Im Mittelalter und bei Karl Marx waren die Klassenbegriffe noch eindeutig: Leibeigene versus Klerus und Adel, Proletariat versus Bourgeoisie. Dann differenzierten sich die Begriffe. Max Weber definierte unterschiedliche soziale Lagen und Schichten, Helmut Schelsky entdeckte 1953 die "Mittelstandsgesellschaft"; und in den achtziger Jahren war gar vom Ende der Klassengesellschaft die Rede, etwa in Ulrich Becks "Jenseits von Stand und Klasse". Dann kamen die Postmodernisten und Lebensstilforscher, und alles wurde beliebig: Sie kennen nur noch Lebensstile und subkulturelle Unterschiede. Der Befund im Deutschland der Nullerjahre heißt also: Ungleichheiten ja, Klassen nein.
Anzeige
Wissenschaftler bemühen deshalb den Begriff der Schicht. Schichten werden je nach Einkommen und gesellschaftlichem Status definiert; auch im Olympischen Dorf gibt es demnach Schichten. Die Oberschicht mit Großverdiener Nowitzki, die Unterschicht mit der Hartz-IV-Empfängerin Ekpo-Umoh. Und dazwischen die Mittelschicht. Zu der zählt zum Beispiel Kerstin Stegemann. Zweimal hat die Fußballspielerin die Weltmeisterschaft gewonnen. Sie ist jetzt 30, schon 1996 in Atlanta war sie im deutschen Olympia-Kader. Stegemann ist Hauptfeldwebel, ihr Geld verdient die Soldatin bei der Bundeswehr. Im Monat sind es 2100 Euro brutto, so ist es in der Besoldungsgruppe A8 festgelegt.
Bei den Soldaten gibt es allein 740 sogenannte Sportplanstellen. Das kostet die Armee etwa 25 Millionen Euro im Jahr. Zählt man Bundespolizei und Zoll noch dazu, sind es über 1000 solcher Arbeitsplätze. Das Durchschnittsgehalt liegt bei gut 1500 Euro netto. Am meisten Geld pumpt die Bundesregierung in die Förderung der Sportler: allein in diesem Jahr etwa 200 Millionen Euro.
15.000 Euro für den Sieg
Von der Deutschen Sporthilfe bekommt ein Olympiasieger 15.000 Euro. Würde er für Russland starten, bekäme er das Zehnfache. Thomas Bach, Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) sagt, "dass nicht einmal in Zeiten des Kalten Krieges in vielen Ländern so viel Geld für Leistungssport ausgegeben wurde wie jetzt".
Die Olympischen Spiele in Peking, sie sind ein Ereignis, an dem die Staaten dieser Welt demonstrieren können, was die finanzielle Aufrüstung in Sachen Sport gebracht hat. In den nächsten Wochen wird sich zeigen, welche Sportler in eine andere Gehaltsklasse auf- oder absteigen. Denn ein Olympiasieg beschleunigt den Aufstieg, ein Dopingfall den Absturz.
Sie sind jetzt auf Seite 2 von 2
- Olympische Spiele Der erste Verlierer 06.08.2008
(SZ vom 07.08.2008/mel)
Debatte über Urheberrecht
Mit Ekpo-Umoh gerade eine Dopingsünderin anzuführen ist nicht gerade geschickt.
Ein Dopingfall senkt den Marktwert mit Recht, ob da eine Förderung über Sporthilfe und Olympiaausrüster gerechtfertigt ist?
Das Geld wäre im Breiten- und Gesundheitssport sinnvoller angelegt.
Ich hoffe dass ich mir auch eine schlanke Frau leisten kann sobald ich zu Geld komme... Spricht da der Frust des Autors?
Obwohl ich die die Problematik dees erkauften Sonnes durchaus teile, muss man bedenken, dass Breitensport sich nicht alleine fördern lässt.
Ohne Vorbilder im Spitzensport würden wohl auch die Breiten sportler abnhemen.
Wichtiger scheint mir zusein, das sich nicht nur die untere Klasse vor dem Fernseher bespaßen lässt, sonder auch aam Sport un dmait einem Teil der Gesellschaft Teil hat.
Um sportlich fair zu bleiben, aber mit diesem Artikel hätte sich der Verfasser bei weitem für keine olympische Disziplin qualifizieren können. Eine ganz schwache Leistung. Sorry, aber als Leser dieser Zeitung bin ich wohl qualitativ hochwertige Artikel gewohnt, anders als beim Team "BILD dir deine Meinung".
Fragt sich nur wozu die Bundesregierung das viele Geld ausgibt - letztlich sonnen sich die Politiker halt zu gerne in den Erfolgen oftmals dopingverseuchter Sportler. Wieso das allerdings im Interesse des Gemeinwesens liegt erkenne ich nicht. Der Allgemeinheit wäre besser gedient wenn dieses Geld in den Breitensport fließen würde - aber dann kann ja kein Minister eine Dienstreise nach Peking machen.
Paging