Fossilien als Wertanlage Ein Knochenjob

Auch Leonardo diCaprio will einen Tyrannosaurus-Schädel in seiner Villa: Fossilien versprechen große Wertsteigerungen. Der Handel ist ein globales Geschäft, getrieben vom Geld der Reichen. Deutsche Sammler dealen im Spannungsfeld von Leidenschaft und Profit - und müssen sich mit Schmuggelware und gefälschten Skeletten herumschlagen. Und sie wissen, warum ein gebrochener Höhlenbär-Penisknochen mehr wert ist als ein intakter. In der Welt der Knochenjäger.

Von Jannis Brühl

Peter Rüdel ist Plattenhändler. Spezialisiert auf Klassiker, wenn man so will. Sie stapeln sich in Kisten in seiner Dachwohnung, kiloschwere, graublaue Schieferplatten. Der 48-Jährige verdient viel Geld mit dem, was sie unter der Erde über die Jahrmillionen gerettet haben: Fossilien. Ein kleiner Fischsaurier kostet 900 Euro, ein gut erhaltener Kugelfisch bis zu 8000 Euro; die messerscharfen Zähne des Megalodon, des riesigen Vorfahren der Haie, 400 Euro.

Traditionell sind Dinosaurierknochen und andere Versteinerungen für Forscher interessant. Doch mittlerweile treibt vor allem das Geld der globalen Elite den Handel, von der sibirischen Steppe in Peter Rüdels Arbeitszimmer im Münchner Vorort Gröbenzell bis in die noblen Auktionshäuser von Paris und London. Fossilien sind Geldanlage und Statussymbol zugleich.

Es ist kein Markt wie jeder andere: Paläontologen wollen Grabungsschutzgesetze geachtet wissen, korrupte Beamte die Hand aufhalten und Betrüger die Händler mit zusammengeklebten Fälschungen übers Ohr hauen.

Dass Rüdel in Bayern Versteinerungen aus der Erde holen und behalten darf, liegt daran, dass das Land kein Gesetz hat, das die Funde der Wissenschaft zuspricht. Wollen die Museen eins seiner Stücke, wird man sich immer einig, sagt er.Doch wie legal der Handel mit Fossilien eigentlich generell ist, können weder Verkäufer noch Paläontologen genau beantworten. Die Rechtslage in den Bundesländern ist dank "Kulturhoheit" sehr unterschiedlich. So gibt es in Bayern keinerlei gesetzliche Bestimmungen - wer ein Fossil besitzt oder findet, darf es verkaufen. Rheinland-Pfalz und Hessen sind wesentlich strikter: Dort fallen urzeitliche Funde unter Denkmalschutz - wenn sie "von wissenschaftlichem Interesse" sind. Deshalb greift Rüdel nicht zu, wenn er glaubt, dass Skelette illegal ausgegraben wurden, wenn sie beispielsweise in der hessischen Grube Messel kommen, einer Unesco-Weltnaturerbestätte. Auch wenn es Gewinn verspricht: "Ein Urpferdchen würde ich nie kaufen."

In den USA gehören Knochen demjenigen, dem das Land gehört, auf dem sie gefunden werden. Doch vieles kommt aus Russland und China - und die dortige Rechtslage ist völlig unklar. Beide Staaten haben Gesetze erlassen, die Fossilien schützen - ob es dabei nur um bestimmte wertvolle Stücke oder um generellen Fossilienschutz geht, weiß man nicht einmal in der Münchner Staatssammlung. "Gerade die Situation in China ist völlig unklar", sagt Martin Görlich, der sich im nordbayerischen Berg auf größere Deals spezialisiert als sein Branchenkollege Rüdel. Selbst bei gutem Schutz verschwinden dort Knochen aus Museen. Die Angestellten wollen sich etwas dazuverdienen.

Es ist ein lukrativer Markt - auch für legale Käufer. "Bis zu 300 Prozent Wertsteigerung sind möglich", sagt Rüdel. Das gilt allerdings nur für das oberste Preissegment. Beim Auktionshaus Christie's in London, berühmt für Versteigerungen von Picassos und Rubens', kaufte ein Dino-Fan für mehr als eine halbe Million Euro einen Triceratops. Für das Skelett mit den markanten Hörnern und Nackenschild zahlte er 2008 fast 600.000 Euro. Die Hollywoddstars Nicholas Cage und Leonardo diCaprio boten 2007 bei einem Auktionshaus in Beverly Hills um den Schädel des Tyrannosaurus rex, des berühmtesten Fleischfressers unter den ausgestorbenen Reptilien. Cage bekam am Ende den Zuschlag - für 276.000 Dollar.

Die Wirtschaftskrise ist gut für den Fossilien-Verkäufer, sagt Görlich, der sich im nordbayerischen Berg auf größere Deals spezialisiert als sein Branchenkollege Rüdel: "Die Amerikaner sehen, dass die Notenbanken immer mehr Geld drucken. Die gehen in Sachwerte."

Rüdel und Görlich handeln nebenher, ihre Hauptberufe haben aber indirekt mit ihrer Leidenschaft für Fossilien zu tun. Der Geologe Rüdel hat eine Firma, die in Steinbrüchen abbaut. Auch Görlich begeisterte sich schon als Jugendlicher für Fossilien, grub sie aus und präparierte sie. "Was kannst du mit der Fingerfertigkeit anfangen?", fragte er sich - und wurde Zahnarzt.