Im Jargon der Börse löst sich Geld gern "in Luft" auf oder "wird verbrannt". Das ist falsch. Denn das Vermögen ist nicht weg, sondern nur woanders.
Wie geht nochmal Katastrophen-Kapitalismus? Genau, man muss nur Börsennachrichten lesen, schon begreift man seinen Schrecken: Täglich verschwinden Milliarden aus den Bilanzen der Banken und Depots der Anleger - einfach so, spurlos. Vor den Augen ihrer arglosen Besitzer lösen sie sich einfach in Luft auf. Der Deutsche Aktienindex Dax hat im ersten Halbjahr ein Viertel seines Wertes verloren: "Ein Vermögen von 250 Milliarden Euro hat sich in Luft aufgelöst", steht in der Zeitung. In Amerika wütet die Hypothekenkrise, mehr und mehr Hausbesitzer können ihre Kredite nicht bedienen. Was schreibt das Wall Street Journal? Die wahre Größenordnung des Problems liege bei "1000 bis 2000 Milliarden Dollar, die sich teilweise in Luft aufgelöst haben dürften".
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Wo sind die Milliarden geblieben? An der Deutschen Börse hat der Dax im ersten Halbjahr ein Viertel seines Wertes verloren. (© Foto: AP)
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Es ist schon interessant, dass sich das Geld einfach so davonmacht. 1000 Milliarden Dollar sind kein Pappenstiel. Das sind 635 Milliarden Euro. Davon könnte die Lottofee zweimal wöchentlich einen Jackpot von zehn Millionen Euro ausschütten - bis ins Jahr 2618 hinein. Erst dann wäre die Summe unters Volk gebracht. Kann so viel Geld überhaupt verlorengehen? "Die Milliarden sind nicht weg. Sie sind bloß in anderen Taschen", sagt Andreas Oehler, Wirtschaftsprofessor an der Universität Bamberg. "Was der eine verliert, verdient der andere."
Stille Gewinner
Viel Geld ist einfach umverteilt worden zwischen Banken aller Art, reichen Privatleuten und mächtigen Hedgefonds, zwischen Menschen, die Häuser zu überhöhten Preisen gekauft haben, und anderen, die sie zu überhöhten Preisen verkauft haben. Mit Wetten auf einen Absturz des Immobilienmarktes haben gerissene Hedgefondsmanager Milliarden verdient.
Der schlaueste, John Paulson, kassierte im vorigen Jahr 3,7 Milliarden Dollar. Und das ist nur sein Gehalt, seine Kunden haben ein Vielfaches davon bekommen. Auf der anderen Seite haben Banken und ihre Aktionäre Milliardenverluste gemacht. Am Ende ist es ein Nullsummenspiel, das allerdings nur im Lauf der Zeit aufgeht.
Wer vor einem Jahr Aktien der Deutschen Bank kaufte, zahlte 100 Euro, verkauft er heute, bekommt er nur noch 50 Euro. Andere Anleger haben 50 Euro mit dem Papier verdient, sie griffen Ende 2003 zu und haben vor einem Jahr verkauft. Raus aus der einen Tasche, rein in die andere. Nur: Von den Gewinnern hört man wenig, die guten Zeiten liegen ja auch schon Monate zurück.
Sparen, sparen, sparen
Wir neigen dazu, nur den Absturz zu betrachten - und übersehen, dass viele schon beim Aufstieg kräftig verdient haben. Zudem machen manche, etwa clevere Hedgefonds, ja selbst mit dem Absturz Gewinn. "Das Geld ist nicht weg, sondern nur woanders", sagt auch Harald Uhlig, Ökonomieprofessor der Universität Chicago.
Ein Großteil des vernichteten Börsenwerts sind ohnehin Verluste, die "nicht realisiert" worden sind, wie der Fachbegriff lautet: Der Wert des Aktiendepots sinkt, wenn die Kurse niedriger stehen, ohne dass man selbst verkauft hätte. Man könnte meinen, solche Verluste seien egal für eine Volkswirtschaft. Doch das stimmt nicht. Wer Buchgewinne hat, einfach weil die Aktienkurse steigen, wird auf dem Papier reicher, aber das ändert meist nicht viel an seinem Leben. Er sieht einfach zu, wie sein Vermögen wächst.
Wer aber Verluste verbucht, muss sie oft durch einen Verkauf realisieren. So zwingen gesetzliche Vorschriften Versicherungen und Banken dazu, sich bei Buchverlusten von Papieren zu trennen. Das Geld ist also wirklich futsch. Dann heißt es: Sparen, sparen, sparen - und das schadet der Konjunktur.
Lesen Sie im zweiten Teil, warum der Kapitalismus derzeit schwächelt - und was passieren würde, wenn alle Schuldner auf der Welt ihre Schulden begleichen würden.
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Nachruf
Sie existieren nur, weil eine Schuld von 500 Euro dagegensteht. Das kann ein Bankkredit sein,oder eine Gehaltszahlung meines Chefs (die wiederum bei ihm eine Schuld begründet). Wenn ich ihnen die 500 Euro leihe, wandert die Schuld zu Ihnen.
So verrückt es klingt, ohne Schulden gäbe es kein Geld, sondern nur Grundvermögen, Immobilien, Naturalien, mit denen wir Tauschhandel treiben müssten.
Wer Aktien hält, bekommt beispielsweise in der Zwischenzeit Dividenden. Die bekommt der Aktieninhaber aber von dem betreffenden Unternehmen, nicht von einem anderen Börsenteilnehmer. Diesbezüglich ist es also KEIN Nullsummenspiel zwischen den Börsenteilnehmern. Und genau aus diesem Grunde kann man Aktien zur Geldanlage einsetzen.
Sie schreiben:"Der Summe aller Schulden entspricht die Summe allen Geldes." Würden also alle Schulden zurückgezahlt, hätte sich das Geld tatsächlich "in Luft aufgelöst""
Das stimmt so nicht: Stellen sie sich vor wir wären die einzigen Menschen auf der Welt. Sie leihen mir 500,00 Euro. Jetzt stimmt der erste Teil der Aussage. Ich gebe ihnen die 500,00 Euro wieder zurück. Das Geld hat sich doch dadurch, dass ich meine Schulden bezahle, nicht in Luft aufgelöst. Es ist doch noch da. Es ist nur nicht bei mir sondern wieder bei Ihnen.
Allen Einnahmen aus Aktienverkäufen steht der gleiche Betrag als Ausgabe bei Einkäufen gegenüber. Es ist somit ein Nullsummenspiel.
Geld verschwindet nicht sondern wechselt nur die Besitzer. Verluste und Gewinne entstehen nur in den jeweiligen Handelsstufen, bei denen die kaufen und verkaufen.
und zu adenosine:
Der Sinn der Finanzmärkte ist es nun mal die Gelder von Privatleuten, Steuergelder sowie Ressourcen der Notenbanken und der zukünftigen Generation in die Hände von qualifizierten Investoren zu überführen.
Diese Aussage finde ich sehr treffend und in der Theorie auch gut. Nur existiert diese rein positive Welt der "Qualifizierten" nicht. Im Casino ist das auch ok. Ist Geld weg, bin ich betroffen, weil meine Entscheidung. Auf dem Finanzmarkt sieht das zu häufig anders aus. Das Geld ist weg, meine Entscheidung, aber ich hab meins. Wer ist da betroffen? Häufig Privatleute und Steuerzahler, die nichts gemacht haben. Ist das Fair? Pech? Dumm ge- laufen? Interessiert das jemanden? Morgen geh ich ins Casino und hau 100000 Euro auf den Kopf, egal! ( kleiner Scherz )
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