Cantonas verblüffend einfacher Vorschlag: Statt auf die Straße sollen die Protest-Bürger zu ihrer Bank gehen und ihr Geld abheben. "Wenn das drei Millionen oder zehn Millionen Menschen tun, werden die Banken kollabieren. Das wäre eine echte Revolution."

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Cantona wirbt für seinen Weg, der "keine Waffen und kein Blutvergießen" enthalte, aber sehr viel Macht: "Auf diese Weise werden sie uns zuhören", er meint die Regierungen, die Banken stützen und Steuerzahler und Sozialschwache belasten. Die französische Initiative StopBanque will Cantonas Freistoß zu einer gemeinsamen Abhebeaktion am 7. Dezember machen, angeblich wollen bereits 14.000 Bürger ihr Geld abheben, vor allem in Großbritannien und Frankreich findet der Fußballer Aufmerksamkeit.

So wie früher halt auch. Nachdem er 1991 französischer Meister wurde, wechselte Cantona auf die Insel. Gleich in seiner ersten Saison für Manchester United bespuckte er einen gegnerischen Fan, wurde dann dreimal britischer Meister - und anschließend monatelang gesperrt. Nachdem er eine rote Karte erhalten hatte, hatte ihn ein rechtsradikaler Fan angepöbelt. Cantona bedachte ihn mit einem Kung-Fu-Tritt.

Danach spielte er noch einige Jahre erfolgreich für Manchester, wurde nach Karriereende 2005 von 26.000 Fans aller Länder zum besten Spieler aller Zeiten der britischen Premier League gewählt. Und engagiert sich neuerdings für die französische Abbe-Pierre-Stiftung, die Unterkünfte für Arme bereitstellt.

Was ist von Cantonas neuestem Kopfstoß zu halten? Sicher ist, dass er effektiver sein könnte als Demonstrationen, die zur Protestfolklore gehören. Die Frage ist, ob genug Bürger zu einer solchen Boykottaktion bereit sind - Massenproteste gegen einzelne Firmen, die Beschäftigte feuern oder die Umwelt belasten, enden meist im Nichts.

Und eine noch drängendere Frage ist, die Bürger nicht stärker leiden als jetzt, wenn auch noch Banken kollabieren und das Wirtschaftssystem lahmgelegt wird. Cantona erregt auf jeden Fall Aufsehen. Sein Lebensmotto heißt: "Die Verrückten haben der Welt mehr gebracht als die Vernünftigen." Wie das in seinem Fall ist, wird die nähere Zukunft zeigen.

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(SZ vom 23.11.2010/aum)