ende 2008 mit rund acht Milliarden Euro und im Januar mit zehn Milliarden Euro, um die Übernahme der Dresdner Bank sowie weitere Belastungen abzusichern. Im Gegenzug wurde eine Staatsbeteiligung von 25 Prozent plus eine Aktie vereinbart.

Die EU-Wettbewerbshüter prüfen die staatliche Hilfe, obwohl sie den deutschen Banken-Rettungsplan bereits billigten. Nach den europäischen Regeln können aber Hilfen zur Rettung eines Unternehmens nur einmal gewährt werden; danach muss ein Sanierungsplan zur Überprüfung in Brüssel vorgelegt werden. Steinbrück hatte die EU-Kommission dazu aufgefordert, die Hilfe zu unterstützen, damit keine Bank, die für das ganze System wichtig sei, insolvent werde.

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Angst vor der Börse

Unternehmen mit Börsenambitionen trauen sich angesichts der Wirtschaftskrise weiter nicht aus der Deckung. An den Aktienmärkten gab es weltweit im ersten Quartal 2009 nur 50 Neuzugänge an den Aktienmärkten - ein Jahr zuvor machten noch mehr als fünf mal so viele Unternehmen ein Initial Public Offering (IPO), wie aus einer Studie der Unternehmensberatung Ernst & Young hervorgeht. 34 der Börsengänge fanden in Schwellenländern statt. "Der IPO-Markt in den Industrieländern ist derzeit weitgehend tot", sagte Ernst & Young-Partner Heinrich Lind. "Nur sehr mutige Unternehmen wagen derzeit den Gang an die Börse - die meisten warten auf bessere Zeiten". Wann diese kommen, sei noch nicht abzusehen, so dass die Unternehmen viel Geduld mitbringen müssten.

Wenn überhaupt, finden zurzeit nur kleine Transaktionen statt. So sammelten die Börsenneulinge im ersten Quartal 2009 zusammen 1,4 Milliarden Dollar bei den Investoren ein - ein Bruchteil der 41 Milliarden Dollar, die ein Jahr zuvor noch in die Kassen der Debütanten geflossen waren.

Auch das einzige Unternehmen, das momentan offiziell ein IPO am deutschen Aktienmarkt plant, gehört zu den Börsenzwergen: Die US-Biotech-Firma Hepa-Hope dürfte Mitte April mit ihrem Börsendebüt nur einige Millionen Euro einsammeln. Damit ist die Transaktion Experten zufolge zu klein, um anderen Börsenkandidaten als Vorbild zu dienen. 2008 wurden drei Neuzugänge am deutschen Aktienmarkt verzeichnet, doch seit Juni, als die Finanzkrise immer weitere Kreise zog, tauchte kein einziger neuer Name mehr auf deutschen Kurszetteln auf.

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(sueddeutsche.de/Reuters/tob/mel)