Aufregung in der Frankfurt: Der Bund übernimmt ein Viertel der Commerzbank. In Finanzkreisen werden weitere Teilverstaatlichungen nicht ausgeschlossen.
Für die Commerzbank und ihr Management hat der Einstieg des Bundes weitreichende Folgen: Die Regierung verfügt nun über eine Sperrminorität und kann so einzelne Unternehmensentscheidungen blockieren. Die Commerzbank muss im Gegenzug Auflagen des Bundes erfüllen.
Das Papier laufe so gut, dass ein Volumen von drei Milliarden gut möglich sei, sagen Marktexperten. (© Foto: ddp)
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Unter anderem sind die Gehälter der Spitzenmanager auf 500.000 Euro begrenzt. Gleichzeitig ist der Weg für den Zusammenschluss von Dresdner Bank und Commerzbank frei: Der Vollzug wird für die nächsten Tage erwartet.
Der Chef der Commerzbank, Martin Blessing, begründete die Teilverstaatlichung mit der Rezession und dem schwierigen Kapitalmarkt. "Wir wollen die neue Commerzbank auf möglichst solide Füße stellen", sagte er. Das Institut soll mit ausreichend Kapital für alle Unwägbarkeiten gewappnet sein, die noch kommen könnten.
Insgesamt hat die Regierung 18 Milliarden Euro in die Commerzbank und die Dresdner Bank gesteckt. "Das ist viel Steuergeld", sagte Blessing, eine staatliche Beteiligung sei deshalb unausweichlich gewesen. Das Bundesfinanzministerium erklärte, der Bund übernehme seine Verantwortung für einen der großen deutschen Akteure am Finanzmarkt.
Die Commerzbank hatte bereits Ende vergangenen Jahres 8,2 Milliarden Euro in Form von stillen Einlagen über den Rettungsfonds Soffin bekommen. Diese Summe erhält sie nun ein zweites Mal. Außerdem kosten die neuen Aktien den staatlichen Rettungsfonds Soffin weitere 1,8 Milliarden Euro.
Mithilfe der Staatsgelder will Blessing die zweitgrößte Bank in Deutschland schmieden. Er gab zu, sich erst an die Idee einer teilweise Verstaatlichung seiner Bank gewöhnen zu müssen. Aber die Commerzbank bekomme das Geld nicht umsonst, sondern zahle dafür Zinsen, und werde es aus künftigen Gewinnen wieder zurückzahlen.
Die Lage an den Finanzmärkten hatte sich in den letzten Wochen des vergangenen Jahres zugespitzt. Der Abschreibungsbedarf von Commerzbank und Dresdner Bank war deshalb massiv angestiegen. Damit hatte die Commerzbank nicht mehr genug eigenes Geld, um die aufsichtsrechtlichen Bedingungen für einen Zusammenschluss mit der Dresdner Bank zu erfüllen. Die für diesen Monat angestrebte Fusion drohte zu platzen.
In letzter Minute hatten Vertreter der Banken und des staatlichen Rettungsfonds Soffin zwischen Weihnachten und Neujahr nach einer Lösung gesucht, bei der auch die Dresdner-Bank-Mutter Allianz finanzielle Bürden tragen sollte.
Die Allianz soll aus der Bilanz der Dresdner Bank faule Wertpapiere im Wert von 1,1 Milliarden Euro übernehmen. Es geht dabei um riskante Wertanlagen, die im Zuge der Finanzkrise stark an Wert eingebüßt haben und nun die Unternehmensbilanzen belasten. Außerdem will auch die Allianz eine stille Einlage in Höhe von 750 Millionen Euro beisteuern. Sie wird nach dem Staat zweitgrößter Aktionär der Commerzbank.
In Finanzkreisen werden weitere Teilverstaatlichungen von Banken nicht ausgeschlossen. Ein wahrscheinlicher Kandidat sei die Hypo Real Estate, hieß es am Donnerstag.
(SZ vom 9. Januar 2008/woja)
Christopher Lee zum 90.
Lieber audio001 - aber selbstverständlich weiß die Politik, was sie tut: vielleicht springen bei der Commerzbank als Gegenleistung paar Posten für arbeitslose Politiker dabei raus - wer weiß, wer im nächsten Jahr im Vorstand hockt ?!
