Seinen Ursprung hat das moderne Finanzwesen im Jahr 1913. Damals wurde die amerikanische Notenbank Federal Reserve gegründet, als Zentralinstitut der Geschäftsbanken. Sie bestimmte mit dem Leitzins fortan den Preis kurzfristiger Kredite und das Wachstum der Geldmenge. Darüber hinaus fungierte sie als Quelle von Krediten für die Geschäftsbanken.

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Die Fed sollte die Branche schützen vor großen Krisen wie jener 1907, als ein einzelner Banker namens J.P.Morgan die Branche praktisch im Alleingang vor dem Untergang rettete, indem er die Risiken der anderen auf seine Bücher nahm. Genau diese Schutzfunktion ist bis heute eine der Aufgaben der Fed, übrigens auch der meisten anderen Notenbanken inklusive der europäischen. Den Geschäftsbanken ist es erlaubt, ein Vielfaches ihrer Einlagen auszuleihen. Damit kurzfristig kein Engpass entsteht, wenn zum Beispiel viele Menschen auf einmal ihr Geld abheben wollen, können sich die Geldhäuser jederzeit zum aktuellen Zinssatz bei der Zentralbank refinanzieren.

Das Risiko, mit schlechten Geschäften zu scheitern, ist in diesem sogenannten Teildeckungssystem für einzelne Großbanken geringer, als wenn sie auf sich allein gestellt agieren müssten und nur bei anderen Instituten Geld leihen könnten. Dass es jetzt an der Wall Street dennoch zu einer solchen Pleitewelle kam, ist dem schieren Ausmaß zu verdanken, mit dem die Banken sich verspekulierten. Ohne die Rückendeckung einer Zentralbank würden sich riskante Geschäftsstrategien schnell herumsprechen, der Markt würde betreffenden Häusern ihre Grenzen früher aufzeigen und für Darlehen umfänglich Sicherheiten verlangen.

Auch viele Bankbilanzen wären sauberer als heute. Ein Preis dafür ist aber zu zahlen: In einem Finanzsystem ohne Zentralbank ist es nicht möglich, durch großzügige Verschuldungsorgien Konjunkturzyklen abzukürzen. Es gibt keine Liquiditätsspritze für klamme Banken, auch Regierungen können nur begrenzt Schulden machen. Wenn der Markt ihr nicht mehr Staatsanleihen abkauft, muss die Regierung sparen. Kreditwürdig ist dann nur, wer solide wirtschaftet.

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(SZ vom 24.9.2008/mel)