Von Catherine Hoffmann

Die Prognosen für die Dax-Konzerne sind noch zu gut: Kreditkrise, Dollar und Rohstoffpreise drücken 2008 die Profite.

Mehr als 28 Milliarden Euro werden die 30 Dax-Konzerne bis Juni ausschütten, so viel wie nie zuvor. Die meisten Unternehmen haben 2007 Spitzengewinne erzielt und zahlen saftige Dividenden. Doch die Zeit der Rekorde ist vorbei. Die Finanzkrise kommt in der Realwirtschaft an - bei Stahlkochern, Maschinenbauern, Einzelhändlern. Nur viele Analysten haben es noch nicht so recht bemerkt. Sie erwarten für die deutschen Unternehmen im Durchschnitt immer noch knapp sieben Prozent Gewinnplus.

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"2007 war ein tolles Jahr. Die Anleger sollten nicht erwarten, dass sich die Gewinnrallye fortsetzt", sagt Henning Gebhard, Leiter deutsche Aktien bei der Fondsgesellschaft DWS. "Wenn dieses Jahr ein knappes Plus rauskommt, ist es gut gelaufen." Die Enttäuschung der Anleger könnte groß sein, nicht nur über Banken und Versicherungen.

"Ich kann mir nicht vorstellen, das Banken und Versicherungen schon alles abgeschrieben haben, was abzuschreiben ist", sagt Johannes Reich, Aktienstratege beim Bankhaus Metzler. Viel schlimmer noch: Das Neugeschäft bei Verbriefungen, im Investmentbanking und Eigenhandel werde in den nächsten Monaten weit hinter den Zahlen von 2007 zurückbleiben. "Das wird von den meisten Analysten unterschätzt", glaubt Reich.

Schwierige Kreditvergabe

Die Wirtschaft bekommt die Belastungen der Kreditkrise rascher zu spüren als gedacht. Vergeben Banken heute einen Kredit, prüfen sie den Antrag drei Mal, verlangen höhere Sicherheiten und mehr Zinsen als noch vor einem Jahr. Auch am Markt für Unternehmensanleihen herrscht Skepsis: Anleger fordern von Unternehmen deutlich höhere Renditen im Vergleich zu Staatsanleihen als vor Jahresfrist. Das kostet die Firmen Geld.

Kapital ist schwer zu beschaffen, davon zeugen auch die vielen Börsengänge, die in den vergangenen Wochen abgesagt worden sind. Für Unternehmen ist es teuer geworden, sich zu refinanzieren. Das belastet die Gewinne.

Unabhängig davon befindet sich die Weltwirtschaft an einem konjunkturellen Wendepunkt. Die USA rutschen gerade in eine Rezession, wenn sie nicht sogar schon mittendrin stecken. Die boomenden Volkswirtschaften Asiens, vor allem China und Indien, haben ihren konjunkturellen Höhepunkt überschritten, das Wachstumstempo lässt nach.

Das reicht schon, um das Wirtschaftswachstum weltweit zu schwächen. Längst hat die Krise auch Deutschland erreicht: Die führenden Wirtschaftsforscher erwarten für dieses Jahr nur noch einen Anstieg des Bruttoinlandsproduktes von 1,8 statt 2,2 Prozent.

Und auch die neue Prognose könnte zu optimistisch sein. "Mit jedem Zehntel Prozentpunkt, um den die Konjunkturprognosen gekürzt werden, verschlechtern sich die Geschäftsbedingungen der deutschen Unternehmen", sagt Werner Bader, Aktienstratege bei der LBBW. "Da müssen Abstriche bei den Gewinnen gemacht werden."

Hinzu kommen die enorm hohen Preise für Öl und Gas, Industrie- und Edelmetalle, Agrargüter. Der gewaltige Anstieg der Rohstoffkosten schmälert den Profit, wenn die Kosten nicht auf den Kunden überwälzt werden können. Die Unternehmen wissen das und drücken sich deshalb bei ihren Jahresausblicken um klare Prognosen. In der Stahlindustrie ist es beispielsweise alles andere als gewiss, dass die hohen Preise für Erz und Strom ohne weiteres an die Kunden weitergereicht werden können. Bricht der Autoabsatz ein, werden die Hersteller den Stahlriesen nicht jeden Preis für ihren Rohstoff zahlen wollen und verhandeln.

Probleme macht auch der Dollarkurs. Unternehmen, die viel Geschäft im Ausland machen und nicht gegen die Schwäche des Greenback versichert sind, werden beim Gewinn enttäuschen. Bayer Beispielsweise kalkuliert derzeit mit einem Kurs von 1,30 Dollar je Euro. Tatsächlich kostet der Euro aber 1,60 Dollar.

"Die Gewinnschätzungen müssen nach unten korrigiert werden", glaubt Reich. Im Durchschnitt erwarten die Analysten für die 30 Dax-Werte in diesem Jahr 6,5 Prozent Zuwachs. Der Metzler-Stratege hält nur zwei Prozent für realistisch - "und das könnte noch zu hoch sein." LBBW-Experte Bader rechnet 2008 mit einer glatten null beim Gewinnwachstum. Er sei aber nicht pessimistischer als andere. "Unsere Analysten sind einfach ein bisschen schneller."

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(SZ vom 18.4.2008/hgn)