Der Markt für Zertifikate ist unter Banken hart umkämpft. Mit einer fragwürdigen Methode will offenbar die Commerzbank Kunden locken.
Mit fragwürdigen Geschäften versucht offenbar die Commerzbank, ihren Rang als Marktführerin in der Derivate-Branche zu zementieren. Seit Monaten werden ausgewählte Zertifikate des Instituts an der Stuttgarter Derivate-Börse Euwax ungewöhnlich rege gehandelt: Die Umsätze mit einem Produkt betragen an nur einem Tag oft mehrere 100 Millionen Euro.
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Die Commerzbank ist, gemessen am Börsenumsatz, die Nummer eins im deutschen Derivate-Markt. (© Foto: ddp)
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Die Summe ist ein Vielfaches dessen, was Konkurrenten mit vergleichbaren Produkten umsetzen. Pikant: Sowohl Käufer als auch Verkäufer kommen fast immer von der Commerzbank.
Das erfuhr die Süddeutsche Zeitung aus Kreisen, die Einblick haben in nicht-öffentliche Handelsstatistiken der Euwax. Eine denkbare Erklärung: Ein vermögender Kunde der Commerzbank vergibt in großem Stil Handelsaufträge: Er beauftragt seine Bank, Produkte aus eigenem Hause über die Börse zu kaufen.
Fraglich bleibt, warum der Kunde monatelang mehrmals am Tag das gleiche Produkt handelt - in exorbitant hohen Stückzahlen. Zudem: Warum kauft der Commerzbank-Kunde nicht direkt bei der Bank die Zertifikate - und umgeht damit die Börsengebühren?
"Kunden bevorzugen Banken mit höheren Umsätzen"
Ein Commerzbank-Sprecher sagte zu den hohen Umsätzen: "Von der Handelsüberwachungsstelle ist unseres Wissens nie etwas beanstandet worden.'' Ein Euwax-Sprecher sagte: ,,Wir haben keine Auffälligkeiten entdeckt.''
Derzeit ist das Commerzbank-Phänomen am Bull-Zertifikat mit der Kennnummer CB8910 zu beobachten. Am Mittwoch lagen die Umsätze mit diesem Papier bei 168 Millionen Euro.
Am Donnerstag betrug der Umsatz am frühen Nachmittag gut 13 Millionen Euro. Das zweitgefragteste Zertifikat der Kategorie schaffte nur drei Millionen Euro. Im hart umkämpften Derivate-Sektor gilt die Commerzbank als Nummer eins: Im Juli schaffte das Institut einen Börsenumsatz von knapp fünf Milliarden Euro. Deutlich dahinter rangierte die Deutsche Bank mit einem Börsenumsatz von 3,5 Milliarden Euro.
Klar ist: Die ungewöhnlich hohen Umsätze bei den Bull-Zertifikaten helfen der Commerzbank, die Konkurrenz deutlich auf Abstand zu halten. Das ist gut für das Geschäft: "Kunden bevorzugen Banken mit höheren Umsätzen'', erklärt Dieter Lendle, Geschäftsführer des Deutschen Derivate Instituts.
(sueddeutsche.de)
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