Eigenkapital Ackermann fürchtet Regulierungschaos

Die G-20-Länder verpflichten sich zwar zu schärferen Eigenkapitalregeln, die aber nicht gleichzeitig gelten sollen. Deutsche-Bank-Chef Ackermann warnt, Banken könnten unterschiedliche Starttermine ausnutzen.

Banken sollen als Erkenntnis aus der Finanzkrise ihre Kredite künftig mit deutlich mehr Eigenkapital unterlegen. Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann warnt jedoch vor länderspezifischen Startterminen für schärfere Kapitalregeln, wie sie der G-20-Gipfel am Wochenende in Toronto vereinbart hat.

Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann warnt vor einer unkoordinierten Einführung schärferer Kapitalregeln. "Dann besteht das Risiko der regulatorischen Arbitrage."

(Foto: ap)

Sollten die Länder bei der Einführung des als Basel III bekanntgewordenen Regelwerks nicht koordiniert vorgehen, könnten Beteiligte die Unterschiede in der Regulierung ausnutzen, sagte Ackermann am Rande eines Wirtschaftsforums in Kapstadt. "Dann besteht das Risiko der regulatorischen Arbitrage."

Der Zeitplan für die Einführung der verschärften Kapitalregeln kann einem Erklärungs-Entwurf der G20-Staaten zufolge in den einzelnen Ländern variieren. Die Anwendung hänge von den nationalen Begebenheiten wie der wirtschaftlichen Erholung ab.

Sinn enttäuscht über Reform der Kapitalregeln

Ursprünglich sollten die neuen Richtlinien bis Ende 2012 bereits umgesetzt werden, nun sollen sie ab 2012 erst Zug um Zug eingeführt werden. Der internationale Finanzstabilitätsrat (FSB) begrüßte den neuen Zeitplan. Dadurch, dass den Banken mehr Zeit gegeben werde, um die Regeln anzuwenden, werde eine Verwässerung der neuen Standards verhindert, teilte der FSB-Vorsitzende und italienische Notenbankchef Mario Draghi mit.

Der Präsident des Ifo-Instituts, Hans-Werner Sinn, zeigte sich hingegen enttäuscht über die G-20-Beschlüsse zu den Kaptalregeln. "Wir hatten natürlich gehofft, dass es zu einer Regulierung der Banken kommt, die ihnen mehr Eigenkapital abverlangt, damit ein größerer Puffer in Krisenzeiten da ist und im vornherein nicht so stark gezockt wird", sagte Sinn im Deutschlandfunk.

"Aber das ist nicht gekommen. Jetzt hofft jeder auf den Gipfel in Seoul im November." Positiv bewertete der Ifo-Präsident dagegen die Beschlüsse zur Schuldenpolitik. Hier habe sich die Bundesregierung mit ihrer Linie durchgesetzt, dass die Verschuldung zurückgeführt und nicht noch weitere Konjunkturprogramme aufgelegt werden sollten.

"Wir haben einen tollen Konjunkturaufschwung"

"Die Zeit ist auch gekommen. Wir haben einen tollen Konjunkturaufschwung. Wann, wenn nicht jetzt, soll man die Neuaufnahme von Schulden reduzieren", sagte Sinn.

Angesichts der "Hetzjagd einiger amerikanischer Ökonomen" gegen Deutschland im Vorfeld des Gipfels sei das Treffen somit ein Erfolg für Bundeskanzlerin Angela Merkel, sagte Sinn.

Auf der Streckbank der großen Krise

mehr...