Finanzkrise Ein Traum zerbricht

Die einen wollten ein schönes Haus, die anderen einfach nur reich werden - das konnte nicht gutgehen. Die (vorläufige) Geschichte der Finanzkrise - ein Drama in zehn Akten.

Von T. Fromm und A. Mühlauer

Erster Akt:

Der amerikanische Traum

Am Anfang ist der Traum. Er beginnt mit einer Unterschrift. Viele Amerikaner unterschreiben, weil sie sich ihren "American Dream" erfüllen wollen - den Traum vom eigenen Heim. Für US-Bürger ist das so wichtig wie das Auto. Aber nur die wenigsten haben das Geld dafür. Also kaufen sie auf Pump. Bis zu 100 Prozent ihrer Häuser und Wohnungen finanzieren sie mit Krediten. Das Risiko scheint gering. Die Zinsen sind niedrig, und die Immobilienpreise kennen seit Jahren nur eine Richtung: aufwärts. Makler und Eigenheimfinanzierer wollen Geschäfte machen. Egal, ob jemand Geld oder Arbeit hat oder nicht - es gibt Kredite für alle. Alle sind glücklich, alle dürfen mitträumen.

Auch die amerikanischen Finanzmakler sind glücklich. Sie kassieren Provisionen, indem sie Menschen Darlehen aufschwatzen, die sich so etwas eigentlich gar nicht leisten können. Mit der Zeit werden Kredite immer laxer vergeben. Mit den sogenannten "Ninja-Loans" läuft die Verkaufsmaschinerie auf Hochtouren.

Ninja-Loans: Abkürzung für "No income, no job or asset". Wer einen Hauskredit aufnimmt, braucht weder Job, nachweisbares Einkommen noch sonst irgendwelches Vermögen als Sicherheit.

Die meisten Kredite haben, anders als in Deutschland, keine festen Zinssätze; die Belastung, die Schulden zurückzuzahlen, kann mehr oder weniger hoch ausfallen. Das macht die Sache nicht ungefährlicher. Dennoch spielen alle mit.

"Es ist großartig: Jeder kann sich ein eigenes Heim leisten. Ich danke Gott, Amerikanerin zu sein." (Kelly Sanders, Hausbesitzerin aus Tuscon, Arizona)

Lesen Sie im zweiten Akt, wie aus den Krediten tickende Zeitbomben wurden.

Die wichtigsten Ereignisse in Bildern

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