Finanzkrise in Griechenland Papandreou will Steuermilliarden mit privaten Schnüfflern eintreiben

Die Zahlen sind unglaublich: Allein 14.000 Griechen schulden ihrem Staat 36 Milliarden Euro. Ministerpräsident Papandreou kündigt an, private Steuerfahnder das Geld eintreiben zu lassen. Die eigenen Beamten hält er für überfordert.

Griechenlands Regierung vertraut den eigenen Steuerbeamten nicht mehr: Ministerpräsident Giorgos Papandreou erwägt den Einsatz privater Fahnder, um endlich die hohen Steuerschulden einzutreiben, die mitverantwortlich für die desolate finanzielle Lage des Landes sind.

"Es gibt in Griechenland 14.000 Menschen, die dem Staat zusammen etwa 36 Milliarden Euro an Steuern schulden", sagte Papandreou der Financial Times Deutschland. "Auf diese Gruppe will sich der Finanzminister jetzt konzentrieren. Wir werden die Aufgabe wahrscheinlich an Privatfirmen outsourcen."

Die Regierung habe den Eindruck, dass der Verwaltungsapparat das nicht leisten könne und sich bei dieser Aufgabe nicht sehr wirkungsvoll gezeigt habe. "Griechenland hat keinen Verwaltungsapparat wie ein nordisches Land, der gut organisiert ist und dem einfach Anordnungen erteilt werden, die dann verlässlich umgesetzt werden", zitiert die Zeitung Papandreou.

In dem Interview gab der Ministerpräsident einen Einblick in das Ausmaß, das die Steuervermeidung in seinem Land angenommen hat: Etwa 900.000 Griechen schuldeten dem Staat laut Finanzamt einen niedrigen Milliardenbetrag. Im Frühjahr gab der griechische Industrieverband an, dass dem Staat jährlich 23 Milliarden Euro durch Steuerhinterziehung entgehen.

Um das Problem der Steuerflucht unter Kontrolle zu bringen, will sich der Ministerpräsident Hilfe aus dem Ausland holen: "Es gibt Steuerflucht in die Schweiz", sagte Papandreou. "Wir sind deshalb in Gesprächen mit der Schweiz, ähnlich wie es auch Deutschland macht."

Bei allen eigenen Anstrengungen bat Papandreou Europas Regierende nochmals darum, schnell ein zweites HIlfspaket zu beschließen: "Wenn wir nicht bald die Entscheidung haben, dass das zweite Programm Griechenland schützt und das Land seine tiefgreifenden Reformen unternehmen kann, wird das Programm selbst unterlaufen."

Die Steuermilliarden braucht Griechenland dringend: Noch immer haben sich die EU-Staaten nicht auf konkrete neue Hilfen für das schwer überschuldete Land geeinigt. Zumindest die Analysten der Ratingagenturen verlieren zusehends das Vertrauen, dass es bald zu einer Lösung kommt: Die Agentur Moody's stufte Griechenland am Mittwochabend auf die Stufe "CCC" herab - nur eine Stufe über dem Status "D", der für Zahlungsunfähigkeit steht.

Wenn dem Staat das Geld ausgeht

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