SZ: Dem Dollar geht es ähnlich schlecht wie dem Euro, nachdem die Amerikaner noch mehr auf Pump leben als die Europäer. Ist die US-Währung gefährdet?
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Bofinger: Der Euro ist vom Wechselkurs her gesehen im Vergleich zum Dollar die eindeutig stärkere Währung. Das öffentliche Defizit in den Vereinigten Staaten ist mehr als doppelt so hoch wie im Euroraum. Ich kann mir zudem gut vorstellen, dass es in den USA eine Tendenz zu einer inflationären Wirtschaftspolitik geben wird. Die privaten Haushalte in Amerika sind im Unterschied zu denen in Europa Netto-Schuldner, sie würden also dadurch entlastet. Ich halte daher mittelfristig eine Abwertung des Dollar für wahrscheinlich.
SZ: Könnte eine Währungsreform helfen, die aktuelle Krise zu bereinigen?
Bofinger: Diesen Vorschlag halte ich für völligen Quatsch. Eine Währungsreform ist nur unter speziellen Voraussetzungen notwendig. Dazu gehört, dass der Staat die Preise über längere Zeit durch Preiskontrollen künstlich niedrig hält und sich massiv über die Notenpresse finanziert. Das war etwa nach dem Zweiten Weltkrieg in Deutschland der Fall: Hitler hat seine Politik und seine Kriege von der Reichsbank finanzieren lassen und die Preise für die wichtigsten Güter eingefroren.
Der spätere Wirtschaftsminister Ludwig Ehrhard wollte mit Einführung der Marktwirtschaft die Preise wieder freigeben. Ohne eine Währungsreform wäre es zu einer horrenden Inflation gekommen, da sich im Vergleich zur Gütermenge eine zu hohe Geldmenge aufgebaut hatte. Die heutige Situation hat damit nichts gemeinsam. Durch die Immobilienkrise und den Verfall der Aktienkurse gibt es enorme Vermögensverluste. Es besteht somit zunächst eher die Gefahr der Deflation.
SZ: Was würden Sie tun, um die Krise wirkungsvoll zu bekämpfen?
Bofinger: Die Kooperation zwischen den großen Wirtschaftsnationen muss dringend verstärkt werden. Warum setzen sich die Regierungschefs der wichtigsten Länder nicht ins Flugzeug, um sich am nächsten Wochenende zu einem persönlichen Gespräch zu treffen, ohne Pomp und ohne große Kommuniqués, so wie das Helmut Schmidt in der Rezession von 1975 mit dem G-6-Treffen in Rambouillet praktiziert hat.
Dabei müssen vor allem die Chinesen als größtes Überschussland intensiv eingebunden werden. Es geht darum, schnell und gemeinsam Lösungen zu finden, schon um ein Aufkommen protektionistischer Tendenzen zu vermeiden.
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(SZ vom 20.02.2009/iko)
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