Von Frühjahr 2010 an könnten Krankenkassen einen Zusatzbeitrag erheben. Sechs Euro wären notwendig - SPD-Experte Lauterbach rechnet mit mehr.
Im Frühjahr 2010 werden gesetzlich Krankenversicherte in Deutschland wahrscheinlich tiefer ins Portemoinnaie greifen müssen. In der Bilanz der Krankenkassen klafft eine Lücke von 7,5 Milliarden Euro. Der Bund übernimmt etwa die Hälfte des Defizits. Für den Rest müssen wohl die Versicherten aufkommen - in Form eines monatlichen Zusatzbeitrages.
Gesundheit kostet Geld: Krankenkassen könnten im Frühjahr 2010 damit beginnen, Zusatzbeiträge zu verlangen. (© Foto: dpa)
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Die Vorsitzende des Spitzenverbands der Krankenkassen, Doris Pfeiffer, hatte die Einführung von Zusatzbeiträgen in einem Interview mit der Berliner Zeitung "in großem Maße" angekündigt. Die Kassen selbst wollen davon nichts wissen - noch nicht.
Deutliche Signale
"Wir gehen ohne Zusatzbetrag ins Jahr 2010", sagte ein Sprecher der Techniker Krankenkasse, mit 7,3 Millionen Versicherten derzeit die größte gesetzliche Krankenversicherung Deutschlands. "Eine Vorhersage darüber hinaus wäre unseriös." Auf diese Formulierung hat er sich offenbar mit seinen Kollegen geeinigt: Die Pressesprecher von Barmer Ersatzkasse und DAK antworten unisono.
Damit ist allerdings nicht ausgeschlossen, dass hinter den Kulissen nicht längst an einer Einführung gearbeitet wird. "Die Signale, die wir von den Kassen bekommen, deuten darauf hin", sagte eine Sprecherin des Spitzenverbands. Betroffen seien Kassen jeder Art und Größe.
Sechs Euro - rein rechnerisch
Expertenmeinungen zufolge wird die gesetzliche Krankenversicherung wegen der Wirtschaftskrise im kommenden Jahr ein Defizit von 7,5 Milliarden Euro erwirtschaften. Der Bund hat zugesagt, 3,9 Milliarden Euro beizusteuern. Um die noch fehlenden 3,6 Milliarden auszugleichen, müsste rein rechnerisch jedes Kassenmitglied sechs Euro im Monat draufzahlen, heißt es beim Spitzenverband der gesetzlichen Krankenversicherungen.
Nach Einschätzung einer Verbandssprecherin werde es bis März 2010 dauern, bis den Kassen die Gesamtbilanz für das abgelaufene Jahr vorliegt. Spätestens dann werde die Erhebung eines Zusatzbeitrages konkret.
Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach sieht die Zusatzbeiträge schon früher kommen - und höher als vom Verband veranschlagt: "Die Kassen werden acht Euro nehmen. Und damit werden noch nicht einmal alle hinkommen", sagte Lauterbach zu sueddeutsche.de.
"Röslers erster Fehler"
Der Zusatzbeitrag ist unabhängig vom Einkommen des Versicherten. Erst ab acht Euro gibt es eine Einkommensprüfung - dann muss die Kasse individuell untersuchen, ob der Zusatzbeitrag die Grenze von einem Prozent des Bruttoeinkommens des Versicherten überschreitet.
Lauterbach hält das Aufkommen des Zusatzbeitrags für eine von der FDP gewollte Maßnahme: "Das ist der Einstieg in die Kopfpauschale, ohne dass sie es so nennen müssen. Sie können das der alten Regierung zuschieben und haben gleichzeitig den Wechsel zum Prämiensystem." Die Versicherten müssen sich an den Zusatzbeitrag gewöhnen, glaubt Lauterbach: "Das wird zu einer Dauerlösung."
Die Schuld sieht Lauterbach bei Gesundheitsminister Rösler: "Er hat keine Sparvorschläge gemacht, das war der erste Fehler seiner Amtszeit. Stattdessen hat er gesagt, Gesundheit werde teurer. Den Kassen bleibt nichts anderes übrig, als zu reagieren und weiter von der aktuellen Kostensteigerung auszugehen."
Ein Modell der Kopfpauschale
Ins gleiche Horn stieß die gesundheitspolitische Sprecherin der Grünen, Birgitt Bender: "Der Zusatzbeitrag wird immer größer. Das entspricht durchaus der Intention der schwarz-gelben Regierung." Wenn es der FDP schon nicht gelänge, die Kopfpauschale komplett durchzusetzen, so bekomme sie auf diesem Wege immerhin "ein Modell" dessen.
