Von Thomas Öchsner

Das isländische Kreditinstitut warb mit hohen Zinsen um deutsche Kunden - doch nun ist der Geschäftsbetrieb eingestellt.

Es klingt so, als wolle die isländische Kaupthing Bank ihre Kunden auf den Arm nehmen. "Jetzt ein Tagesgeldkonto eröffnen und von den hohen Zinsen profitieren", heißt es immer noch auf der Homepage des Instituts.

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Panik bei den Anlegern: Die Kaupthing Niederlassung in Deutschland wurde geschlossen. (© Foto: dpa)

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Dabei ist seit Donnerstag mit den hohen Zinsen Schluss: Das Geldhaus, das die isländische Regierung am Donnerstag unter Aufsicht stellte, hat seinen Geschäftsbetrieb eingestellt. 50000 Sparer müssen nun um ihr Geld zittern. Zum ersten Mal in der Finanzkrise sind nun auch Einlagen von Anlegern aus der Bundesrepublik konkret bedroht.

Der Niedergang des größten isländischen Bankhauses hatte sich bereits in den vergangenen Tagen angekündigt. Nach negativen Berichten über einen drohenden Staatskollaps des nordeuropäischen Landes zogen Anleger offenbar massenhaft Geld bei dem deutschen Ableger der Bank ab.

Das Callcenter war am Mittwoch ständig belegt. Trotzdem warb das Institut weiter mit großformatigen Werbeanzeigen um neue Kunden - mit einem Slogan, der heute wie blanker Hohn klingt: "Zinsen auf hohem Niveau, Vertrauen auf lange Sicht."

Nun heißt es, direkt neben der Werbung für das Tagesgeldkonto, auf der Homepage der Bank: "Sehr geehrte Kaupthing Edge Kunden, die Kaupthing Bank wurde heute unter die Aufsicht der isländischen Bankenaufsicht gestellt. Derzeit ist der Zugriff auf die Online-Konten nicht möglich. Sie erhalten schnellstmöglich weitere Informationen."

Bekannt ist, dass die Bank nicht der deutschen, sondern nur der isländischen Einlagensicherung angehört. Demnach sind Ersparnisse der Kunden von bis zu 20887 Euro zu 100 Prozent garantiert.

Unklar ist dagegen, inwieweit die isländische Staatsgarantie für Privateinlagen deutscher Kunden gilt. Die von Bundeskanzlerin Angela Merkel ausgesprochene Garantie für Einlagen deutscher Bürger dürfte für die Kaupthing-Kunden hierzulande wohl kaum gelten.

Die Frage ist deshalb, ob die isländische Einlagensicherung mit einem Volumen von etwa 100 Millionen Euro genug Substanz hat, um auch das riesige Auslandsgeschäft der Bank aufzufangen. Arno Gottschalk, Finanzexperte der Verbraucherzentrale Bremen, hat zumindest große Zweifel, dass die Anleger "kurzfristig an ihr Geld kommen werden".

Es bestehe aber zumindest die Hoffnung, dass die Einlagensicherung funktioniert, weil ja nun einiges getan werde, um einen Staatsbankrott in Island zu verhindern.

500 Millionen Euro im Feuer

Das Geldhaus warb seit März 2008 um deutsche Kunden. Zuletzt bot Kaupthing 5,65 Prozent für Tagesgeld und 6,10 Prozent für eine zwölfmonatige Festgeldanlage. Keine andere Bank in Deutschland zahlte so hohe Zinsen.

Nach Angaben der Finanzaufsicht Bafin haben sich bis Wochenbeginn 50.000 Sparer mit einem Einlagevolumen von 500 Millionen Euro von den Angeboten anlocken lassen. Inzwischen dürfte die Zahl geringer geworden sein.

Bis zuletzt hatte das Institut beteuert, in keiner finanziellen Schieflage zu sein. Auch die beiden anderen großen Geldhäuser des Landes stehen unter staatlicher Verwaltung.

Die Sparer der Bank diskutieren im Internet, wie sie doch noch an ihr Geld gelangen könnten. Auf der Homepage des Anlegermagazins Börse Online berichteten einige, dass der Link für die direkte Online-Maske funktioniere und sie noch am Vormittag Geld auf ihr Girokonto überwiesen hätten. Auch dieser Zugang wurde aber gesperrt. Die Bafin verhängte ein Auszahlungsverbot.

Um 15.55 Uhr schrieb ein Anleger: "Der Link ist tot, mal sehen, ob die heutigen Überweisungen noch ankommen."

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(SZ vom 10.10.08/ld/jkr)