Man muss kein Marxist sein, um zu erkennen, dass es um die kapitalistische Verheißung derzeit nicht gut bestellt ist, die da lautet: Gehe ein Risiko ein, und du kannst reich werden. Der Beinahe-Crash des Finanzsystems gibt all jenen recht, die noch nie an die unsichtbare Hand des Marktes glaubten und nichts von der schöpferischen Kraft des börsengetriebenen Kapitalismus hören wollten, weil sie nur seine zerstörerische Seite sehen.
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Es passt ins Bild, dass der Historiker Fritz Stern im Interview mit dem Manager Magazin die "beinahe schon verbrecherischen Finanzspekulationen" anprangert. Und dass nur noch ein kleiner Teil der Bürger glaubt, in Deutschland gehe es gerecht zu. Viele sind überzeugt, dass der Finanzkapitalismus gewissenlos ist und dass skrupellose Spekulanten die Börse mit dem Spielkasino verwechseln. Aber auch die Spielhölle ist nur eine Umverteilungsmaschinerie für Jetons. Sie hat schon viele Geldgierige angezogen - und Pleitiers ausgespuckt. Andere haben daran verdient. Insofern passt der Vergleich von Börse und Kasino: Der Ruin von Firmen und Familien gehört zum Kapitalismus wie das Geld.
Doch was ist überhaupt Geld? Die Wissenschaftler drücken sich um eine klare Antwort. Gut, Geld kommt aus dem Automaten in der Bankfiliale, zumindest solange es noch einen Dispokredit gibt. Aber wo stammt das Geld in der Maschine her? Ganz einfach: Geld wird mehr, wenn die Banken Kredite vergeben. Der österreichische Nationalökonom Josef Schumpeter nannte das "Kaufkraftschaffung aus dem Nichts". Die Geschäftsbanken wiederum besorgen sich Geld bei der Zentralbank. Dafür hinterlegen sie als Sicherheit zum Beispiel Staatsanleihen und zahlen einen kleinen Zins. Das Geld leihen sie dann aus - gegen Zinsen und Sicherheit.
Lautlos verschwundenes Geld
Die Leute, die Kredite aufnehmen, müssen also schon etwas Vernünftiges damit anstellen, etwa eine kleine Firma gründen, damit ihre Investition mehr Ertrag bringt, als sie Zinsen zahlen müssen. Sie müssen ein Risiko eingehen. So kommt das Geld in den Wirtschaftskreislauf, so erhöht der Schuldenkapitalismus den gesellschaftlichen Wohlstand. Wenn diese Kreditketten allerdings reißen, löst dies eine Spirale nach unten aus.
Wenn Kreditnehmer umkippen und die Bank ihr Geld nicht wiedersieht, muss sie Kapital abschreiben und kann weniger neue Darlehen ausreichen. Dann ist Geld aus der Volkswirtschaft verschwunden. Es gibt sie also, die echten gesamtwirtschaftlichen Verluste und die endgültige Kapitalvernichtung, die alle ärmer macht. Wenn die deutschen Geschäftsbanken jetzt weniger Kredite vergeben - und das auch nur zu strengeren Konditionen -, dann bremst dies die Konjunktur.
Normalerweise verschwindet das Geld aber geräuschlos aus der Welt - und zwar auf dem umgekehrten Weg, auf dem es entstanden ist: indem Schuldner ihren Kredit begleichen. Der 1924 geborene Privatbankier Johann Philipp Freiherr von Bethmann hat das klar benannt: "Jeder Geldforderung in der Wirtschaft entspricht logischer Weise eine gleichhohe Geldverpflichtung, eine Schuld,... und es ergibt sich die verblüffende Gleichung: Der Summe aller Schulden entspricht die Summe allen Geldes." Würden also alle Schulden zurückgezahlt, hätte sich das Geld tatsächlich "in Luft aufgelöst". Ein Börsenkrach dagegen schafft das nicht.
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(SZ vom 02.08.2008/tob)
Ägypten
Sie existieren nur, weil eine Schuld von 500 Euro dagegensteht. Das kann ein Bankkredit sein,oder eine Gehaltszahlung meines Chefs (die wiederum bei ihm eine Schuld begründet). Wenn ich ihnen die 500 Euro leihe, wandert die Schuld zu Ihnen.
So verrückt es klingt, ohne Schulden gäbe es kein Geld, sondern nur Grundvermögen, Immobilien, Naturalien, mit denen wir Tauschhandel treiben müssten.
Wer Aktien hält, bekommt beispielsweise in der Zwischenzeit Dividenden. Die bekommt der Aktieninhaber aber von dem betreffenden Unternehmen, nicht von einem anderen Börsenteilnehmer. Diesbezüglich ist es also KEIN Nullsummenspiel zwischen den Börsenteilnehmern. Und genau aus diesem Grunde kann man Aktien zur Geldanlage einsetzen.
Sie schreiben:"Der Summe aller Schulden entspricht die Summe allen Geldes." Würden also alle Schulden zurückgezahlt, hätte sich das Geld tatsächlich "in Luft aufgelöst""
Das stimmt so nicht: Stellen sie sich vor wir wären die einzigen Menschen auf der Welt. Sie leihen mir 500,00 Euro. Jetzt stimmt der erste Teil der Aussage. Ich gebe ihnen die 500,00 Euro wieder zurück. Das Geld hat sich doch dadurch, dass ich meine Schulden bezahle, nicht in Luft aufgelöst. Es ist doch noch da. Es ist nur nicht bei mir sondern wieder bei Ihnen.
Allen Einnahmen aus Aktienverkäufen steht der gleiche Betrag als Ausgabe bei Einkäufen gegenüber. Es ist somit ein Nullsummenspiel.
Geld verschwindet nicht sondern wechselt nur die Besitzer. Verluste und Gewinne entstehen nur in den jeweiligen Handelsstufen, bei denen die kaufen und verkaufen.
und zu adenosine:
Der Sinn der Finanzmärkte ist es nun mal die Gelder von Privatleuten, Steuergelder sowie Ressourcen der Notenbanken und der zukünftigen Generation in die Hände von qualifizierten Investoren zu überführen.
Diese Aussage finde ich sehr treffend und in der Theorie auch gut. Nur existiert diese rein positive Welt der "Qualifizierten" nicht. Im Casino ist das auch ok. Ist Geld weg, bin ich betroffen, weil meine Entscheidung. Auf dem Finanzmarkt sieht das zu häufig anders aus. Das Geld ist weg, meine Entscheidung, aber ich hab meins. Wer ist da betroffen? Häufig Privatleute und Steuerzahler, die nichts gemacht haben. Ist das Fair? Pech? Dumm ge- laufen? Interessiert das jemanden? Morgen geh ich ins Casino und hau 100000 Euro auf den Kopf, egal! ( kleiner Scherz )
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