Eurokrise: Flucht in Yen und Franken Japan schwächt die eigene Währung

Das Schuldenchaos in Europa und den USA sorgt am anderen Ende der Welt für Probleme: Weil Anleger von Euro und Dollar in Japans Währung flüchten, wirft die Regierung in Tokio nun verzweifelt Yen auf den Markt. Der hohe Kurs gefährdet die Erholung des Landes, das nach Erdbeben und Tsunami gerade erst wieder mühsam auf die Beine kam.

Mit den Schuldenkrisen in Europa und den USA schwindet auch das Vertrauen in Euro und Dollar. Anleger kaufen massiv japanische Yen und Schweizer Franken - doch das setzt diese Länder unter Druck. Denn ihre Währungen werden damit im Vergleich immer teurer. Jetzt steuern Bern und Tokio gegen - und versuchen, ihre Währungen zu schwächen.

Viel beachtet: Die Währungskurse in Tokio.

(Foto: REUTERS)

Japan reagiert auf den Höhenflug der heimischen Währung mit einem direkten Eingriff am Devisenmarkt: die Regierung verkauft Yen. Ziel sei es, spekulative und ungeordnete Wechselkursbewegungen einzudämmen. Die Nationalbank flankiert die Aktion und pumpt ebenfalls mehr Geld auf den Markt: Das Programm zum Ankauf von Vermögenswerten werde um fünf Billionen Yen erhöht, teilten die Währungshüter am Donnerstag mit. Die Intervention ist die dritte seit September 2010. Zuletzt griff die japanische Notenbank im März nach dem großen Erdbebeben und dem Tsunami am Devisenmarkt ein, um den Export wieder anzukurbeln. Von dem ist Japans Wirtschaft stark abhängig.

Wegen der Schuldenkrisen in Europa und den Vereinigten Staaten hatte es in den vergangenen Tagen eine Flucht aus dem Euro und dem Dollar in Yen und Schweizer Franken gegeben. Die Wettbewerbsfähigkeit von Japan und der Schweiz wird damit massiv geschwächt. Notiert der Yen zu hoch, macht Japans Wirtschaft mit dem Exportgeschäft weniger Gewinn. Sie könnte dann die Preise erhöhen, was die Produkte aber im Vergleich mit Wettbewerbern unattraktiver macht.

Zuletzt fiel der Dollar wegen der Probleme der US-Wirtschaft unter die Marke von 77 Yen. Mitte 2007 war die US-Währung noch wesentlich teurer: Damals mussten für einen Dollar mehr als 120 Yen gezahlt werden.

Die Schweiz hatte wegen dem Ansturm der Anleger bereits am Mittwoch mit Franken-Verkäufen reagiert und ihren Leitzins gesenkt. Er liegt nun zwischen 0 und 0,25 Prozent statt wie bisher 0 bis 0,75 Prozent.