Diese einfache Rechnung, die Sie präsentieren, würde jeder "Würstchen-Verkäufer" und natürlich jede andere Bank, die der Commerzbank Kredit geben soll, eröffnen - klarerweise, weil er/sie es selber zahlt. Da der Politiker aber nur mit Steuergeldern umgeht, juckt ihn das nicht. Steuern zahlt er defacto auch nicht, weil er ja sein Gehalt vom Staat bekommt (man könnte ja alle Bezüge auf rein Netto Gehalt kürzen - das wäre ja sinngemäß gleichwertig) - deswegen ist einem Politiker die steuerliche Verschwendung egal ; zumindest so lange bis der Bürger es nicht merkt - und das bei unserer super Presse wie z.B. das Bild kann seeeeeehr laaaaange dauern - und bis dann ? Tja - 4 Jahre sind vergangen, Ansprüche auf eine Lebenslage Rente entstanden und ein ewiger Urlaub auf Mauritius winkt ...
@ fair-play: Lieber fair-play, es ist zu Verwundern, warum in den Medien gewisse Tatbestände ignoriert oder nur mit spitzen Fingern angefasst werden. Ich glaube, es ist Konsens, dass die gegenwärtige Krise ihren Anfang in den USA nahm. Wenn man sich aber das kleine Häuflein derer anschaut, die dieses riesige Fiasko angezettelt haben, dann fällt unweigerlich aus, dass diese fast ausschließlich Absolventen US amerikanischer Elite Universitäten sind. Kein Mensch stellt die Frage, was da eigentlich derart schief gelaufen ist, damit überhaupt dieses Desaster entstehen konnte. Schlimmer noch, jene Nobelpreisträger, die maßgeblich an den Unis tätig waren oder noch sind, kehren das mit ganz, ganz wenig ausnahmen unter den Tisch. Hinzu kommen einige Eliteinstitute in Deutschland, die fröhlich nach amerikanischem Vorbild verfahren. Ergo kann es auch niemanden überraschen, dass man im Rest der Welt genau so schwachsinnig war, wie in den USA selbst.
DAs die Commerzbank pleite ist, ist für die meisten Kommentatoren, die sich mit dem Thema eingehend befasst haben, schon seit einem Jahr klar. Und es war auch klar, dass diese Bank durch den Staat gerettet werden würde. Von daher keine Überraschung,
Die Pleitebank kann nicht vom Staat gerettet werden und wird bevor sie Konkurs geht für den Symbolwert von 1.- Euro verkauft. Die Neue Heimat lässt grüßen.
Der Wert der Commerzbank betrug in der letzten Woche rund 5 Mrd. Euro. Jetzt erwirbt der Staat eine Beteiligung von 25 % (und einer Aktie) für 10 Mrd. Euro. 8,2 Mrd. Euro gab es bereits als stille Einlage im letzten Jahr. D.h. das der Steuerzahler bislang 18,2 Mrd. Euro aufgewandt hat um letztendlich einen Anteil von 25 % zu erhalten.
In den besten Zeiten hat die Commerzbank einen Gewinn von 1,7 Mrd. Euro realisiert. Selbst wenn man unterstellt, dass die Commerzbank irgendwann wieder Gewinne zu erwirtschaften vermag; wird die Zinsbelastung. die letztendlich auf dem Steuerzahler lastet, höher sein als eine denkbare Gewinnbeteiligung.
Wenn man hypothetisch mit einbezieht, dass der Kapitalbedarf der Commerzbank zukünftig noch höher sein könnte als die bisherigen 18,2 Mrd. Euro, müsste der Steuerzahler möglicherweise noch mehr Geld in die Commerzbank einbringen!?
Wann glaubt man seitens der Regierung Merkel eigentlich, dass der Steuerzahler sein Geld wieder sieht?
Irgendwie beschleicht einen zunehmend das Gefühl, dass niemand in diesem Lande das Thema der Finanzkrise wirklich im Griff hat! Man könnte fast den Eindruck gewinnen, dass die handelnden Personen sich der Konsequenzen ihres Handelns nicht mehr bewusst sind?
Paging