Von Markus Zydra

Viel zu oft raten Fondsvermittler zu Umschichtungen. Sie verdienen damit Geld - für den Kunden sind die Transaktionen nicht immer von Vorteil.

"Hin und her macht Taschen leer" - das ist keine hohe Dichtkunst. Doch das Bonmot aus der Börsenwelt trifft den Kern eines weit verbreiteten Fehlers: Wer ständig Aktien kauft und wieder verkauft, verliert viel Geld - und zwar vor allem durch die bei jedem Handel anfallenden Gebühren. Dasselbe gilt auch für Fonds.

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Nicht immer ganz uneigennützig: Wenn der Fondsvermittler zu Umschichtungen rät, ist Vorsicht geboten. (© Foto: ddp)

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An den Gebühren verdienen die Vermögensverwalter und Banken. Verschiedene Entwicklungen der vergangenen Jahre legen den Verdacht nah, dass häufig nur um der Provision willen umgeschichtet wurde - zum Schaden der Anleger. In der Branche heißt das "Churning".

Zahlen des Londoner Datendienstleisters Lipper Feri stützen den Verdacht: So sind Anleger in der vergangenen Jahren europaweit den Investmentfonds untreu geworden, obwohl die Aktienkurse bis zum Beginn der Finanzkrise kräftig zugelegt haben. Die Nettokäufe von Fondsanteilen brachen zwischen 2005 und 2007 um 94 Prozent ein - die Nettozahl ist die Differenz zwischen Zufluss und Abfluss von Anlegergeldern in Fonds. Das heißt: Der Branche sind unterm Strich immer weniger neue Gelder zugeflossen. Im gleichen Zeitraum stieg aber der Fondsumsatz um 49 Prozent. Mit anderen Worten: Die bestehenden Fondsinvestments wurden sehr häufig umgeschichtet.

Berater stehen unter Druck

Es ist bekannt, dass Finanzberater oft ihre Kunden anrufen, um Veränderungen im Depot zu besprechen. Das ist prinzipiell in Ordnung, denn so wird der Kunde über aktuelle Risiken im Markt informiert. "Gerade in den vergangenen Wochen und Monaten, da die Aktienmärkte sehr unsicher sind, empfehlen wir den Kunden vermehrt, in Geldmarktfonds zu wechseln, bis sich die Marktsituation wieder etwas beruhigt", sagt zum Beispiel Felix Brem vom Vermögensverwalter BN & Partner.

Die Daten von Lipper Feri zeigen aber, dass gerade in den guten Börsenjahren 2005 und 2006 die Umschichtungsvolumina enorm angestiegen sind. Zu diesen Zeiten hätte ein Fondswechsel wirklich triftige Gründe haben müssen. Jeder Austausch eines Fonds kostet Geld - bei Aktienfonds zwischen drei und fünf Prozent der Anlagesumme. Wer 100.000 Euro aus einem Fonds abzieht und in ein anderes Produkt steckt, muss bis zu 5000 Euro Ausgabeaufschlag zahlen. "Ein Wechsel vom einen Aktienfonds Europa in den anderen Aktienfonds Europa macht aber keinen Sinn", sagt Werner Hedrich, Chefanalyst der Ratingagentur Morningstar. "Das würde ja auch bedeuten, dass der Berater mit der ersten Empfehlung einen schlechten Job gemacht hat", so Hedrich weiter.

Viele Kunden werden regelmäßig angerufen, um dann mit dem Berater über "Depotoptimierungen" zu sprechen. Auf diese Gespräche sollten sich die Sparer gut vorbereiten. Es ist ein offenes Geheimnis in der Bankenwelt, dass viele Berater gehörig unter Druck stehen - sie müssen auf Basis von internen Zielvorgaben immer neue Umsätze mit dem Kunden erzeugen. "Es gibt kleine Abteilungen, die nur dazu da sind, um gegenüber dem Kunden gute Begründungen für Tauschgelegenheiten zu finden", berichtet ein Insider, "der wahre Grund für die Umschichtung sind dann häufig auch höhere Provisionszahlungen der anderen Fondsgesellschaft."

Hohe Gewinnmitnahmen legen Umschichtungen nahe

Allerdings kann es auch gute Gründe für Umschichtungen geben, aber nur dann, wenn der Fondstausch in die vorab festgelegte Anlagestrategie passt. Will der Kunde sein Geld zum Beispiel langfristig zu 50 Prozent in Aktien halten und zu 50 Prozent in Anleihen, bringen starke Kursgewinne bei Aktien das Mischungsverhältnis durcheinander.

Das ist leicht nachzuvollziehen, wenn man sich ein Depot vorstellt, in dem 1000 Euro in Aktien und 1000 Euro in Renten liegen. Gewinnen die Aktien in einem Jahr 100 Prozent, die Anleihen aber nur 20 Prozent, hat sich die Gewichtung des Portfolios verschoben: auf 2000 Euro Aktienanteil und 1200 Euro Renten. "Steigt die Aktienquote beispielsweise auf 80 Prozent, kann der Sparer durchaus Anteile verkaufen und in Anleihen umschichten gemäß der festgelegten Strategie", sagt Hedrich. Ähnlich sei es beim Thema Gewinnmitnahmen: "Wer 300 Prozent mit einem Schwellenländerfonds gemacht hat, sollte vielleicht auch ein wenig umschichten", sagt Hedrich.

Entscheidend ist jedoch die Gebührenbelastung der Anleger. Wer fünf Prozent Ausgabeaufschlag für einen Wechsel bezahlt, der muss diese Summe später wieder erwirtschaften. Das kann eine Weile dauern - nicht in jedem Jahr machen die Aktienmärkte ein solches Plus. "Man sollte deshalb sicherstellen, dass die Kosten fair sind", sagt Brem, der selbst jedoch ein anderes Modell favorisiert. "Viele Vermögensverwalter verlangen ein fixes Honorar in Kombination mit möglichen erfolgsabhängigen Gebühren. Hier fallen dann für einen Fondswechsel in der Regel keine Ausgabeaufschläge an."

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(SZ vom 14.03.2008/jkf/mel)