Martina Bunge von der Linkspartei kritisierte, die schwarz-gelbe Regierung schaue zu, wie "die gesetzliche Krankenversicherung vor die Wand fährt". Sie rechnet mit einer Einführung bis Mitte des Jahres: "Nach der Wahl in Nordrhein-Westfalen ist das Geld alle."
Bender geht wie Lauterbach davon aus, dass der Zusatzbeitrag bereits Anfang 2010 kommen werde - und verweist auf die DAK, die im Januar eine Verwaltungsratsitzung anberaumt hat. Der Pressesprecher der DAK sagte, dass der Zusatzbeitrag in dieser Sitzung nicht auf der Tagesordnung stehe. Er räumte allerdings ein, dass die Tagesordnung bis vier Wochen vor der Sitzung geändert werden könne.
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(sueddeutsche.de/bica/tob)
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Sehr geehrte Redaktion,
die Beiträge der Unternehmen sollen gedeckelt werden.
Die bedingungslose Deckelung halte ich für falsch.
Die Deckelung muß an die Durchführung der gesetzlich vorgeschriebenen Maßnahmen zum Arbeits-Umwelt-und Gesundheitsschutz im jeweiligen Unternehmen gekoppelt sein.
Die Berufsgenossenschaften erheben ihre Beiträge auch nach der Unfallhäufigkeit des jeweiligen Betriebs.
Wenn die bedingungslose Deckelung kommt, dann müssten Mitarbeiter von Unternehmen, die den Arbeits-und Gesundheitsschutz nicht ernst nehmen, ein höheres Unfall-und Gesundheitsrisiko hinnehmen, und oben drein auch noch mehr für das höhere Risiko in Form eines höheren Krankenkassenbeitrags zahlen.
Das ist nicht hinnehmbar und erfordert eine Korrektur.
Betriebe, die den Arbeits-und Gesundheitsschutz ernst nehmen, müssten entlastet, und Betriebe, die ihre Aufgabe in dieser Hinsicht nicht erfüllen, müssten höher belastet werden.
Das liest sich bei Spiegel-online etwas anders. Dort wird zunächst ganz klar darauf hingewiesen, dass die Privat-Versicherungen in der Ergo-Gruppe um 8 % ab Januar steigen werden. Es sind Steigerungen in diesem Segment von bis zu 20 % angedeutet.
Natürlich hat das etwas mit den sinkenden Einnahmen durch die Krise zu tun. Hinzu kommen weiter sinkende Einnahmen durch sinkende Löhne ( Siehe Schlecker und Co.)
Noch wesentlich mehr schlagen die Zusätzlichen Honorare der Ärzte von ca. 4 Milliarden € für 2009 zu Buche. Obwohl bei der Zusage schon ganz klar ersichtlich war, dass wir in eine Krise ungeahnten Ausmaßes hinein steuern. Aber weit schlimmer sind die ungebremsten Abkassiermaßnahmen der Pharma-Industrie. Allerdings darf man getrost davon ausgehen, dass zusätzliche staatliche Zuschüsse die Abkassier-Mentalität in der Branche weiter anheizen. Solange keine Effizienz erzeugt wird - und die ist von Rösler auch nicht zu erwarten, es sei denn zu weiteren Gewinnsteigerungen der Gesundheitsindustrie - wird sich an den Steigerungen nichts ändern. Im Gegenteil, es wird durch Wegfall der Parität noch drastischere Steigerungen geben.
Weil Rhön als riesiger Konzern langfristig wahrscheinlich im Versicherungsbereich beteiligt sein wird und das Bewußtsein der Notwendigkeit privater zusätzlicher Kosten über die Medien wecken will.
"Was aber ist von einem FDPler und gleichzeitig Mediziner zu erwarten?"
Das, was Sie schon beschrieben haben - und noch viel mehr Gelder, die an die Klientelgruppen verteilt werden. Warum sollte man aus Sicht der FDP auch die Gesundheitskosten reduzieren, wenn der Großteil dieser Mittel direkt an die eigenen Interessensgruppen fließen. Die Situation der meisten Bürger liegt schlicht und einfach unter dem Radarhorizont dieser Leute.
Ich entsinne mich einer Karikatur in der Satirezeitschrift "Eulenspiegel" vor mindestens 5 Jahren. Dort waren Schröder u. Merkel als klapprige Figuren mit Krüken u. ohne Zähne in einer Regierungspressekonferenz im Jahre 2023 (?) zu sehen. Sie erklärten ungefähr: Nachdem wir alle Leistungen aus dem Katalog gestrichen haben, ist es uns gelungen, die Erhöhung der GKV-Beiträge zu stoppen. Dort sitzen die Propheten! Eulenspiegel an die Macht!
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